OB-Nachfolge: Wann nennt Ude Ross und Reiter?

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OB Ude hat die Zügel in der Hand. Auch in der Nachfolgefrage hat sein Wort großes Gewicht.

München - Noch im Juli zählte OB Christian Ude nicht weniger als neun mögliche Nachfolger auf. Alle Neune, betonte er, hätten das Zeug zum Rathauschef bzw. zur -chefin.

 Inzwischen ist eine der Top-Kandidatinnen freiwillig ausgeschieden: Bürgermeisterin Christine Strobl (49) möchte sich nach ihrer Krebserkrankung wieder grundlegend erholen. Dafür haben das Oktoberfest und seine Nachwehen einen anderen Namen auf der Liste ganz nach oben katapultiert: Dieter Reiter, seit Juli 2009 Wirtschaftsreferent, gilt derzeit als Favorit.

Ude möchte „den Parteigremien nicht vorgreifen“, stellt er pflichtschuldig fest. 2011 soll die Entscheidung fallen. Ist Reiter nun sein Wunschnachfolger? Ude: „Ich kann es abwarten, bis ich Ross und Reiter nenne.“ Spricht’s und grinst. Bei der Wahl 2014 ist Ude 66 und darf nicht mehr antreten. Weil er eigentlich schon 2008 aufhören wollte, wurde Ude die Nachfolge-Frage hunderte Male gestellt, genauso oft hat er sie nicht beantwortet. In diesem Lichte sind obige Worte aussagekräftig.

OB Ude hört 2014 auf: Neun mögliche Nachfolger

OB Ude hört 2014 auf: Neun mögliche Nachfolger

So sehr, dass einige in der SPD noch mehr irritiert sein werden als sie es ohnehin von der plötzlich so offensichtlichen Präferenz sind. Vor einigen Jahren lag die noch bei Julian Nida-Rümelin (56). Beim Ex-Kulturreferenten und Kulturstaatsminister hatte Ude heimlich angeklopft, um sein Interesse zu erkunden. Seither ist nichts geschehen, was den Philosophie-Professor ins Bewusstsein oder gar in die Herzen der Münchner gebracht hätte. Die (gescheiterte) Kandidatur zum Uni-Präsidenten taugte nicht dazu, wie viele Sozialdemokraten finden.

Dieter Reiter.

Dem abgehobenen Theoretiker folgt der zupackende Wirtschaftsreferent. Zuerst beobachtete Ude mit Staunen, wie Reiter den Chefs der ihm unterstellten städtischen Gesellschaften Disziplin verordnete. Immer freundlich, aber auch immer bestimmt. Plötzlich erschienen SWM-Geschäftsführer Kurt Mühlhäuser & Co. brav zu Stadtratssitzungen, auf denen sie betreffende Angelegenheiten behandelt werden. Das fand man auch in der CSU bemerkenswert. Die erfolgreiche Jubiläums-Wiesn wird mit als Verdienst des Referenten gesehen, und vor allem dürfte er mit seinem strengen Vorgehen in der Causa Sepp Krätz Aufsehen erregt haben: Aus der Belegschaft kamen Gewalt-Vorwürfe gegen den Hippodrom-Boss. Dessen erste Reaktion – ignorieren – kamen bei Reiter und Ude denkbar schlecht an.

Am Ende stand eine Abmahnung für den Gastonom, und die ernsthafte Drohung: Passiert das nochmal, geht die nächste Wiesn-Bewerbung schief. Auch der Rest der Wiesn-Wirte wird den Wirtschaftsreferenten noch besser kennenlernen. Er hat vor, die Kosten für die Sicherheitspoller auch auf die Zeltbetreiber umzulegen. „Die Stadt muss nicht auf Steuerzahlerkosten dafür sorgen, dass das Fest stattfindet und die Wirte Gewinne machen können“, so Reiter. Er möchte diese Umlage auf keinen Fall als Begründung für eine Bierpreiserhöhung 2011 hören, kündigt er vorsorglich an.

Sollte er von der SPD als Kandidat auserkoren werden, würde er sich freuen, daraus macht der 52-Jährige keinen Hehl. Trotzdem scheint er nicht vom Ehrgeiz getrieben. Eine Kampfkandidatur, etwa gegen Alexander Reissl, Chef der Rathausfraktion, oder den SPD-Vorsitzenden Hans-Ulrich Pfaffmann käme für ihn nicht in Frage. Auch Sozialreferentin Brigitte Meier sei ja noch eine mögliche Kandidatin, erinnert Reiter. Seine unbekümmerte Devise: „Ich unterstütze jeden Bewerber, auf den sich die SPD einigt.“

Barbara Wimmer

Das ist Dieter Reiter

Dieter Reiter ist 1958 in Rain am Lech geboren, kam im Alter von zwei Jahren nach München. Heute wohnt der Vater dreier erwachsener Kinder in Straßlach. Ob ein Wohnort außerhalb der Stadtgrenze für einen OB statthaft wäre, weiß Reiter nicht, er würde im Fall des Falles umziehen. 1981 trat der Diplom-Verwaltungswirt ins Rathaus und legte eine steile Karriere hin. Von 1982 bis 2008 war er in der Stadtkämmerei tätig, zuletzt als Stellvertreter des Kämmerers. Der OB forderte ihn 2008 zur Kandidatur für den Posten im Referat für Arbeit und Wirtschaft auf. Zu seinen Bereichen gehören neben den Wirtschaftsunternehmen auch u. a. Wiesn, Dulten, Tourismusamt.

Er betreut die Gesellschaften: Stadtwerke, Flughafen, Messe, Olympiapark, aber auch das Münchner Programm für Beschäftigung und Qualifizierung (MBQ). Für das MBQ-Projekt Eisdiele Le Plaisir stellte er sich schon hinter den Tresen. Er ist also nicht nur Schreibtischtäter.

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