„Süßes Gift“

Nullrunde bei MVV-Tarifen: Schmids Idee stößt auf Kritik

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Wie viel kostet es denn diesmal? Ein Fahrgast vor einem Ticketautomaten.

München – Auf den Vorschlag des Münchner Wirtschaftsreferenten Josef Schmid (CSU) nach einer Nullrunde bei den MVV-Tarifen hat der Betriebsrat der Verkehrssparte in den Stadtwerken München „sehr verwundert“ reagiert.

Schmid sei als zweiter Bürgermeister und Wirtschaftsreferent für Stadtwerke und die Münchner Verkehrsbetriebe mitverantwortlich, schreibt der Betriebsrats-Vorsitzende Karl Geigenberger. Er vertritt fast 4000 Beschäftigte bei der Münchner Verkehrs-Gesellschaft (MVG) – im Wesentlichen also Bus-, Tram- und U-Bahn-Fahrer.

Auf keinen Fall dürfe eine Nullrunde zu Lasten der Beschäftigten gehen, warnt er. Jedem müsse auch klar sein, dass eine fehlende Tariferhöhung zu Lasten der öffentlichen Hand, also ebenfalls der Steuerzahler, gehen müsse. Ihm fehle bei Schmids Vorstoß ein Finanzierungsvorschlag.

Skeptisch zeigte sich am Freitag auch der Chef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), Johann Niggl. Schmids Vorschlag sei „süßes Gift“, sagte Niggl gegenüber unserer Zeitung. Ähnlich wie der Betriebsrat warnt auch Niggl, dass die jährlichen Steigerungen etwa bei den Löhnen und den Energiekosten irgendjemand tragen müsse – bei einer Nullrunde müsse das Defizit wohl über die Regionalisierungsmittel ausgeglichen werden. Das Geld ist eigentlich dazu da, S-Bahn- und Bahnregionalverkehr zu bestellen.

Eine Nullrunde hatte es zuletzt 2003 gegeben. Meist gehen die Ticketpreise jedoch jedes Jahr um drei bis vier Prozent nach oben. Die letzte Erhöhung zum Dezember 2016 betrug im Schnitt 2,9 Prozent. Die nächste Preiserhöhung ist, wie man hört, schon in Vorbereitung. Im Juli werden sich die Gesellschafter des MVV – Stadt München, Freistaat und die Landkreise – erstmals treffen. Dann werden ihnen verschiedene Preismodelle vorgestellt. Im August wird dann darüber diskutiert. Noch sei es aber nicht zu spät, um die neuerliche Preiserhöhung zu stoppen, sagt der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Er ist Sprecher der Landkreise im MVV und unterstützt den Vorschlag von Schmid rundweg. „Das ist Wasser auf unsere Mühlen“, sagte er unserer Zeitung.

Die Landkreise waren schon mehrmals wegen einer Nullrunde vorstellig geworden, bisher jedoch immer abgeblitzt. Denn das Sagen in der MVV-Gesellschafterversammlung, speziell bei den Tarifen, haben die Stadt München und der Freistaat. Die hätten bisher immer die Forderungen der S-Bahn und der MVG „durchgereicht“, kritisiert Niedergesäß. Das müsse aufhören.

Der Landrat verweist auch darauf, dass die Steigerungen bei den Fahrgeldeinnahmen in der Vergangenheit oft höher waren als die eigentlich beschlossene Tariferhöhung. Beispiel für das Jahr 2015: Damals wurden die Ticketpreise um im Schnitt 3,6 Prozent erhöht; die tatsächlichen Einnahmen wuchsen, wie es im Verbundbericht dokumentiert ist, tatsächlich aber auf 5,9 Prozent – von 775 auf 820 Millionen Euro. 

In einem Gastbeitrag schildert die Aktion Münchner Fahrgäste die „unwürdigen Umstände“ für eine Großstadt

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