SPD kürt OB-Kandidaten - wie reagieren die Grünen?

Wer soll die Stadt regieren? Der Poker um die Macht

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Christian Ude ( SPD) will Ministerpräsident werden. Als OB dürfte er aus Altersgründen auch gar nicht mehr antreten. Wer wird sein Nachfolger?

München - Wer beerbt Christian Ude als OB? Der Machtkampf wird härter: SPD und Grüne müssen sich noch jeweils auf einen Kandidaten einigen. Zwei Amtsposten sind neu zu besetzen. Die tz erklärt den OB-Poker:

In der SPD beraten am Montag die 44 Ortsvorsitzenden über ihre drei OB-Kandidaten für die Wahl 2014. Um 22.30 Uhr lädt der Stadtvorstand die Bewerber zur Hinterzimmer-Runde. Wer geht als Sieger raus? Auch die anderen Parteien mischen mit, die Grünen gar mit vier Interessenten! Doch die Stadt muss auch einen Kommunalreferenten wählen und einen neuen Tourismus-Chef benennen.

Wer seine Trümpfe hier ausspielt, hat beim OB-Posten schlechte Karten. Die tz erklärt, wie alles mit allem zusammenhängt.

Die SPD-Kandidaten

Dieter Reiter: Er hat das beste Blatt: Die SPD-Ortschefs werden nach tz-Informationen Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (53) mit deutlicher Mehrheit zum Favoriten erklären. Amtsinhaber Ude hat ihn längst als Wunsch-Nachfolger benannt. Reiter wiegelt ab. Aber: „Ich bin optimistisch.“

Brigitte Meier: Sie wird sich nach dem Parteivotum nicht geschlagen geben. „Das ist nur ein Stimmungsbild“, sagt Sozialreferentin Brigitte Meier (46). Einen Kandidaten beschließen dürfe laut Satzung nur der Parteitag - wohl nächstes Jahr. „Wenn die SPD mutig ist, befragt sie die Mitglieder.“

Alexander Reissl: Der 53-Jährige ist SPD-Fraktionschef im Stadtrat. Alexander Reissl hält von allen Prognosen nichts und ist fest entschlossen, OB-Kandidat zu werden. „Montagabend wissen wir’s.“ Einen „Handel“, mit dem man ihn mithilfe eines neuen Amtes zum Rückzug bewegen wolle, gebe es nicht.

Das Grünen-Quintett

Hep Monatzeder.

Hep Monatzeder: Der 3. Bürgermeister, mit 60 der älteste Bewerber, sieht sich als natürlicher Kandidat der Grünen, wobei er aus Altersgründen nur für eine Wahlperiode zur Verfügung stünde. Monatzeder ist bekannt, aber in der Partei umstritten, weil er sich vor dem beschlossenen Kandidatin-Casting zierte.
Nikolaus Hoeninng: Der im Mai abgewählte Stadtvorsitzende der Grünen gilt als unbequemer Kritiker der Rathaus-Grünen. Zuletzt hat Hoenning (39) bei der Stadtversammlung einen Antrag durchgesetzt, nach dem Posten in Verwaltung und städtischen Firmen nicht mehr nach Parteibuch vergeben werden dürfen.

Theresa Schopper: Die 50-jährige Grünen-Landesvorsitzende könnte als Oberbürgermeisterin die Chefin ihres Ehemannes Boris Schwartz werden, wenn dieser tatsächlich Kommunalreferent wird (siehe unten). In Schoppers Partei lässt sich ein „Familienunternehmen Stadt München“ aber kaum vermitteln.

Sabine Nallinger: Die 47-Jährige tritt gegen Monatzeder an, der sich gegen das Kandidaten-Casting wehrte. Nallinger sagt: „Ich freue mich darauf.“ Bekommt Mitkonkurrentin Schopper Probleme wegen der beruflichen Ambitionen ihres Mannes, steigen ihre Chancen als einzige weibliche Kandidatin der Grünen.

Boris Schwartz: Der Grünen-Stadtrat will Kommunalreferent werden, die Rathaus-Grünen haben dafür das Vorschlagsrecht. Ob der 50-Jährige die Qualifikation dafür besitzt, ist umstritten. Den vorgeschriebenen Universitätsabschluss hat er nicht. „Dafür viel Erfahrung in der Kommunalpolitik“, sagt er.

Die anderen Parteien

CSU-Mann Josef Schmid.

Josef Schmid: Blickt gelassen auf den rot-grünen Poker: CSU-Fraktionschef Josef Schmid (42) steht als OB-Kandidat fest. „Wir betreiben keine Nabelschau.“ Bei der OB-Wahl 2008 musste er mit 24,4 Prozent gegen Ude passen. Für 2014 sieht Schmid „eine reelle Chance“.
Michael Mattar: Er war OB-Kandidat der FDP 2008, für 2014 hält er sich die Bewerbung offen. „Wir werden die Frage im Herbst 2012 entscheiden“, sagt FDP-Fraktionschef Michael Mattar (58). Die kleinste der großen Parteien werde einen Kandidaten stellen. „Wir bieten eine Alternative.“

Die Joker

Der Tourismus-Joker: Das Tourismusamt soll nach der Pensionierung von Gabriele Weishäupl geteilt werden: Als Wiesn-Chef wird sich OB-Kandidat Reiter profilieren können. Die restliche Tourismus-Werbung galt Gerüchten zufolge als OB-Abfindungsposten. Jetzt heißt es, Grüne interessierten sich für diesen Bereich.

Das Kommunalreferat: Kein schlechter Job: 2150 Mitarbeiter, 1,2 Milliarden Euro Budget - dafür sucht die Stadt einen neuen Chef. Laut Koalitionsvertrag haben die Grünen den ersten Zugriff, als Favorit gilt Stadtrat Boris Schwartz. Auch Kollegin Sabine Nallinger wurde gefragt, doch sie lehnte ab, weil sie OB werden will.

Johannes Welte, David Costanzo

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