NSU-Prozess

Sie kämpft für die Witwe des Münchner Opfers

+
Rechts: Angelika Lex in ihrem Büro: Als Nebenklage-Anwältin darf sie im NSU-Prozess Fragen an die Zeugen stellen. Links: Theodoros Boulgarides wurde am 15. Juni 2005 in seinem kleinen Laden an der Trappentreustraße von den Terroristen erschossen.

München - Die Münchner Juristin Angelika Lex vertritt im Münchner NSU-Prozess die Witwe des 2005 in der Trappentreustraße ermordeten Griechen Theodoros Boulgarides. Was sie vom Prozess erwartet:

Der NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe und vier Unterstützer der Zwickauer Terrorzelle ab 17. April wird für die Angehörigen der zehn Mordopfer zur seelischen Belastungsprobe. „Für sie ist das eine schwierige emotionale Situation, wenn sie den mutmaßlichen Tätern ins Gesicht schauen müssen“, befürchtet Rechtsanwältin Angelika Lex. Die Münchner Juristin vertritt vor Gericht die Witwe des am 15. Juni 2005 in der Trappentreustraße ermordeten Griechen Theodoros Boulgarides. Lex: „Es ist nicht auszuschließen, dass es zu emotionalen Ausbrüchen kommt.“

Angehörige der Opfer scheuen Öffentlichkeit

So wie die Witwe des Griechen scheuen viele Angehörige der acht getöteten Türken und der im April 2007 in Heilbronn erschossenen Polizistin Michéle Kiesewetter die Öffentlichkeit. Sie wollen auch im Prozess lieber unerkannt bleiben. Zu lange hatten sie unter den Ermittlungen leiden müssen. Die Behörden hatten nämlich in alle möglichen Richtungen ermittelt – nur nicht in die richtige. Die Opfer selbst wurden ins kriminelle Licht gerückt, die Angehörigen mussten unzählige Vernehmungen über sich ergehen lassen.

BKA veröffentlicht Bilder: So machten die NSU-Terroristen Urlaub

BKA veröffentlicht Bilder: So machten die NSU-Terroristen Urlaub

Dass es Nazis waren, die in der ganzen Bundesrepublik offenbar wahllos ihre Opfer suchten, darauf war bei den Ermittlungsbehörden niemand gekommen. Erst als sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach einem gescheiterten Bankraub am 4. November 2011 in Eisenach das Leben nahmen, kam Licht ins Dunkel. Die beiden untergetauchten Nazis besaßen jene Ceska-Pistole, aus der die tödlichen Schüsse abgefeuert worden waren. Komplizin Beate Zschäpe verursachte am selben Tag eine Explosion sowie einen Brand in der gemeinsamen Wohnung in Zwickau, um Beweismittel zu vernichten.

"Angehörige endlich als Opfer gesehen"

Die Mordopfer und ihre Verwandten waren zwar damit vom Verdacht, in kriminelle Handlungen verwickelt gewesen zu sein, rehabilitiert. „Die Angehörigen werden endlich als Opfer gesehen“, sagt Angelika Lex. Doch der Schmerz sitze auch nach all den vielen Jahren noch tief, Es werden freilich noch Wochen vergehen, bis die Nebenkläger als Zeugen zu Wort kommen. Vom Prozess, der voraussichtlich über zwei Jahre dauern wird, erhoffen sie sich vor allem Aufklärung.“ Es gibt noch viele blinde Flecken, die ausgeleuchtet werden müssen“, so Lex. „Deshalb finde ich das Verfahren unheimlich spannend.“

Nur 50 Sitzplätze für Journalisten

Für Prozessbeobachter wird das Verfahren allerdings zur Qual. Es gibt nämlich nur rund 50 Sitzplätze für Journalisten, 50 weitere für Besucher, die sich schon in der Nacht anstellen müssen, wenn sie einen Platz ergattern wollen. Weitgehend ausgeschlossen sind die türkischen Medien, die sich beim Akkreditierungsverfahren benachteiligt fühlen. „Es hätte durchaus möglich sein müssen, einen Pool für die türkischen Medien zu bilden“, kritisiert Angelika Lex. „Außenpolitisch ist da ein GAU passiert.“

Die rechte Terrorzelle - Chronologie der Ereignisse in Bildern

Die rechte Terrorzelle - Chronologie der Ereignisse in Bildern

Was die räumliche Enge betrifft, zeigt die Anwältin Verständnis für das Oberlandesgericht. „Man kann so etwas nicht in eine Turnhalle verlegen. Die Betroffenen wollen große Sicherheit haben.“

Was passiert, wenn ein Betroffener plötzlich einen Weinkrampf erleidet? Vom Beratungszentrum Refugio sind während der ersten Prozesstage psychologisch geschulte Kräfte anwesend. Lex: „Diese können im Notfall helfen.“

Eberhard Unfried

auch interessant

Meistgelesen

Münchner Tagesmutter verhaftet - Pressekonferenz im Video
Münchner Tagesmutter verhaftet - Pressekonferenz im Video
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?

Kommentare