Berühmter Psychiater

Jetzt blickt er Mollath in die Seele

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Professor Norbert Nedopil ist ein viel gefragter Gutachter, wenn es um die unfassbarsten Verbrechen geht

München - Professor Norbert Nedopil hat Sexualmördern, Kinderschändern und Bombenattentätern die Hand geschüttelt. Jetzt soll Münchens berühmtester Psychiater Gustl Mollath untersuchen.

Gustl Mollath wurde im August freigelassen

Er hat Sexualmördern, Kinderschändern und Bombenattentätern die Hand geschüttelt. Für Professor Norbert Nedopil (66) gehört das zum Job. Er blickt in die Abgründe der Seelen der gefährlichsten Verbrecher. Der forensische Psychiater an der Uni München ist ein viel gefragter Gutachter vor Schwurgerichten in ganz Deutschland. Jetzt soll er Gustl Mollath (57) untersuchen – jenen Mann, der vermutlich jahrelang grundlos in der Psychiatrie eingesperrt war.

Das Landgericht Regensburg hat im Wiederaufnahmeverfahren im Fall Mollath den bekannten Gerichtspsychiater mit einem erneuten Gutachten beauftragt. Nach Ansicht des bisherigen Gutachters ist Mollath „für die Allgemeinheit gefährlich“, weil er seine Ex-Ehefrau misshandelt haben soll. Wird Professor Nedopil das Gutachten seines Kollegen zerpflücken?

Mollath und Nedopil werden sich sicher verstehen. „Ich gebe allen die Hand“, sagte Nedopil in einem Interview mit dem SZ-Magazin. Aber er erklärt sofort allen Probanden: „Nichts von dem, was Sie jetzt sagen, kann ich für mich behalten.“

Dennoch schütten die meisten bei ihm ihr Herz aus. Wie kommt das? „Ich behandle die Menschen voller Wertschätzung.“ Das gilt auch für Verbrecher, die Menschen sadistisch zu Tode gequält haben, sie sich zunehmend sexuell erregten, je schlimmer ihre Opfer litten. Zum Beispiel Martin P. (siehe rechts), der zwei Kinder auf bestialiche Weise ermordet hatte. Ihn hatte Nedopil schon beim ersten Fall als gefährlich eingestuft. P. bekam die höchstmögliche Strafe, zehn Jahre Jugendhaft. Kaum in Freiheit wurde er wieder zum Mörder. Empfindet man als Gutachter da keine Abscheu? „Nein“, betont Nedopil. „Ich muss die Leute in Versuchung führen, sie dazu bringen, ihre Pathologie zu zeigen.“ Und dann? „Ich denke, jetzt habe ich ihn erwischt. Mich treibt die menschenkundliche Neugier.“

Seine Probanden würden ihn oft anlügen, erzählt Nedopil. Aber: „Die reden und merken sich nicht alles. Ich schon.“ Auf diese Weise komme er schnell auf Widersprüche. Es ist sein Job, die Gerichte darauf aufmerksam zu machen.

Zum Fall Mollath will Nedopil jetzt noch nichts sagen. Der Prozess beginnt voraussichtlich im nächsten Frühjahr.

