Wichtige Medien fehlen

NSU-Prozess: Auslosung sorgt für Gelächter

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Der Präsident des Oberlandesgerichts, Karl Huber, steht vor den Boxen mit den Losen

München - Am Montag sind die Presse-Plätze für den NSU-Prozess neu verteilt worden - per Auslosung. Das Ergebnis sorgt für Gelächter, weil wichtige Medien zu Gunsten einiger Exoten fehlen.

Das Warten hat ein Ende: Am Montagnachmittag hat das Oberlandesgericht die Medienvertreter benannt, die einen reservierten Arbeitsplatz beim NSU-Prozess (ab 6. Mai) bekommen. Was vor Wochen mit Kopfschütteln anfing, endete mit Gelächter. Genauer: mit ungläubigem Gelächter …

Noch am Morgen hatte Notar Dieter Mayer aus 927 Bewerbern von 324 Redaktionen die 50 Akkreditierungen ausgelost. Alt-OB Hans-Jochen Vogel (SPD) war als Zeuge dabei.

Als OLG-Sprecherin Andrea Titz aber um 14.35 Uhr die Ergebnisse verliest, wird schnell klar, dass auch das neu angesetzte Losverfahren viele Verlierer hervorbringt – und für Diskussionen sorgen wird.

Hier finden Sie eine Liste aller akkreditierten Medien.

Mehrere wichtige Medien aus Deutschland und der Türkei hatten beim Losverfahren Pech und wurden nicht berücksichtigt. So sind zwar mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa), ARD, ZDF sowie den Magazinen Focus und Spiegel bedeutsame deutschsprachige Nachrichtenmedien beim Prozess direkt vertreten – viele Zeitungen aber fehlen. In München hat zwar Bild einen Platz bekommen – alle anderen (darunter auch die tz) werden aber nicht im Saal dabei sein.

Bei den privaten TV-Sendern erhielten nicht etwa RTL oder Sat.1 den Zuschlag, sondern unter anderen EbruTV. Auch sonst hat das OLG einige Exoten ausgelost: Erstaunen im prall gefüllten Saal A206, als Radio Lotte Weimar oder die polnischsprachige Redaktion von Radio Lora München den Zuschlag erhalten. Auch drei freie Journalisten bekommen Akkreditierungen.

Die FAZ oder Die ZEIT schauen in die Röhre, dagegen bekommt hallo-muenchen.de einen Platz. Die taz will sogar klagen: Sie war im ersten Durchgang dabei, hatte am Montag aber Pech. Unterstützung kommt vom Deutschen Journalisten-Verband. „Das Ergebnis des Akkreditierungsverfahrens ist zweifelhaft“, sagte Bundesvorsitzender Michael Konken.

Pech auch für die Türkei. Die große Tageszeitung Hürriyet hat zwar einen Platz – aber kein reichweitenstarker Fernsehsender, dafür das Istanbul-Büro von Al Jazeera. „Die haben in der Türkei null Relevanz“, sagt Vural Ünlü, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Bayern. Und: „Bei der Vergabe hat das Gericht geschlampt.“

Auch viele andere Redaktionen sehen Probleme. Aber: Im Gegensatz zum vorigen Verfahren erlaubt das OLG diesmal, dass eine Redaktion ihren festen Platz anderen Journalisten übergeben kann. Ein nachträglicher Tausch ist also möglich.

Den braucht Sabah nicht: Die türkische Zeitung, die auf die Neuvergabe der Arbeitsplätze geklagt hatte, hatte Losglück. So gab es am Ende zumindest einen Sieger neben vielen, die die Köpfe schüttelten.

A. Thieme

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