Nordumgehung Pasing: Bald rollt der Verkehr

+
Einweihung: Pasings Bürger machten sich gestern ein Bild von der Nordumgehung. Ab Donnerstag ist sie für den Verkehr freigegeben.

München - 30 Jahre hat es gedauert, ab Donnerstag rollt der Verkehr endlich auf der Nordumgehung Pasing. Die Anwohner sind mit der Umsetzung zufrieden. Nun kann die Verschönerung des Ortszentrums voranschreiten.

Es war das Jahr 1983, als die Nordumgehung Pasing (NUP) in den Verkehrsentwicklungsplan der Stadt aufgenommen wurde. Das Projekt, so Oberbürgermeister Christian Ude gestern, begleite ihn schon lange. Schon zu seiner Zeit als Zweiter Bürgermeister Anfang der 1990er Jahre hätten ihn die Pasinger ungeduldig gefragt, wann denn endlich die Umgehungstrasse komme. Er habe stets geantwortet: „Auf jeden Fall noch in meiner Amtszeit.“ Mit dieser Anekdote hatte Ude bei der Einweihung der NUP die Lacher auf seiner Seite. Kurz vor dem Ende seiner OB-Karriere ist das Projekt nach jahrzehntelangen Diskussionen und knapp fünf Jahren Bauzeit abgeschlossen. Ab Donnerstag ist die NUP für den Verkehr freigegeben.

Während in der Mitte der neuen Nordumgehung auf der Bühne Reden gehalten werden, läuft Heinz Stambader ungestört die neue Straße ab. Der Rentner interessiert sich sehr für die Entwicklung seines Stadtbezirks und ist mit der NUP zufrieden. Für die lange Dauer der Bauarbeiten und die Umleitungen hat er Verständnis: „Wir müssen uns modernisieren. Ein so komplexes Bauprojekt soll mal einer in dieser Zeit nachmachen.“

Bisher rollte täglich eine Verkehrslawine über die Bodensee- und Landsberger Straße mitten durch den Pasinger Ortskern. Künftig übernimmt die 2,2 Kilometer lange NUP die Funktion der Bundesstraße 2. Sie verläuft südlich der Bahngleise zwischen Am Knie und der Kreuzung Bodenseestraße/Lothringstraße. Die Umgehungstrasse wird den Namen Josef-Felder-Straße tragen, benannt nach dem Münchner NS-Widerstandskämpfer. In jede Fahrtrichtung gibt es zwei Spuren, getrennt durch einen Mittelstreifen. Auf der südlichen Spur finden sich auch vereinzelte Parkgelegenheiten. Direkt vor dem neuen Bahnhofs-Terminal wurde eine Haltezone zum Ein- und Aussteigen eingerichtet. Das Terminalgebäude ist nun ebenfalls fertiggestellt. Das zweigeschossige Gebäude verbindet die Zugänge zu den Gleisen im Erdgeschoss mit der höher gelegenen NUP.

Mit Frau und Kind ist Thomas Wendt zur Einweihung der Umgehung gekommen. Ohne Komplikationen war das nicht möglich. „Die Umgehung ist vom Bahnhofterminal aus mit einem Kinderwagen nur schwer zu erreichen“, kritisiert er. „Rampen gibt es nicht, nur einen Aufzug und der ist im Moment außer Betrieb.“ So musste die junge Familie einmal komplett außen herum gehen. Eine Rampe sei an dieser Stelle baulich nicht möglich gewesen, sagte Projektleiter Manfred Haller unserer Zeitung. Ein kleiner Makel des mittlerweile komplett behindertengerechten Bahnhofs.

Veronika Illichs erster Eindruck von der NUP dagegen ist positiv: „Sie wird das Zentrum entlasten“, freut sich die Pasingerin. Sie ist häufig mit dem Rad im Bezirk unterwegs. Künftig bieten sich ihr auch deutlich bessere Möglichkeiten, ihr Fahrrad am Bahnhof abzustellen. Waren bisher die Parkflächen rar gesät, gibt es nun 750 unterirdische Abstellplätze. Dazu kommen noch weitere 400 oberirdische Plätze östlich und westlich des Bahnhofs.

Mit 74,3 Millionen Euro wurden die geplanten Baukosten laut Baureferat eingehalten. Den Löwenanteil trägt die Stadt, zehn Millionen Euro steuert der Freistaat bei. Nun ist der Weg frei für umfangreiche Arbeiten im Pasinger Zentrum, die den Ortskern lebenswerter machen sollen.

So soll die Tram 19 künftig nicht mehr am Marienplatz wenden, sondern über die Bäckerstraße zum Bahnhofsvorplatz und über die Gleichmannstraße zurück zur Landsberger Straße geführt werden. Dafür werden Bäckerstraße und Gleichmannstraße verkehrsberuhigt. Die Wendeschleife am Marienplatz kann somit abgebaut werden, wodurch der Platz wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. „Das ist jetzt das wichtigste Projekt. Der Platz benötigt dringend mehr Aufenthaltsqualität“, findet Veronika Illich. Die Arbeiten dafür beginnen im Frühjahr. Zudem eröffnet im Februar der zweite Komplex der Pasing Arcaden mit 60 Geschäften.

Noch Zukunftsmusik ist die Verlängerung der U5 nach Pasing, ein weiteres Projekt, das seit Jahrzehnten diskutiert wird. Ude äußerte gestern, eine Entscheidung könne sich noch Jahre hinziehen. Nur eines ist sicher: Oberbürgermeister ist dann jemand anders.

Angelo Rychel und Alexandra Müller

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare