Entsetzliche Details vor Gericht

NSU-Mord: So qualvoll starb der Gemüsehändler

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Habil K.

München - Am Mittwoch sagten weitere Zeugen im NSU-Prozess aus und schilderten den Todeskampf von Habil K. Dabei kamen entsetzliche Details zur Sprache.

Als ich in den Gemüseladen kam, sah ich ihn auf dem Rücken in einer riesigen Blutlache neben der Theke liegen, es roch stark nach Schießpulver. Er blutete aus Nase, Mund und Ohren und lag völlig verdreht da – wie eine heruntergefallene Marionette.“ Auch nach zehn Jahren erinnert sich der Münchner Postbote Holger H. an jedes Detail des 29. August 2001 – jenem Tag, als er den türkischen Händler Habil K. sterbend in seinem Laden in der Bad-Schachener-Straße auffand, mutmaßlich erschossen von NSU-Mitgliedern. Am Mittwoch sagten weitere Zeugen in dem spekakulären Verfahren vor dem Oberlandesgericht aus und schilderten den Todeskampf von Habil K.

Der Tatort in Ramersdorf: In seinem Gemüseladen in der Bad-Schachener-Straße wurde Habil K. am 29.8.2001 erschossen

Holger H. spricht gefasst, aber mit gedrückter Stimme. Man spürt: Was er gesehen hat, wird er nie vergessen. „Ich kannte Herrn K. von meiner täglichen Postroute, sein Laden war meine vorletzte Station an diesem Tag. Ich war geschockt von seinem Anblick: Die Beine waren verknotet, er war bewusstlos und röchelte. Überall Blut. Ich drehte ihn auf die Seite, damit er besser atmen kann – er war sehr schwer. Dann kam ein Polizist. Er fasste Herrn K. kurz an den Hinterkopf und sagte nur: Schusswunde.“

Zwei Schüsse beenden das Leben des Türken, wie Rechtsmediziner Oliver Peschel vor Gericht ausführt. Einen Gesichtsdurchschuss hätte Habil K. überleben können, den Hirndurchschuss aber nicht. Wie viele Minuten er nach den Todeschüssen noch um sein Leben rang, bleibt ungewiss.

Sicher ist indes: Habil K. starb sehr qualvoll. Als Erste betrat Nuran K. am Mordtag den Laden, sie wollte mit ihrem Sohn Fladenbrot kaufen. „Ich sah Herrn K. nicht, aber ich hörte ein blubberndes Geräusch und dachte, das ist die Kaffeemaschine in der Küche“, sagt die frühere Arzthelferin. Tatsächlich stammen die Geräusche vom Todeskampf des Gemüsehändlers: Blut floss in seine Lunge und Luftröhre, vermutlich atmete er es bei seinen letzten Atemzügen noch ein. Auch der kleine Sohn von Nuran K. musste scheinbar alles mitansehen, sagt Holger H. aus: „Er war ganz bleich. Ich sagte: Geh raus! Ich wollte nicht, dass er sieht, wie ein Mensch stirbt."

Andreas Thieme

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