„Die anderen kochen auch nur mit Wasser oder überhaupt nicht.“

OB Dieter Reiter und seine sieben Freischüsse: Die SPD München mit der Liste und dem Blick von außen

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Kompetenzteam mit Neueinsteigern: OB Dieter Reiter (2. v. re) und die Freischuss-Kandidaten (v. li.) Andreas Schuster, Julia Schmitt-Thiel und Roland Hefter.

Die SPD hat am Samstag ihre Liste für den Stadtrat aufgestellt. Das Prozedere dauerte kaum zwei Stunden, was von den Genossen als außergewöhnlich eingestuft wurde. Denn im Vorfeld der Versammlung hatte es einige Unzufriedene gegeben. Die waren aber wohl am Freitag noch eingefangen worden.

Musikalisch hat die SPD ein Problem. Auf den ersten 20 Plätzen der Stadtratsliste finden sich mit OB Dieter Reiter, Roland Hefter und Andreas Schuster gleich drei Gitarristen, aber kein einziger Schlagzeuger. „Das haben wir nicht bedacht“, sagte OB Dieter Reiter und schmunzelte. Eine Bandgründung wird daher eher schwierig. Auf der anderen Seite ist es natürlich in erster Linie der OB selbst, der den Takt, den Rhythmus vorgeben will. Denn die Stadtratsliste der SPD ist deutlich geprägt durch die Vorgaben des Rathauschefs. Dessen Partei hat am Samstag ohne jedwede Gegenwehr die 80-köpfige Stadtratsliste für die Kommunalwahl aufgestellt. Doch so harmonisch der Samstag war, frei von Misstönen war der gesamte Prozess nicht.

Wie berichtet, mussten die Interessenten für die Stadtratsliste zunächst in den Bundestagswahlkreisen in sogenannte Vorreihungen. Daraus ergab sich jeweils eine Reihung für Männer und Frauen in den vier Wahlkreisen. Eine Findungskommission hat sodann eine Liste ausgearbeitet, die vom Vorstand am Freitag genehmigt werden musste. Die Liste wird paritätisch besetzt, das heißt, der erste freie Männerplatz ist mit den Männern zu besetzen, die in ihren jeweiligen Wahlkreisen auf Rang eins gewählt wurden und so weiter. Zudem hat OB Reiter sechs Freischüsse zu vergeben, aus denen nun sieben geworden sind.

Damit konnte nach Reiter und dem Fraktionsvorstand – Verena Dietl, Christian Müller, Anne Hübner und Christian Vorländer – Simone Burger auf Platz sechs vorrücken, weil die SPD die amtierende DGB-Chefin freilich unter die ersten zehn Plätze setzen will. Juso-Chef Christian Köning erhielt Reiters Freibrief für Rang sieben, Liedermacher Roland Hefter findet sich auf Rang neun wieder, Mohr-Villa-Chefin Julia Schmitt-Thiel ist auf Platz zwölf gesetzt. Green-City-Mobilitätsexperte Andreas Schuster startet auf Platz 13. Und auch Nikolaus Gradl, der ehemalige Stadtrat, ist ein Freischuss. Den IT-Experten hat Reiter auf Platz elf gesetzt. Gradl war im Osten auf den zweiten Männerplatz gewählt worden. Rang eins ging an Cumali Naz, der auf der Stadtratsliste Platz 15 bekommen hat und damit dem Vernehmen nach wenig zufrieden sein soll. Doch auch er wagte keinen Angriff auf einen Platz weiter vorne, ebenso wenig wie Lars Mentrup, der im Norden den ersten Männerplatz erhalten hat und auf der Stadtratsliste lediglich Platz 17. Ebenso wenig offener Widerspruch kam von Stadtrat Jens Röver, der noch im Sommer als Mobilitätsexperte in das Kompetenzteam des OB berufen wurde, sich nun aber auf Listenplatz 25 wiederfindet.

Einzig die Jusos hatten aufbegehrt. Am Freitagabend griff Vorstandsmitglied Lena Odell an. Sie hatte sich auf Rang 14 als zu schlecht platziert empfunden und verdrängte mit einem knapp positiven Votum des Vorstands Mickey Wenngatz von Rang acht. Wenngatz trat dann gegen Julia Schönfeld-Knor auf zehn an und siegte. Schönfeld-Knor hätte theoretisch gegen Schmitt-Thiel antreten können, das wäre allerdings im Grunde wie ein Angriff auf den Freischuss-Geber zu verstehen. Also ging die Moosacherin mehr oder weniger freiwillig auf Rang 14.

OB Reiter hatte mehrfach und schon vor dem Parteitag am Samstag deutlich unterstrichen, wie wichtig ihm die ersten 15 Plätze und insbesondere seine Freischüsse sind. Daher war der 61-Jährige natürlich zufrieden mit dem Ausgang. „Es ist genau das, was ich vor einigen Monaten angekündigt habe: eine attraktive Liste, mit Erfahrung, jungen Leuten und welchen, die neu dabei sind. Ich fand es erforderlich, den Blick von außen zu kriegen.“ Reiters Appell: engagiert Wahlkampf machen. Zumindest den Status Quo im Stadtrat wolle man halten. „Und Freunde, keine Angst. Die anderen kochen auch nur mit Wasser oder überhaupt nicht.“

SPD-Chefin Claudia Tausend sprach von einer guten Liste mit 80 Persönlichkeiten. „Wir sind keine Ein-Themen-Partei. Wir haben mit dieser Liste eine gute Mischung. Und wir bilden die Vielfalt Münchens ab.“ Bis auf die musikalische.

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