Robert (61) ist dem Geldinstitut zu arm - mit dieser Summe

Bank schmeißt ihn raus, weil er zu wenig Geld auf Konto hat

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Robert Neumaier (61) vor der Filiale an der Franz-Joseph-Straße. 

Weil er in den Augen der Bank nicht genügend Geld auf dem Konto hat, wurde Robert Neumaier (61) jetzt bei Donner & Reuschel rausgeworfen. 

München - Robert Neumaier (61) war seiner Bank stets ein treuer und tadelloser Kunde. Reuschel & Co, das war die Bank seiner Eltern, und ganz in deren Tradition parkte auch Robert dort sein Geld auf einem Girokonto. Neumaier blieb treu: Als 2010 der Name zu Donner & Reuschel wechselte, als die Filiale vor seiner Haustür schloss, als weitere in der Nähe zumachten und er immer weiter fahren musste. Dehalb konnte er es nicht fassen, als am 20. April die Kündigung kam: Neumaier muss sein Konto auflösen, weil er kein Großverdiener ist, keine Riesen-Anlagegeschäfte tätigt! „Wie die Bank mit mir umspringt, ist das Allerletzte“, sagt er.

Neumaier arbeitet Schicht als Techniker am Flughafen, er wohnt in Obergiesing. Sein Gehalt geht aufs Konto, weg geht die Miete, Geld für Strom, Versicherungen, ein Sky-Abo. „Kein Kredit, nichts“, sagt Neumaier. Kontostand bei der Kündigung: mehr als 15.000 Euro – plus.

Neuer Fokus: Geschäfts- und Privatkunden mit großem Vermögen

Bisher gab’s nie Probleme: „Die Berater waren freundlich und kompetent“, sagt Neumaier. Warum die Bank ihn loshaben will? Da hat Neumaier eine Vermutung. Er reibt Daumen und Zeigefinger aneinander. „Denen geht es nur noch ums Geld. Werte interessieren die nicht mehr.“

In der Kündigung (Ausschnitt oben) schreibt die Bank: „In den letzten Jahren haben sich die Rahmenbedingungen des Bankengeschäfts durch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank und der gesetzlichen Regulatorik deutlich verändert.“ Deswegen habe man sich dazu entschlossen, sich auf „beratungsintensive Bankdienstleistungen“ zu konzentrieren. „Wir bedauern daher, dass wir die Zusammenarbeit mit Ihnen nicht fortführen können.“ Eine Sprecherin erklärt auf tz-Anfrage, dass sich die Bank nur noch um Geschäftskunden und Privatkunden mit großem Vermögen kümmern will. Robert Neumaier als Normalverdiener ohne riesiges Anlagevermögen gehört nicht dazu.

Neumaier muss sich nach fast 40 Jahren neue Bank suchen

Neumaier, fast 40 Jahre Kunde, muss sich eine andere Bank suchen. Kündigung zum 31. Juli! Dass der Brief mit der normalen Post gekommen ist, regt Neumaier auf. „Was, wenn der Brief verloren geht? Und ich von der Kündigung nichts weiß? Mein Vermieter bekommt kein Geld! Niemand bekommt mehr Geld!“ Nicht mal ein Einschreiben sei er der Bank mehr wert gewesen, sagt Neumaier.

Bei Donner & Reuschel bedauert man, dass Neumaier nicht das Gespräch mit der Bank gesucht hat. „Wir hätten ihm unsere Entscheidung gern erklärt – und ihm beim Bankwechsel geholfen“, sagt die Sprecherin. Die meisten Kunden hätten Verständnis gezeigt. Von wie vielen Menschen da genau die Rede ist, wisse sie nicht. Und wie hoch der Kontostand sein muss, damit Reuschel einen Kunden behält? Da gebe es keine feste Grenze, heißt es…

Und Robert Neumaier? Der ist am Dienstag in die ­Schwabinger Filiale von Donner & Reuschel gefahren, hat sein Geld abgehoben und das Konto aufgelöst. „Ich muss, aber ich will nicht“, hat er den freundlichen Angestellten noch gesagt. Sie haben gelächelt.

Donner & Reuschel: Die Geschichte

Der edle Sitz von Donner & Reuschel an der Friedrichstraße.

Reuschel & Co wird 1947 in München gegründet, am Maximiliansplatz 19 öffnet der erste Schalter. 1955 wird ebenfalls dort die neue Zentrale eingeweiht. Als erste Bank schaltet Reuschel & Co. Rundfunkwerbung, stößt mit Plakaten an der Münchner Tram eine Imagekampagne an. Slogan: „Ein Münchner geht zur Reuschel-Bank.“ Reuschel & Co wächst in der Folge zu einer der zehn größten deutschen Privatbanken heran. 2009 kauft die Hamburger Conrad Hinrich Donner Bank (gegründet 1798) die Münchner Traditionsbank, 2010 wechselt der Name zu Donner & Reuschel. 2010 erhielt das Bankhaus zum vierten Mal in Folge von der Universität St. Gallen die Auszeichnung „Deutschlands kundenorientierteste Bank“.

Das sagt der Experte: „Umsetzung ist eine Katastrophe“

Wolfgang Gerke ist Präsident des „Bayerischen Finanz Zentrums“.

Herr Gerke, darf eine Bank ihren Kunden einfach kündigen?

Wolfgang Gerke: Klar, rechtlich ist das möglich. Auch betriebswirtschaftlich ist das Vorgehen nachvollziehbar. Aber die Umsetzung ist eine Katastrophe.

Warum?

Gerke: Banken stehen unter Zwang, Kosten zu sparen. Sie konzentrieren sich auf Kunden, die Geld bringen – das ist legitim. Aber ungeschickt. Die Bank verprellt Kunden. Wer treue Kunden so vor den Kopf stößt, muss damit rechnen, dass sich das herumspricht. Die Aussage ist ja: „Wir brauchen Sie nicht mehr!“

Ist das ein allgemeiner Trend?

Gerke: Ja. Ich beobachte das bei vielen Banken.

Was raten Sie Privatkunden?

Gerke: Suchen Sie sich frühzeitig eine andere Bank! Halten sie Ausschau nach besseren Konditionen.

Tobias Scharnagl

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