Obdachlosen-EM am Odeonsplatz

Der Fußball ist ihr Zuhause

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Die Jungs trainieren auf dem Bolzplatz im Glockenbachviertel.

München - Am Dienstag beginnt die Fußball-Obadachlosen-EM. Die tz hat einige der jungen Burschen beim Training besucht. Viele der jungen Männer sind Kämpfer.

Auf dem Bolzplatz im Glockenbachviertel heißt es Mann gegen Mann. Eine kurze Körpertäuschung, dann zieht Alexander Spät (25) an seinem Gegner vorbei und schießt den Ball ins Gittertor. Treffer! Alex klatscht seine Mitspieler ab und jubelt. Aber so ist es nicht an jedem Tag…

Fußball – das war manchmal alles, was Alex noch blieb. Als er nach der 5. Klasse ins Heim kommt, als er den Hauptschulabschluss knapp verpasst, als er es bei seiner Mutter nicht mehr aushält, als ihn die Freundin vor die Tür setzt und als er mit 16 Jahren zum ersten Mal nachts auf Parkbänken schläft. „Keine schöne Zeit“, sagt Alex. Aber der Fußball hilft ihm – schenkt ihm Ablenkung, Kraft und den Glauben an die eigene Stärke. „Mein Vorbild ist der Bayern-Stürmer Mario Mandzukic. Der ist ein Kämpfer und gibt nie auf, so wie ich“, sagt Alex, der seit April im Adolf-Mathes-Haus im Glockenbachviertel Unterschlupf findet. „Mittlerweile kicke ich jeden Tag, das tut mir gut.“

Das Spiel seines Lebens hat der Torjäger am Dienstag und Mittwoch, ausgerechnet am schicken Odeonsplatz. Zusammen mit seinen Mitstreitern vom Katholischen Männerfürsorgeverein (KMFV) tritt er bei der Ersten Fußball-Europameisterschaft für Obdachlose an, die in München stattfindet. 150 Spieler, 13 Nationen und 17 Teams spielen mit – es geht vor allem um die Ehre. Und das bedeutet für Alex’ Team: Auch wer nichts besitzt, kann alles geben! „Wir trainieren seit vier Wochen: Kondition, Antritt und Pass-Spiel“, sagt Kapitän Manfred Scheppan (22).

Wie alle anderen Teilnehmer bringt auch er eine besondere Lebensgeschichte mit: Streit in der Familie, falsche Freunde, zwei Jahre Jugendknast. „Das war für mich die Wende. Dort habe ich meinen Realschulabschluss nachgeholt. Ich wusste: Ich wollte so nicht sein.“ Im Fußball lernt Manfred scheinbar Alltägliches: Fairness, Zuverlässigkeit, Teamarbeit. „Der Fußball vereint uns, er gibt uns ein Zuhause.“ Sein Team nennt er die Sensenmänner – sie wollen ein Platz unter den ersten Vier. „Wir sind keine großen Techniker, aber wir beißen uns schon durch."

Andreas Thieme

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