Baby fällt durch Spalt auf S-Bahn-Gleise

München - Schrecksekunde am Marienplatz: Eine Mutter ist mit ihrem Säugling auf dem Arm beim Aussteigen in einer S-Bahn gestolpert und gestürzt. Das Baby rollte aus dem Zug und fiel durch den Spalt zur Bahnsteigkante auf die Gleise hinab. Wie durch ein Wunder wurde der Bub nur leicht verletzt.

Dieser Kurzurlaub wird der Familie lange in Erinnerung bleiben. Am Freitagmorgen war die 34-jährige Touristin mit ihrem Mann und dem erst drei Monate alten Sohn am Münchner Flughafen gelandet. Per S-Bahn war die türkische Familie auf dem Weg ins Hotel in die Innenstadt gefahren. Doch als die S8 gegen 9.40 Uhr am Marienplatz hielt, schlug die entspannte Urlaubsstimmung schlagartig in Panik um. Laut Zeugen blieb die Frau in der vollbesetzten S-Bahn auf dem Weg zur bereits offenen Zugtür irgendwo hängen, stolperte und fiel mit ihrem Baby auf dem Arm zu Boden. Dabei glitt ihr der Säugling aus den Händen und rollte über die Türschwelle aus der S-Bahn. Anschließend rutschte er durch den schmalen Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante und stürzte auf den Schotterbereich der Gleise.

Für den S-Bahn-Fahrer war der Unfall am Ende des Zuges nicht zu sehen. Da mehrere Fahrgäste aber sofort die Notbremse zogen, wurde eine Weiterfahrt des Zuges mit womöglich fatalen Folgen verhindert. Der Vater des Buben warf sich nach dem Unfall sofort auf den Bauch und versuchte, zu seinem Sohn hinabzugreifen, was allerdings nicht gelang. Darum sprang der 35-Jährige am Ende des Zuges selbst auf die Gleise, kroch unter diesem zu seinem Kind und brachte es anschließend wieder auf den Bahnsteig.

Dort traf wenig später auch ein alarmierter Notarzt ein, der den Säugling und seine Eltern in die Haunersche Kinderklinik transportierte. Laut einem Sprecher der Bundespolizei hatte das Kleinkind offenbar großes Glück im Unglück. Nach letzten Informationen am Freitagabend hatte der Bub bis auf leichte Prellungen am Kopf keine gravierenden Verletzungen erlitten. Der Rückflug der Familie am Montag in die Türkei sollte bedenkenlos möglich sein, hieß es.

Nach Angaben der Deutschen Bahn misst der Spalt zwischen der Bahnsteigkante und den Zügen auf der gesamten Stammstrecke einheitlich 15 Zentimeter – die S-Bahnen seien alle identisch breit. Immer wieder kommt es vor, dass Fahrgäste, zumeist Kinder, mit ihren Beinen in den Spalt rutschen. Laut einem Sprecher der Bahn gebe es jedoch keine Möglichkeit, die Spalte zu verringern, weil sonst die Züge an den Bahnsteigen anstoßen könnten.

Bei der U-Bahn wurde hingegen schon eine Lösung für das Problem gefunden. Nach Angaben der Stadtwerke hatten bereits die alten Züge der Baureihen A und B nur einen Abstand von neun Zentimetern zum Bahnsteig. Bei den neuen C-Zügen wurde dieser durch eine Gummilippe an den Türen sogar auf fünf Zentimeter verringert.

Für die S-Bahn hatte der Unfall am Freitagmorgen gravierende Konsequenzen. Das Gleis 2 in Richtung Hauptbahnhof war gut 15 Minuten lang komplett gesperrt. Dadurch gab es einen massiven Rückstau, sodass sämtliche Linien bis zum Mittag außer Plan fuhren.

Sven Rieber

Rubriklistenbild: © Schlaf

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