Landeshauptstadt nimmt Abschied

Trauer um Münchner Alt-OB Vogel: Offizielle Trauerfeier wird live übertragen - Steinmeier und Altkanzler Schröder dabei

Das in Rot gehaltene Grab des ehemaligen Münchner Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel.
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Der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel wurde am Freitag (31. Juli 2020) beerdigt.

Im Münchner Rathaus liegt ein Kondolenzbuch für den verstorbenen Alt-OB Hans-Jochen Vogel aus. Wegen Corona wurde er in kleinem Kreis beigesetzt. Die offizielle Trauerfeier findet im Gasteig statt.

  • Die Trauer um den Alt-OB Hans-Jochen Vogel in München ist groß.
  • Im Münchner Rathaus liegt jetzt ein Kondolenzbuch für den Verstorbenen aus.
  • Am Freitag (31. Juli 2020) wurde er in kleinem Kreis beigesetzt. Die offizielle Feier findet am 3. August statt.

Update vom 2. August, 19.50 Uhr: Fünf Kränze stehen links und rechts vom Grabstein, davor ein rotes Blumenmeer: Das Grab von Hans-Jochen Vogel leuchtet an diesen grauen, verregneten Tagen. Am Freitag ist der verdiente SPD-Politiker, der im Alter von 94 Jahren für immer die Augen geschlossen hat, in aller Stille beerdigt worden. Am Montag (3. August) findet die offizielle Trauerfeier für den Münchner Alt-Bürgermeister, ehemaligen Chef der SPD und Bundesminister statt.

Gedacht wird des Urgesteins der Sozialdemokraten ab 10.30 Uhr in der Philharmonie des Gasteigs. Dort kommen aber nur geladene Gäste zusammen – wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Öffentlichkeit ist eingeladen, der Trauerfeier, bei der auch Vogels Witwe Liselotte sprechen wird, im Live-Stream zu folgen: Übertragung im Internet unter www.muenchen.de/trauerfeier. Auf Wunsch der Familie hatte der Trauergottesdienst in der Abtei St. Bonifaz am Freitag nur im kleinen Kreis stattgefunden – unter anderem nahm OB Reiter teil. Danach fuhr die Trauergemeinde in einem Bus zum Bogenhauser Friedhof, wo Vogel beigesetzt wurde. nah

Update vom 31. Juli, 16.38 Uhr: Schwarz wie die ewige, kalte Nacht? Nein, rot wie die lodernde Flamme und rot wie die SPD! Mit kräftig leuchtenden Tüchern aus weichem Samt war der Bogenhausener Friedhof geschmückt – rund um jenes unscheinbare Grab, in dem jetzt einer der größten Münchner Politiker seine letzte Ruhe fand. Am Freitagnachmittag wurde hier Hans-Jochen Vogel beerdigt: Der Alt-Oberbürgermeister, ehemalige SPD-Chef und ehemalige Bundesminister war am Sonntag im Alter von 94 Jahren verstorben.

Es ist ein wunderschöner, idyllischer, ruhiger Ort – ein ganz besonderer Platz in München für den großen Politiker. Gleich rechts am Eingang des Friedhofs, im kühlen Schatten grüner Bäume, durch den vereinzelte Sonnenstrahlen fallen. In direkter Nachbarschaft vieler berühmter Menschen, die für die Stadt München viel bedeuten – wie Erich Kästner, Bernd Eichinger, Liesl Karlstadt oder Helmut Fischer. Es ist das Grab seiner Eltern Hermann und Caroline, in dem sich Hans-Jochen Vogel seinen Platz für die Ewigkeit fand.

50 Gäste in der Benediktinerkirche Sankt Bonifaz

Kurz vor halb vier Uhr nachmittags wurde sein Sarg gebracht, etwa eine Viertelstunde später kam die Trauergemeinde aus etwa 50 Gästen in einem silbernen Reisebus am Friedhof an – sie hatten vorher einen Trauergottesdienst im engsten Familienkreis in der Benediktinerkirche Sankt Bonifaz gefeiert.

Stumm zogen die Trauergäste zum Grab, alle mit schwarzen Masken bekleidet, vorneweg die Witwe Liselotte, gefolgt von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, der einen Strauß weißer Blumen trug. Keine Musik: In Stille wurde Abschied genommen am Grab.

Alt-OB Vogel: Stilvoller Abschied in vor der kleinen Kirche St. Georg

Der Grabesschmuck: ein prächtiges Meer aus Blumen! Allein 16 Kränze voll üppiger Rosen-, Gerbera- oder Dahlien-Blüten – ganz vorne der Kranz seiner Frau mit der schlichten Aufschrift: „In Liebe“.

