NSU-Prozess: Mord in München

Zeuge: „Ich fand ihn blutend am Boden“

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Am Dienstag ist der Prozess mit dem Münchner Mord weitergegangen.

München - Im NSU-Prozess begann das Gericht am Dienstagvormittag mit der Beweisaufnahme zum Mord an Theodoros Boulgarides in München. Der ehemalige Geschäftspartner sowie zwei Polizisten sagten aus.

Am Dienstagvormittag hat zunächst der frühere Geschäftspartner des Opfers als Zeuge ausgesagt. „Theo war gelassen, immer friedlich - der freundlichste Mensch, den ich kannte.“ Acht Jahre nach dem Tod von Theodoros Boulgarides erinnert sich Wolfgang F. noch genau an seinen ehemaligen Geschäftspartner, mit dem er ein Schlüsselgeschäft in der Trappentreustraße betrieben hatte. 

„Ich hab den Theo angerufen, aber er ging nicht ans Telefon“, sagt Wolfgang F. aus. „Da bin ich hingefahren und habe ihn gefunden. Er lag hinter der Theke auf dem Rücken, das Telefon neben ihm.“

Angehörige verlassen den Raum, als Bilder der Leiche gezeigt werden: Sie liegt unter einem Regalbrett im Blut. „Eigentlich sollte Theo an diesem Tag gar nicht da sein. Die Tat hat alles zerstört.“

Geschäftspartner fühlte sich "schikaniert"

Der Geschäftspartner hatte zudem ausgesagt, er habe sich von der Polizei „schikaniert“ gefühlt. Immer wieder sei er nach dem Mord vorgeladen worden und zu den gleichen Dingen befragt worden: „Immer dasselbe, das drehte sich im Kreis. Ob mein Kollege sexsüchtig oder spielsüchtig ist“, sagte der 46-Jährige. Er hatte mit Boulgarides in München einen Schlüsseldienst eröffnet.

Opfervertreter hatten wiederholt kritisiert, dass die Ermittlungsbehörden zwar intensiv nach kriminellen Verstrickungen der NSU-Opfer suchten, die Möglichkeit eines fremdenfeindlichen Motivs hingegen kaum in Betracht zogen. Den Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) werden zehn Morde zur Last gelegt. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Attentaten des NSU angeklagt.

Nach der Mittagspause muss der Polizist Rainer H. Fotos vom Tatort anschauen, sie werden via Projektor eingeblendet. Ein Foto zeigt die Außenfassade des Tatorts und den Innenbereich. Die Leiche des Inhabers liegt blutüberströmt am Boden. "Wir haben nichts verändert vor Ort", sagt H.

Nach H. tritt Polizeikommissar Hans Peter K. (47) von der Mordkommission in den Zeugenstand. Er hat sich mit Ermittlungen zur Tatzeit beschäftigt. "Einen Tag nach der Tat habe ich die Bewohner des Anwesens befragt", berichtet er. "Im ersten Stock wohnte ein Herr C., er fährt nachts Bus für den MVV." Dieser habe berichtet, dass er Boulgarides kenne, weil dieser vor seinem Job im Schlüsseldienst Kontrolleur gewesen sei. Gegen 17.55 sei er aus der Wohnung hinaus gegangen, gegen 18 Uhr war er im Lokal "Trappentreuhaus". Um 18.25 Uhr habe er immer nach draußen geschaut, dort sah er den Zeugen P. Zeuge C. hatte Boulgarides am rechten Türrahmen in seinem Laden lehnen sehen, er hatte sein Handy in der Hand und schaute auf sein Display.

Nach der Aussage von Hans Peter K. wurde der Prozesstag beendet.

Der Anklage zufolge erschossen die Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den 41-Jährigen am 15. Juni 2005 in seinem Schlüsseldienst-Geschäft - zwei Wochen, nachdem der Schlüsseldienst eröffnet worden war. Es war der siebte von zehn Morden, die den Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) zugerechnet werden.  

dpa/akg/thi

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