Schock-Details im NSU-Prozess

Carsten S.: So lief das mit der Mord-Waffe

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Carsten S. hat dem Terror-Trio die Mordwaffe „Ceska 83“ besorgt

München - Am Mittwoch packte Nazi-Aussteiger Carsten S. im NSU-Prozess aus. Der 33-Jährige lieferte dem Terror-Trio die Waffe und schilderte weitere Schock-Details.

Er hat dem Terror-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe jene Waffe geliefert, mit der neun Menschen gnadenlos ermordet wurden. Nazi-Aussteiger Carsten S. berichtete am Mittwoch im NSU-Prozess über Details.

Wenn Vorsitzender Richter Manfred Götzl nach seinem Gewissen fragt, wird der 33-jährige Nazi-Aussteiger plötzlich einsilbig. Skrupel? „Ich kann mich an keine erinnern.“ Das Geld für die Mordwaffe, das er in einem Rucksack zu einem Waffenhändler trug, habe er von Ralf Wohlleben bekommen. Dafür erhielt Carsten S. die Ceska 83, Schalldämpfer und eine Dose Munition.

Zur Übergabe traf er sich mit Mundlos und Böhnhardt in einem Abbruchhaus in Chemnitz. „Das wäre beinahe schiefgegangen“, so Carsten S. „Da kam plötzlich ein Mann rein.“ Blitzschnell habe einer die Waffe hinter dem Rücken versteckt. Wofür sollte die Waffe sein? Auf die Frage von Richter Götzl sucht Carsten S. nach Erklärungen: „Ich weiß was von Geldnöten …“ Wozu der Schalldämpfer, die scharfe Munition? „Ich weiß es nicht.“ Götzl: „Das war keine Spielzeugpistole, das war eine gefährliche Waffe!“ Der Angeklagte: „Ich habe nichts Schlimmes befürchtet.“

Carsten S. gibt auch zu, dass er in Beate Zschäpes frühere Wohnung einbrach, um auftragsgemäß Akten mitzunehmen, die er später verbrannte. Im Auftrag des Terror-Trios habe er mit Wohlleben zusammen auch ein Motorrad gestohlen.

Carsten S. berichtet über seine Anfänge als gewalttätiger Nazi. Auch darüber, wie er und seine Freunde den Jenaer Vorort Winzerla terrorisierten. Carsten S: „Ich kann mich erinnern, dass wir eine Döner-Bude umgeworfen haben.Es war eine lustige Aktion, wir haben unseren Spaß gehabt.“

Der braune Trupp habe regelmäßig Randale veranstaltet, es klirrten die Scheiben türkischer Geschäfte. Götzl: „Was war Ihre Motivation?“ „Das war eine Mischung aus Nervenkitzel und jemandem eins auszuwischen. Das war ein gewisses Feindbild, das Gedankengut der rechten Szene.“

Die braune Clique schlug auch erbarmungslos zu. Carsten S.: „Ich weiß, dass ich auch zugetreten habe.“ Götzl: „Wie war der Zustand der Person danach?“ Der Angeklagte: „Es stand in der Zeitung, dass zwei Personen schwer verletzt waren.“ Warum diese Ausbrüche von Gewalt? Die Antwort des Angeklagten: „Oft stand der Spaß im Vordergrund.“

Der NSU-Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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E.Unfried

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