Carsten S. belastet Zschäpe

NSU-Prozess: Jetzt geht's endlich zur Sache

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Schwer bewacht betrat Beate Zschäpe gestern den Saal A 101

München - Nach einer Serie von Anträgen kam am Dienstag im NSU-Prozess Ex-Neonazi Carsten S. zu Wort. Er gab zu, dem NSU-Trio eine Waffe besorgt zu haben. Seine Entschuldigung: Er hatte ein "positives Gefühl".

Eigentlich habe er nur Freunde gesucht. So geriet Carsten S. (33) im Jahr 1996 in die Nazi-Szene. Im NSU-Prozess begann er gestern, gegen seine Mitangeklagen Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben auszupacken, was deren Verteidiger zunächst noch verhindern wollten. Mit einer Serie von Anträgen bombardierten sie das Gericht. Nach schier endlosen Beratungspausen kam Carsten S. um 15.45 Uhr endlich zu Wort.

"Ich hatte so ein positives Gefühl, was die drei anging"

Dem 33-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in neun Fällen zur Last gelegt. Er gab gestern zu, den untergetauchten Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) die Pistole Ceska 83 (Kaliber 7,65 mm) besorgt zu haben, mit der acht Türken und ein Grieche regelrecht hingerichtet wurden. Dass die Pistole für Morde benutzt werden könnte, habe er nie geglaubt, betonte der 33-Jährige. Er sei davon ausgegangen, dass damit „nichts Schlimmes passiert“, sagte er. „Ich hatte so ein positives Gefühl, was die drei anging, dass die in Ordnung wären, so in die Richtung“, sagte er mit Blick auf das mutmaßliche NSU-Terrortrio.

Aufgewachsen war S. in der Jenauer Plattenbausiedlung Winzerla, nicht weit entfernt von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Als Carsten S. in Eisenach eine Lackierer-Lehre begann, geriet er über Freunde in die rechte Szene. „Die Lieder der ,Zillertaler Türkenjäger‘ habe ich damals lustig gefunden“, erzählte er. Ende 1996 habe er sich ein Nazi-Outfit zugelegt. 1997 fuhr man nach München, um gegen die Wehrmachtsausstellung zu demonstrieren. „Das hat mir sehr imponiert.“

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In der NPD und bei den Jungen Nazionaldemokraten (JN) machte Carsten S. schnell Karriere. Er wurde stellvertretender NPD-Kreischef in Eisenach und stellvertretender JN-Landesvorsitzender. Protegiert habe ihn dabei Tino Brandt, ein zigfach vorbestrafter Nazi-Aktivist und V-Mann des Verfassungsschutzes. Im Jahr 2000 sagte sich Carsten S. von der Szene los, auch wegen seiner sexuellen Neigungen: „Ich bin schwul.“ Seither muss ihn die Polizei vor Racheakten schützen.

Über Details seiner Nazi-Aktivitäten wird er am Mittwoch auspacken,was Beate Zschäpes Verteidiger unbedingt verhindern wollen. Anja Sturm forderte bereits die Einstellung des Verfahrens: „Frau Zschäpe war einer beispiellosen Vorverurteilung durch die Bundesanwaltschaft ausgesetzt.“ Mehrere Anwälte forderten auch, dass Geheimdienstler unter den Zuhören rausfliegen sollten. Der Richter lehnte auch diesen Antrag ab:„Ein Ausschlussist nach dem Öffentlichkeits-Grundsatz nicht möglich.“

Eberhard Unfried

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