Obdachlosen-Asyl für den KZ-Schergen

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In diesem Heim verbrachte Demjanjuk seine erste Nacht in Freiheit.

München - Für obdachlose Männer ist die „Pille 11“ oft die letzte Rettung – die städtische Notunterkunft an der Pilgersheimer Straße in Untergiesing. Am Freitagnachmittag erhielt ein ganz besonderer Mann hier Unterkunft – der verurteilte KZ-Scherge John Demjanjuk (91)!

 Am Donnerstag hatte das Landgericht München II den gebürtigen Ukrainer der Beihilfe zum Mord an 28 060 Juden schuldig gesprochen. Das Urteil: fünf Jahre Haft. Weil seine Anwälte Revision, also eine Überprüfung des Urteils, eingelegt haben, hob der Richter den Haftbefehl gegen den KZ-Schergen auf. „Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit“, begründete das Gericht.

Trotz des Urteils ist John Demjanjuk jetzt ein freier Mann. Da er über keinerlei Vermögen verfügt und zudem wohnungslos ist, muss nun die Stadt München für den ehemaligen KZ-Wächter in die Bresche springen. „Die Stadt ist verpflichtet, ihn unterzubringen“, sagte ein Sprecher des Sozialreferats. Die Kosten hierfür muss ebenfalls die Stadt tragen.

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

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John Demjanjuk.

Schon kurz nach dem Urteil am Donnerstag liefen zwischen der JVA Stadelheim und dem Sozialreferat die Telefone heiß. Wo kann man den KZ-Schergen auf die Schnelle unterbringen, war die Frage. Als Übergangslösung wurde die Notunterkunft für obdachlose Männer in Unter­giesing gefunden. Am Freitag gegen 16.30 Uhr brachte ein ziviler Polizeitransporter Demjanjuk zu der Einrichtung. Über einen uneinsehbaren Hintereingang wurde der 91-Jährige heimlich in die Krankenstation gebracht.

Jacob Mell

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