Oberammergaus Leidensweg

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Der immense Gewinn aus der Passion 2000 ist nahezu aufgebraucht. Von nun an muss die Gemeinde Oberammergau massiv sparen und sogar Liegenschaften verkaufen. So sucht man neue Besitzer für die Kolbensattelhütte inklusive Lift. Was mit dem hochdefizitären Freizeitbad „Wellenberg“ passiert, ist unklar.

Oberammergau - Die 5300-Seelen-Gemeinde hat große Finanzsorgen: Der Freistaat muss für die Passion bürgen.

Es sind triste, und gleichzeitig ernüchternde Zahlen, die zwei Jahre vor Beginn der nächsten Passionsspiele über Oberammergau bekannt werden. Ende 2008 wird die Gemeinde laut Haushaltsansatz mit einem Schuldenstand von über 16 Millionen Euro dastehen, die Rücklagen sind dann auf 250 000 Euro geschrumpft und vom Passionsgewinn 2000 – man spricht von 51 Millionen D-Mark – ist so gut wie nichts mehr übrig. Die Folge: Der aktuelle Haushalt liegt seit einigen Wochen im Landratsamt auf Eis, und wird nicht genehmigt, ehe nicht die Vereinbarung mit dem Freistaat über eine Staatsbürgschaft von knapp neun Millionen Euro zur Vorfinanzierung der kommenden Passion vorliegt.

Die politisch Verantwortlichen in Oberammergau sind sich der dramatischen Situation bewusst, und haben Werkleiter Alfons Gerl zur Sanierung der defizitären Betriebe eingestellt. Schonungslos deckte der Weilheimer die immensen „Kostenfresser“ auf, unterbreitete dem Gemeinderat seine Liste an Sofortmaßnahmen.

In nicht-öffentlicher Sitzung haben die Räte jetzt einschneidende Maßnahmen beschlossen: Danach soll die Kolbensesselbahn mit der Sattelhütte ebenso verkauft werden wie der Campingplatz. Außerdem wird die Gärtnerei mit derzeit sechs Mitarbeitern aufgelöst. Auch dass man sich von Angestellten trennen wird, will Alfons Gerl nicht mehr ausschließen: „Dahinter stecken jedes Mal persönliche Schicksale, das macht keinen Spaß. Die Leute der Gärtnerei, das ist ja eine Super-Truppe.“ Wie es sich mit weiteren Einrichtungen wie etwa dem Bad „Wellenberg“ verhält, das 2007 angeblich 930 000 Euro Miese erwirtschaftet haben soll, steht in den Sternen. Der Werkleiter: „Man hat mich geholt, um alles auf den Prüfstand zu stellen.“ Der Grund für das hochdefizitäre Geschäft: In den besten Jahren strömten fast 300 000 Besucher in das Freizeitbad, jetzt ist ihre Zahl dramatisch auf deutlich unter 200 000 gesunken. Eine Schließung ist keine Illusion mehr. Dazu Gerl: „Man muss sich mit jedem Betrieb auseinander setzen. Für mich als Kaufmann ist das kein Hirngespinst, sondern eine von mehreren Optionen.“

Das gilt auch für das Museum, zuletzt erst noch für 700 000 Euro aufwendig saniert und umgebaut. Was passiert mit dem Passionstheater, dem Pilatushaus? Alles offene Baustellen!

Werkleiter Alfons Gerl macht allerdings eines deutlich: „Dass wir eine wirtschaftlich erfolgreiche Passion durchführen, und da sind wir Gott sei Dank auf dem besten Weg.“ Im neuen Gemeinderat spürt der 47-Jährige „eine Aufbruchstimmung, die Probleme anzupacken und zu lösen“. Wichtig sei jedoch, politisch festzulegen, wo die Prioritäten, die Schwerpunkte in Oberammergau liegen, „denn die Zeiten, wo man alles bediente, gehören der Vergangenheit an“.Bei allen finanziellen Sorgen und Problemen fühlt sich Gerl inzwischen angekommen in Oberammergau, und ergänzt: „Das ist schon ein besonderer Ort. Ich kenne kein Dorf, wo so viele Leute kulturell so engagiert sind, das Potenzial hier ist Wahnsinn. Und ich kenne auch kein Dorf, wo die Streitlust so groß ist.“ Außerdem: „Die Passion prägt alles und spielt überall mit hinein!“ Und so hoffen sie eben in dem weltberühmten 5300-Seelen-Ort, dass es „der Passio’“ wieder richtet. Alfons Gerl jedenfalls wünscht sich mit dem Bürgermeister und dem Gemeinderat „eine sehr hohe Vertrauensbasis, denn sonst werden wir unglaubwürdig.“

Quelle: tz

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