Bagger vor der Haustür

15-Tonnen-Falschparker nervt Anlieger

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Andreas Busch vor dem Bagger, der Parkplätze blockiert. Immer wieder stellen Nachbarn in ihrer Not ihr Auto unter dem Ausleger des Baggers ab.  

Dem Obergiesinger Andreas Busch reicht’s: Seit November 2016 steht ein großer orangeroter Bagger an der Straße vor seiner Haustür.

München - Die Baumaschine belegt etwa drei Stellplätze der eigens ausgewiesenen, heiß begehrten Parkzone an der Zugspitzstraße. Wegen der Geschäfte an der Tegernseer Landstraße, des gegenüber liegenden Ostfriedhofs, des angrenzenden Fußballplatzes und des nahen Nockherbergs ist der Parkdruck in diesem Teil von Obergiesing hoch. Deshalb dürfen hier nur Anwohner mit Parkausweis parken. Die Lizenz kostet 30 Euro im Jahr. „Ich bezahle dafür, mein Fahrzeug in der Nähe meiner Wohnung abstellen zu dürfen“, erklärt Busch. Und nun belegt der Bagger mehrere der raren Plätze.

Inzwischen rangieren Anlieger ihre Autos auch unter den Arm des Baggers – zwischen die Schaufel, die der Baggerfahrer sorgfältig auf zwei Holzbalken abgesetzt hat, um den Asphalt nicht zu beschädigen, und das Räumschild des Baufahrzeugs.

Busch ist nicht nur sauer, dass er jeden Abend nach einem freien Parkplatz im Viertel suchen muss. Es geht ihm auch ums Prinzip. „Ich bekomme auch einen Strafzettel, wenn ich irgendwo falsch stehe, aber hier passiert seit Monaten einfach gar nichts“, schimpft er. Auf Nachfragen bei der städtischen Verkehrsraumüberwachung sowie beim Unternehmen selbst (laut Bagger-Aufschrift aus Oberschleißheim) gab’s keine Rückmeldung. „Es ist nicht akzeptabel, dass bei der ohnehin knappen Parkplatzsituation in München mit einer derartigen Ignoranz gehandelt wird“, grollt der Anwohner.

Busch ist offenbar nicht der Einzige, den der Bagger stört. Kürzlich hat ein Witzbold ein Schild mit der Aufschrift „Zu verschenken“ an die Baumaschine gehängt. Offenbar in der Hoffnung, dass irgendwer das 15-Tonnen-Trumm einfach mitnimmt. Busch hat die Aktion mit einem Schmunzeln wahrgenommen. Vergangene Woche war endlich die zuständige Bezirksinspektion vor Ort. Man habe die verantwortliche Firma ermittelt und aufgefordert, „die notwendige verkehrsaufsichtliche Erlaubnis zu beantragen“, erklärt der Pressesprecher des Kreisverwaltungsreferats, Johannes Mayer. Man gehe davon aus, dass der Bagger für Arbeiten im Umfeld benötigt werde.

Tatsächlich gab es eine Straßenbaustelle nicht weit entfernt am Ostfriedhof. Doch das war im vergangenen Jahr. Die Arbeiten dort endeten just in dem Zeitraum, in dem der Bagger an der Zugspitzstraße abgestellt wurde.

Immerhin will die Verwaltung jetzt dranbleiben. Sollte das Schreiben an die Baufirma nichts bewirken, so Mayer, „dann besteht noch die Möglichkeit, die zuständige Polizei-Inspektion einzuschalten“. Dann bekäme der Bagger einen „roten Punkt“. Verschwunden ist er damit aber noch lange nicht.

Carmen Ick-Dietl

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