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Seltene Ausnahme nach Corona: Münchner Schäffler tanzen im Mai wieder - „Zeichen setzen“

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Von: Claudia Schuri

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Bald wird wieder getanzt: Die Schäffler treten im Mai auf und machen auch am Marienplatz Station.
Bald wird wieder getanzt: Die Schäffler treten im Mai auf und machen auch am Marienplatz Station. © Marcus Schlaf

Viele Münchner hatten schon lange darauf hingefiebert, jetzt ist es endlich so weit: Die Schäffler treten außer der Reihe auf. Sie feiern damit, dass sich das Ende der Corona-Pandemie abzeichnet – und möchten auch ein Zeichen für den Frieden setzen.

Es soll ein Tanz fürs Leben sein. Ein Zeichen der Zuversicht und Hoffnung in einer schwierigen Zeit. Eigentlich wäre es erst wieder im Jahr 2026 soweit, dass die Münchner* Schäffler das Tanzbein schwingen – doch heuer machen sie eine Ausnahme: Zwischen dem 5. und dem 8. Mai treten die legendären Fassmacher außer der Reihe auf.

München: Schäfflertanz als Zeichen der Zuversicht und Hoffnung in schwieriger Zeit

„Jetzt ist der Zeitpunkt, um ein Zeichen zu setzen, dass das Leben weitergeht“, sagt Christoph Saur vom Fachverein der Schäffler München. Bereits vor über 500 Jahren sollen die Schäffler die Münchner nach dem Ende der Pest aufgeheitert haben. „Gewisse Parallelen zur heutigen Situation gibt es auf jeden Fall“, findet Saur. „Wir haben viele Anfragen bekommen, ob wir nach Corona tanzen.“ Gerne hätten die Schäffler diesen Wunsch schon im September erfüllt. Aber dann schlug das Virus wieder zu – und der Tanz musste abgesagt werden. Jetzt aber soll es endlich so weit sein. Corona ist zwar noch nicht vorbei* – doch das Ende vieler Einschränkungen, die Impfung und die aktuell oft leichteren Krankheitsverläufe lassen zumindest etwas Normalität zurückkehren.

Die Schäffler hatten auch diskutiert, wie sie auf den Ukraine-Krieg* reagieren sollen. Bereits in der Tanzsaison 1991, zu Beginn der Balkan-Kriege, hatte sich die Gruppe dafür entschieden, den Tanz nicht abzubrechen. Stattdessen sollte er ein Signal für ein friedliches Miteinander und grenzüberschreitende Freude sein. So ist es auch jetzt: „Unser Schäfflertanz ist auch ein Friedenszeichen“, erklärt Christoph Saur.

München: Tanzgruppe ist noch im Training

Vor den Auftritten finden zwei Proben statt. „Die Tanzgruppe aus dem Jahr 2019 ist noch gut im Training“, sagt Saur. „Es ist schon Kondition gefragt.“ Und eine gewisse Anspannung vor den Auftritten gehört sowieso dazu. Um das traditionelle Gewand mit grünen Kappen, roten Joppen, schwarzen Bundhosen, Lendenschürzen und weißen Strümpfen kümmert sich jeder Schäffler selbst. „Natürlich schauen alle vorher noch einmal drüber, dass alles ordentlich sitzt“, betont Saur. Die Tänzer hoffen, dass es nicht allzu warm sein wird – denn die Kleidung ist eigentlich für die Auftritte im Fasching bei Winterwetter ausgelegt. . „Unter 20 Grad wären gut“, sagt Saur.

Mehrere Tänze in der Münchner Innenstadt geplant

Los gehen die Tänze am Donnerstag, 5. Mai, um 12 Uhr an der Staatskanzlei von Ministerpräsident Markus Söder. „Wir stehen schon seit vergangenem Jahr in engem Kontakt mit dem Ministerpräsidenten“, berichtet Christoph Saur. Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter darf sich über einen Besuch der Schäffler freuen: Am Samstag, 7. Mai, treten die Tänzer um 10.30 Uhr am Marienplatz auf. Hinzu kommen einige weitere Tänze bis Sonntag, 8. Mai. „Wir sind in der Innenstadt unterwegs und ziehen von Auftrittsort zu Auftrittsort“, verrät Saur. Rund acht Auftritte finden täglich statt, die genauen Orte werden noch bekannt gegeben. Zuschauer sind auf jeden Fall willkommen. Der letzte Tanz findet dann am Sonntagabend traditionell vor der Schäffler-Herberge im Augustiner in der Neuhauser Straße statt – bevor die Schäffler erst einmal wieder eine Tanz-Pause bis zum Fasching 2026 machen. Claudia Schuri *tz.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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Die lange Tradition des Schäfflertanzes

Es muss eine furchtbare Situation gewesen sein im Jahr 1517: Die Pest wütete in München, tausende Menschen starben, überall herrschte Todesangst. Selbst, als die Krankheit wieder verschwand, wagte sich niemand aus dem Haus. Doch dann ergriffen mutige Schäffler die Initiative: Sie gingen auf die Straße, um die Bürger mit einem lustigen Tanz und Musik aufzuheitern. In den Stadtarchiven wurde der Schäfflertanz zum ersten Mal 1702 erwähnt. Mitmachen durften ursprünglich nur unverheiratete Schäffler-Gesellen. So genau nimmt man diese Regel heute nicht mehr. Heute wird der Tanz vom Fachverein der Schäffler München organisiert. Getanzt wird alle sieben Jahre, doch eine richtige Erklärung gibt es dafür nicht: Diverse Deutungen beziehen sich auf die Wiederkehr der Pest alle sieben Jahre, die Glückszahl 7, eine Anordnung von Herzog Wilhelm IV oder einen Zeitplan der Zünfte.

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