Eberhard Unfried

Die spektakulärsten Verbrechen Münchens

In seiner mehr als 850-jährigen Stadtgeschichte geschah in München schon so manches Verbrechen. Die einen oder anderen waren so bedeutsam oder schwerwiegend, dass sie den Eintrag in die Geschichtsbücher schafften. Wir stellen Ihnen hier einige der spektakulärsten Verbrechen Münchens vor. In das Gefängnis Am Neudeck (Bild) kam dabei auch so mancher Missetäter. © gs
Die Entstehung Münchens soll verschiedenen Quellen nach auf einem Verbrechen basieren. So ließ Heinrich der Löwe im Jahr 1158 die Zollbrücke des Bischofs von Freising bei Oberföhring zerstören, um "bei den Mönchen" eine neue Brücke zu errichten und so am Salzhandel zu verdienen. Rund um die Brücke auf Höhe der heutigen Ludwigsbrücke entstand so München. © Archiv
Im Jahr 1600 will Herzog Maximilian I. ein Exempel statuieren und lässt die völlig unschuldige Familie Pämb auf furchtbare Art und Weise foltern und anschließend bei lebendigem Leib als Hexen verbrennen. Paulus (57) und Anna (59) Pämb, ihre Söhne Gumpprecht (22), Michael (20) und Hans (11) sowie weitere Verdächtige sterben. © dpa
Die erfolglose Schauspielern Adele Spitzeder sucht sich 1872 ein lukratives Nebengeschäft und gründet die "Dachauer Bank". Damit zockt sie Tausende vertrauensseliger Geldanleger ab, das Geld verprasst sie. Der Gesamtschaden der in der Maxvorstadt lebenden Betrügerin: Acht Millionen Gulden. (im Bild Schauspielerin Claudia Bethke als Adele Spitzeder bei "Münchner Tatorte Rundgang")  © Jantz
Der "Maxvorstadt-Würger" Johann Berchtold erdrosselt im Jahr 1896 drei Frauen in der Karlstraße. Einmal geständig, werden ihm auch noch zwei weitere Morde in der Au zur Last gelegt, nachgewiesen werden können sie ihm aber nicht. © Hirschkäfer-Verlag
Am 21. Februar 1919 erschießt Graf Arco auf Valley den ersten bayerischen Ministerpräsidenten und Gründer des Freistaates Bayern, Kurt Eisner. Den Mord in der Prannerstraße begeht Valley, um seine "rechte Gesinnung" zu beweisen. Valley verbringt nur kurze Zeit im Zuchthaus und lebt bis 1945. © dpa
Am 17. August 1919 wird der 17-jährige Josef Apfelböck verhaftet. Er hatte seine Eltern erschossen, weil sie ihm auf die Nerven gegangen waren. Anschließend lebte er wochenlang mit den verwesenden Leichen in einer Wohnung. © gs
Der Aubinger Alchemist Franz Tausend beginnt 1924 seine jahrelangen Betrügereien, indem er vorgaukelt, aus Blei Gold gewinnen zu können. Die Millionen, die ihm Anleger nachschmeißen, steckt er in die eigene Tasche. © gs
Zwischen 1933 und 1945 regieren die Nazis in München. Zwölf Jahre voller Verbrechen und Unterdrückung. © dpa
Einer der schlimmsten Sexualverbrecher der Geschichte Münchens wird 1939 hingerichtet. Dem 33-jährigen Johann Eichhorn (übrigens der Enkel des "Maxvorstadt-Würgers") konnten 90 Vergewaltigungen und fünf bestialische Sexualmorde nachgewiesen werden. Sein Spitzname: Die Bestie von Aubing. © Repro: Haag
1951 kommt die "Pantherbande" vor Gericht. Sie bestand bei ihrer Gründung 1944 aus zahlreichen Jugendlichen, ihr Chef war ein 13-Jähriger. Nach zahlreichen kleineren Delikten schaukelten sich die Verbrechen immer höher, bishin zum Mord. © dpa
1960 sorgt der Fall Vera Brühne für Aufsehen. Die attraktive Lebedame wird verurteilt, weil sie gemeinsam mit ihrem Geliebten den Arzt Otto Praun sowie dessen Haushälterin aus Geldgier ermordet haben soll. Es entwickelt sich einer der aufsehenerregendsten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. © dpa
Am 10. Februar 1970 geschieht die erste Flugzeugentführung auf deutschem Boden. Der Zwischenfall ereignet sich auf dem Flughafen Riem, wird aber durch den heftigen Widerstand der Bordcrew einer El-Al-Maschine zerschlagen. © gs
Der erste Banküberfall mit Geiselnahme auf deutschem Boden endet am 4. August 1971 in der Prinzregentenstraße tödlich. Einer der Täter, Hans Georg Rammelmayr, sowie eine weibliche Geisel sterben im Kugelhagel. © Archiv
Am 5. September 1972 nehmen palästinensische Terroristen elf israelische Sportler während der Olympischen Spiele als Geisel. Alle elf Sportler, fünf Terroristen und ein deutscher Polizist sterben. © dpa
14. Dezember 1976: Industriellensohn Richard Oetker wird entführt und kommt nach tagelangem Martyrium, das ihn zum schwer Körperbehinderten macht, für 21 Millionen D-Mark wieder frei. © dpa
1979 kommt Dr. Mord vor Gericht. Er hat sich per Kontaktanzeige seine Opfer gesucht und mindestens drei Frauen brutal ermordet. © gs
Neonazi Gundolf Köhler zündet am 26. September 1980 eine selbsgebastelte Bombe am Haupteingang des Oktoberfests. 13 Menschen sterben, 211 werden verletzt. Ob der Täter alleine handelte oder politische Hintergründe eine Rolle spielten, wird nie geklärt. © dpa
Der Schauspieler Walter Sedlmayr wird am 14. Juli 1990 in seiner Wohnung von seinem Ziehsohn und dessen Halbbruder mit einem Hammer erschlagen. © dpa
22. Januar 1995: Bei der Fahndung nach einem Tankstellenräuber suchen Polizist Markus Jobst (21) und seine Kollegin Margit H. (24) den U-Bahnhof Bonner Platz ab - und laufen dem Killer Boro M. in die Arme. Margit H. überlebt. Markus Jobst aber zögert, schießt nicht - und wird vom Täter auf der Treppe erschossen. Dort legen seine Kollegen noch heute Blumen hin. Der Fall beeindruckte die jungen Polizisten besonders. Einer sagte: „Sowas machen wir oft. Wer denkt daran, dass sowas passieren kann...“ © Grabellus
Juni 1996: Ein Mörder in den eigenen Reihen schockte im Juni 1996 die Beamten der Schwabinger Polizeiinspektion. Der Kontaktbeamte Peter R. (damals 37 Jahre)lockte seine ehemalige Lebensgefährtin Gabriele L. und deren neuen Freund Thilo K. in eine Falle, betäubte beide und schlug ihnen Köpfe und Hände ab. Sein Motiv: 130 000 Mark, die er seiner toten Ex-Freundin stahl. Die Leichen wurden erst Wochen später gefunden. Peter R.  sitzt zur Zeit eine lebenslange Haftstrafe ab. © ap
Münchens schillerndster Paradiesvogel, der Modezar Rudolph Moshammer, wird von dem irakischen Stricher Herish A. (25) im Streit mit einem Kabel erdrosselt. © dpa
Marco Z. (22) ermordet am 22. Juni 2005 seine Ex-Freundin und deren Bekannte. Gemeinsam mit seinem Vater zerstückelt er die Leichen mit einem Samuraischwert und verteilt die Körperteile im Münchner Umland. © dpa
Millionärin Charlotte Böhringer wird am 15. Mai 2006 erschlagen im Penthouse ihres Parkhauses in der Baaderstraße aufgefunden. Ihr Neffe Benedikt T. (32) wird als Täter verurteilt. © Haag
17. September 2009: Der 50-jährige Dominik Brunner wird an der S-Bahn-Station Solln am hellichten Tag von zwei Jugendlichen zu Tode geprügelt, weil er Kinder vor den aggressiven Jugendlichen schützen wollte. Die Täter werden zu knapp zehn bzw. sieben Jahren Haft verurteilt. © dpa
Weitere spannende oder kuriose Fakten über die Landeshauptstadt finden Sie in dem im Hirschkäfer-Verlag erschienenen Buch "Absolut München - Das München-Sammelsurium". © 

Das sind Nedopils spektakulärste Fälle

Kinder-Killer kassiert Lösegeld

Magnus G. aus Frankfurt erdrosselte am 27. September 2002 den elfjährigen Jakob von Metzler. Von den Eltern erpresste er Lösegeld. Neodopil hielt Gäfgen für schuldfähig. Urteil: Lebenslang plus besondere Schwere der Schuld.

Mörder als Zeitbombe entlassen

Ein Kind hatte Martin P. schon getötet. Nach zehn Jahren Haft kam er frei – als Zeitbombe. Nedopil hatte ihm bereits eine Pädophilie attestiert. Im Febrauar 2005 ermordete P. in München den kleinen Peter (9) auf grausame Weise.

Die Tragödie um Dominik Brunner

Es war der 12. September 2009 am S-Bahnhof Solln: Manager Dominik Brunner (50) wollte Jugendliche beschützen. Die Täter schlugen den 50-Jährigen daraufhin tot. Im Prozess tat sich Nedopil schwer, den Aggressionsausbruch zu erklären.

Verwirrender Kriminalfall

Bei dem Schauspieler Günthrer Kaufmann bissen sich Kriminaler, Juristen und Psychiater die Zähne aus. Hatte er seinen Steuerberater am 1. Februar 2001 getötet? Es stellte sich heraus: Die Täter kamen aus Berlin.

Wie tickt der Killer von Notzing?

Mit unzähligen Axthieben tötete Christoph W. (22) am 30. März 2012 die Eltern seiner Freundin in Notzing (Kreis Erding). Ist er zurechungsfähig? „Ja“, sagte Prof. Nedopil vor dem Landgericht Landshut. Der Angeklagte habe nur eine psychische Störung. Das Urteil: Lebenslange Haft!

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