Links vom Grab ein Kranz mit schwarz-rot-goldener Schleife vom deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, daneben ein Kranz von Kanzlerin Angela Merkel. Ein Kranz der Landeshauptstadt München, auch einer aus Berlin, wo Hans-Jochen Vogel Regierender Bürgermeister war.

Ein langes, engagiertes Leben geht zu Ende. Dafür ist es ein würdiger, sehr stilvoller Abschied vor der kleinen Kirche St. Georg. Traurig, aber schön. Zum Abschied bleibt noch das prächtige Leuchten der roten Blumen-Buketts. Nadja Hoffmann

Update vom 29. Juli, 22.40 Uhr: Zur Trauerfeier der Stadt München für ihren verstorbenen Altoberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD) hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) angekündigt. Das Staatsoberhaupt wird am Montag im Kulturzentrum im Gasteig mit einer Rede des Verstorbenen gedenken. Als Gäste haben sich außerdem Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt.

Ans Rednerpult werden neben Steinmeier Hans-Jochen Vogels Witwe Liselotte und OB Dieter Reiter (SPD) treten. Auch der ehemalige Intendant des BR, Albert Scharf, wird sprechen. Das Gedenken an den langjährigen SPD-Spitzenpolitiker in der bayerischen Landeshauptstadt wird ab 10.30 Uhr auch als Livestream übertragen, wie die Stadt mitteilt.

Erstmeldung vom 29. Juli:

München - Am Sonntag ist einer der größten Münchner Politiker für immer eingeschlafen: Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel starb im Alter von 94 Jahren. OB Dieter Reiter (SPD) trug sich am Montag als Erster ins Kondolenzbuch ein. „Ich trauere um Hans-Jochen Vogel. Mit ihm verliert Deutschland, verliert München einen großen Sozialdemokraten und leidenschaftlichen Politiker. Alle Münchnerinnen und Münchner werden ihn nie vergessen“, schrieb Reiter. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) verabschiedete sich unter anderem so: „Seine visionäre Kraft und sein Streben nach einer gerechteren Gesellschaft haben mich stets beeindruckt.“ Als „Jahrhundert-Münchner“ wurde Vogel einmal tituliert. „Das wohl schönste Attribut für ihn“, wie Reiter meint.

Würdevoll: Das Kondolenzbuch liegt im Zugang zum Prunkhof.

Abschied von Alt-OB Hans-Jochen Vogel - Kondolenzbuch liegt aus

Das Kondolenzbuch liegt im Rathaus im Durchgang zum Prunkhof bis zur Trauerfeier aus. Bürger können sich Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr eintragen. Der Beerdigungstermin steht noch nicht fest. Vogels Eltern sind auf dem Bogenhausener Friedhof begraben.

Reiter hatte Ende November 2019 noch einmal direkten Kontakt mit Vogel, als dieser im Salon des Café Luitpold sein Buch „Mehr Gerechtigkeit“ vorstellte – es war dessen letzter öffentlicher Auftritt. Bis zuletzt in engem Kontakt mit Vogel stand die Münchner SPD-Chefin Claudia Tausend. Am 18. Mai sei der letzte Brief Vogels eingetroffen, danach habe sie noch mit ihm telefoniert. „Ich höre mich besser an, als ich mich fühle“, erinnert sich Tausend an Vogels Worte.

Zu den letzten Besuchern, die zu Vogel in den zwölften Stock des Augustinums gefahren sind, gehörte Norbert Walter-Borjans. Der SPD-Bundesvorsitzende hat Vogel in Februar zum 94. Geburtstag gratuliert. „Er war gesundheitlich angeschlagen, saß im Rollstuhl“, erinnert er sich auf Twitter. Ansonsten sei das SPD-Urgestein ganz der Alte gewesen: „wacher Verstand, klare Werte, präzise, beharrlich“. Vogel wohnte mit seiner Ehefrau Liselotte seit 2006 in der Seniorenresidenz Augustinum – in einer 81-Quadratmeter-Wohnung. Der Alt-OB war der berühmteste Bewohner der Einrichtung. „Sie waren hier zu Hause“, sagt Augustinum-Sprecher Matthias Steiner – und bittet um Verständnis, dass sich das Haus nicht zu dem Trauerfall äußern möchte. Wie alle anderen Heime war auch das Augustinum über viele Wochen wegen Corona geschlossen. Zu Kindern, Enkelkindern und seinem Bruder Bernhard hatte Vogel telefonischen Kontakt gehalten.

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