Not-OP fürs Klinikum

München - Das Städtische Klinikum steht vor einschneidenden Umwälzungen. Die neue Klinikchefin Dr. Elizabeth Harrison will die Städtischen Krankenhäuser zukunftsfähig machen. Zuvor muss sie aber noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

Das städtische Klinikum leidet noch immer unter den Folgen des Hygiene-Skandals, der für enorme Mehrkosten und einen Einbruch bei den Patientenaufnahmen geführt hatte. Hatte die alte Klinikführung für 2011 noch mit einem Minus von 3,6 Millionen Euro gerechnet, werden es nach den neuesten Schätzungen zwischen 23 Millionen und 43 Millionen Euro sein, die der städtische Konzern heuer an Miesen machen wird.

„Früher hatte man auf Wachstum gesetzt und entsprechend Personal eingestellt“, stellt Dr. Harrison fest. Angesichts der Konkurrenz von 70 Kliniken in München und dem schwierigen Gesundheitsmarkt ein zu ehrgeiziges Unterfangen. Jetzt wird der Personalstand geprüft. „Betriebsbedingte Kündigungen wird es aber nicht geben“, beruhigt Dr. Harrison.

Dafür will sie endlich die Synergieeffekte herstellen, die seit der Fusion der städtischen Kliniken noch nicht zum Tragen kommen. So solle der zentrale Einkauf endlich überall vollzogen werden, viele Abteilungen bestellten noch selbst.

Auch das Mehrfachvorhandensein medizinischer Abteilungen müsse überdacht werden. „Es kann nicht sein, dass sich unsere Kliniken gegenseitig Konkurrenz machen.“ Andererseits gebe es etwa in der Geriatrie noch zu wenig Abteilungen. Aber auch neue Fachgebiete will sie erschließen, etwa die gynäkologische Onkologie. Außerdem will die Klinikchefin mit moderner EDV dafür sorgen, dass Ärzte und Pfleger weniger mit Verwaltungsaufgaben belastet werden.

In der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende November soll der Aufsichtsrat des Klinikums über konkrete Vorhaben informiert werden. Hep Monatzeder richtet schon jetzt einen dramatischen Appell an Aufsichtsrat und Geschäftsführung: „Wir brauchen jetzt mutige Entscheidungen, um die Städtischen Kliniken zukunftsfest zu machen. Das erfordert ein hohes Maß an Entschlossenheit und Solidarität aller Beteiligten.“ Am Donnerstag hatte Dr. Harrison ihre Strategie dem Aufsichtsrat vorgestellt. Offenbar waren nicht alle überzeugt …

Johannes Welte

Rubriklistenbild: © Haag

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