Die stärksten Sprüche der Bavaria

Die hinterfotzige Mama auf dem Nockherberg

+
Kinseher verlangt ihren Zuhörern eine ganze Menge ab.

München - Luise Kinseher gibt zum dritten Mal am Nockherberg die Bavaria. Jetzt ist sie dort richtig angekommen. Wir zeigen ihre besten Sprüche und die Höhepunkte ihrer Rede:

Den Herrn in der ersten Reihe kann an diesem Tag nicht mehr viel irritieren. Selig lächelnd sitzt Horst Seehofer im Blitzlichtgewitter. Mittags hat sich der Ministerpräsident in Rom vom scheidenden Papst verrabschiedet. „Erhebend“ sei es gewesen, erzählt er. „Sowas erlebt man nur einmal im Leben.“ Ein Händedruck von Benedikt XVI.! Andere Katholiken würden sich wochenlang nicht mehr die Hand waschen.

Nockherberg: Höhepunkte der Bavaria-Rede

Nockherberg: Höhepunkte der Bavaria-Rede

Alles zum Nockherberg finden Sie hier

Naja, so richtig böse kann die Mama mit ihren Kindern einfach nicht sein. Aber die Niederbayerin ist wesentlich hinterfotziger als bei den letzten Malen. Und genau so sollte der Nockherberg sein. Kinseher verlangt ihren Zuhörern eine ganze Menge ab. Natürlich geht’s um den Landtagswahlkampf, die „Mutter aller Schlachten“. Doch weil die größten Schlachten meist zur See gefochten wurden (wenn auch nicht von Bayern), zieht sich durch die Rede der Bavaria eine Meeres-, Schiffs- und Wasser-Metapher. Das kann mitunter saukomisch sein. Beispielsweise, wenn sie Seehofers 180-Grad-Wenden als Erfindung der russischen U-Boot-Marine beschreibt (die auch noch „irrer Iwan“ heißen). Wenn sich Christian Ude bei ihr hinter dem „Kap der guten Hoffnung“ versteckt. Oder wenn Martin Zeil im Schlauchboot hinterherrudert. Leider wird das Bild zuweilen auch ein wenig strapaziert: Florian Pronold wird dann zum Leichtmatrosen, Hans-Peter Friedrich zum Frachter und Christine Haderthauer zum Außenborder.

Nockherberg: Die besten Sprüche des Singspiels

Nockherberg: Die besten Sprüche des Singspiels

Es ist keine leichte Aufgabe für die 44-jährige Kabarettistin, schließlich blickt alles auf das Singspiel. Man merkt genau, wie viel Arbeit Kinseher deshalb in diese Rede gesteckt hat. Die großen bayerischen Themen werden oft nur angetippt, manchmal müssen kleine, feinsinnige Anspielungen wie an den Fall Gustl Mollath oder den Meinungsumschwung der CSU beim Donauausbau genügen. Aber es stimmt schon: Die Realität der bayerischen Landespolitik hat die Satire längst überholt. Was soll die Kabarettistin bei all den Wirrungen rund um Staatskanzlei und Maximilianeum noch obendrauf setzen? Einmal sagt die Bavaria: „Man muss die CSU Minister nicht derblecken – es reicht, sie zu zitieren.“

Kinseher setzt oft auf die humorigen Randnotizen des vergangenen Politjahres. Sie setzt dabei viel bei ihrem Publikum voraus: Im Saal wissen sie natürlich, dass sich die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth auf der Münchner Sicherheitskonferenz den iranischen Botschafter mit einem „High Five“ abklatschte.

Sie kennen auch die Geschichte, wie Innenminister Joachim Herrmann beim symbolischen „Spatenstich“ für eine Umgehungsstraße in Kempten mit dem Bagger umfiel.

Und einige haben sicher auch mitbekommen, wie Verkehrsminister Peter Ramsauer bei Frank Plasbergs „Hart, aber fair“ durch den Schildertest fiel. Aber weiß das auch der normale Zuschauer zuhause?

Diese Promis waren dabei

Nockherberg: Schaulaufen der Promi-Gäste

Meist aber ist die Rede sehr vergnüglich. Markus Söder, der ja dank des Singspiels schon seit Jahren der große Gewinner am Nockherberg ist, hat diesmal auch in der Rede die beste Position. Der Finanzminister ist Kinsehers Running-Gag. Immer wieder streut sie ihn kurz ein, erst am Schluss bekommt er dann wirklich sein Fett weg. Das auch nicht zu knapp: „Das hat Tragik. Erst macht ihn ein Möbelhaus zum Armleuchter, dann der Ministerpräsident!“

Aber da die Politiker genau verfolgen, wie oft sie groß auf dem Bildschirm zu sehen sind (und sich dabei vorgeblich ganz königlich amüsieren), darf sich der bayerische Finanzminister durchaus als ein Gewinner der Rede fühlen. Anders als 2012 straft die Mama diesmal auch keines ihrer wichtigen Landeskinder durch Nichtbeachtung, das gilt unter Politikern als Höchststrafe, die beim letzten Mal Joachim Herrmann und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger traf.

Nockherberg: Die besten Bilder der letzten 30 Jahre

Nockherberg: Die besten Bilder der letzten 30 Jahre

Diesmal werden alle erwähnt, die trotz der harten Konkurrenz (in der Allianz Arena spielen gleich die Bayern gegen Dortmund) den Weg auf den Nockherberg gefunden haben. Für Frank-Walter Steinmeier reicht ein Satz, auch Umweltminister Marcel Huber und Justizministerin Beate Merk werden mit einer eigenen Passage geadelt. Da Kinseher aber zuweilen tatsächlich deutlich deftiger zur Sache geht als noch im Vorjahr, dürfte die Freude darüber zwiespältig ausfallen. Horst Seehofer jedenfalls ist äußerst zufrieden. „Es war heute ein bisschen feuriger und auch schärfer als letztes Jahr. Aber es wurde gerecht verteilt.“ Wie gesagt: An diesem Abend ist der Ministerpräsident mit sich und der Welt im Reinen.“

Mike Schier

auch interessant

Kommentare