OB-Bewerberin Nallinger rudert zurück

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Sabine Nallinger (Mitte) mit ihren Konkurrenten Hep Monatzeder (l.) und Nikolaus Hoenning

München - Die grüne OB-Bewerberin Sabine Nallinger (48) hat mit ihrer Vision von Abertausenden neuer und günstiger Wohnungen ein Erdbeben ausgelöst. Jetzt rudert sie weit zurück.

Es sollte wohl so etwas wie ein Befreiungsschlag werden: Die grüne OB-Bewerberin Sabine Nallinger (48) hat mit ihrer Vision von Abertausenden neuer und günstiger Wohnungen ein Erdbeben ausgelöst. Am Donnerstag hat sie ein dreiseitiges Papier vorgelegt, um ihr Versprechen mit Zahlen Daten und Fakten zu untermauern. Sie wollte ihre Vision in die Wirklichkeit an der Isar übersetzen. Dabei rudert sie weit zurück!

Bei beiden Kandidatenvorstellungen hat sie ihre Vision verkündet: 30 Prozent der Wohnungen sollen in Hand städtischer Gesellschaften und Genossenschaften liegen – günstige, um den Mietspiegel für alle zu drücken. Die grüne Basis jubelt! Die tz stellte Nallinger darauf eine naheliegende Frage: Wie viele Wohnungen müssten dafür neu gebaut werden? Nallinger nannte die Zahl 120 000.

In ihrem Fakten-Papier hat sie weit mehr als jede dritte Wohnung gestrichen: GWG, Gewofag und Genossenschaften sollen 74 000 Apartments schaffen. Zum Vergleich: Die 46 000- Apartment-Lücke dürfte zweimal der Stadt Freising entsprechen. Weggekürzt!

Nallinger erklärt das mit einem Missverständnis: Der Anruf der tz habe sie kurz vor einer Sitzung erreicht. „Da habe ich die Zahlen nicht vor mir gehabt“, sagt sie. In dem Papier findet sich eine weitere Eigentümlichkeit: Die in 40 Jahren nötigen Wohnungen errechnet die Stadträtin auf Grundlage des heutigen Wohnraums. Wenn sie aber 74 000 Wohnungen baut, gibt es natürlich auch mehr – dadurch verfehlt sie ihr 30 Prozent-Ziel klar. Würde sie den Effekt berücksichtigen, müsste sie nämlich über 100 000 Apartments planen. Nallinger erklärt, das sei ein Rat der Experten gewesen und üblich. Keiner könne vorhersagen, wieviele Wohnungen es in 40 Jahren gibt. Alles andere sei „unseriöse Zahlenspielerei“.

Ihr grüner Gegenkandidat, Bürgermeister Hep Monatzeder, hatte Realismus gefordert, kann die Rechnungen aber nicht nachvollziehen: „Ich verstehe ja, dass sie aus dem Dilemma raus will. Aber ich verstehe nicht, dass sie innerhalb weniger Tage so unterschiedliche Zahlen präsentiert.“ Auch Münchens SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann stieg aus der Berechnung aus: „Wenn das alles so einfach wäre, hätte Rot-Grün das längst gemacht.“ Bei den Kosten rechnet Nallinger mit drei bis fünf Milliarden Euro für den Eigenanteil von einem Viertel – für die Gesellschaften, nicht für den Steuerzahler. Die Kredite für den Rest ließen sich aus der Miete finanzieren.

Der grüne Fraktionschef Sigi Benker nimmt die Bewerberin in Schutz – aber nur teilweise. „Die Vision ist im Grunde richtig“, sagt er der tz. Benker lobt auch, dass Nallinger den Zeitraum ihrer Vision auf vier Jahrzehnte relativiert habe. Aber: Gerade die Grünen hätten besonders für die Genossenschaften und die ganz Armen viel erreicht. „Versäumnisse will ich uns nicht nachsagen lassen.“

David Costanzo

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