Interview mit dem Opfer

Vergewaltigt! "Mein Leben ist jetzt pure Angst"

+
Das Phantombild des etwa 40-jährigen Vergewaltigers. Im Oberkiefer hat er einen Goldzahn.

München - Am Mittwochabend fahndete "Aktenzeichen XY... ungelöst" nach dem Vergewaltiger vom Fasangarten. Sein Opfer lebt seit der grausamen Tat ein Leben in Angst. Hier spricht zum ersten Mal über das Horrorerlebnis.

Wer ist der Vergewaltiger vom Fasangarten? Die Kripo fahndete Mittwochabend mit einem Filmbeitrag in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst nach dem Mann, der das Leben der Münchnerin Christine G. (31, Name geändert) am 2. Mai vergangenen Jahres in der Nähe des S-Bahnhofs in nur wenigen Minuten zerstörte. Schon während der Sendung gingen erste Hinweise ein. Eine Frau etwa gab an, vergangene Woche im Raum München einen Exhibitionisten gesehen zu haben, der wie der Vergewaltiger einen Goldzahn hatte. Christine G. lebt seit der Vergewaltigung in purer Angst – und spricht in der tz zum ersten Mal über ihr Horror-Erlebnis. Was sie fühlte, wie sich ihr Leben verändert hat und was sie anderen Vergewaltigungsopfern rät:

Haben Sie den Aktenzeichen XY-Beitrag angeschaut?

Christine G. (31): Nein, das konnte ich nicht. Aber ich hoffe so sehr, dass der entscheidende Hinweis kommt.

Erinnern Sie sich noch an die Minuten vor der Tat?

Christine G.: Ich war auf dem Nachhauseweg nach dem Elternsprechtag in der Schule meiner Tochter. Es war schon dämmrig. Ich bin den Weg gegangen, den ich sonst immer gehe. Ich hatte es nicht mehr geschafft, auf die Toilette zu gehen. Aber ich bin es von meiner Arbeit als Erzieherin im Waldkindergarten gewohnt, dass man kurz ins Gebüsch geht.

Was passierte dann?

Christine G.: Es dauerte gar nicht lange, da hat es hinter mir schon geraschelt. Ich dachte erst, es sei ein Vogel. Und dann kam jemand von hinten an mich heran und hat mich mit voller Gewalt nach vorne geschubst. Er sagte in gebrochenem Deutsch ,Hose runter!‘. Dann hat er mich leider vergewaltigt.

Sie waren völlig wehrlos!

Christine G.: Ich habe dann einfach meine Augen zugemacht und es über mich ergehen lassen. Ich dachte erst, dass er mich umbringen will. Deshalb machte ich einfach, was er sagt. Ich habe überhaupt kein Gefühl mehr dafür, wie lange das gedauert hat. Er hatte mich umgedreht, so dass ich noch einmal in sein Gesicht schaute. Als er weg war, habe ich meine Hose wieder hochgezogen und bin Richtung Radweg gegangen.

Wer kam Ihnen da zu Hilfe?

Christine G.: Ein Radler sprach mich an. Aber irgendwie konnte ich nichts sagen. Dann war schon die Polizei da. Ich wurde in die Gerichtsmedizin gefahren, um Spuren an mir zu sichern.

Wie lange waren Sie damals nicht in der Arbeit?

Christine G.: Ich bin sofort am nächsten Tag wieder arbeiten gegangen. Ich musste mich ja irgendwie ablenken. Einen Tag habe ich mir in der Woche darauf dann Pause gegönnt, um zum Arzt zu gehen.

Welche Spuren hat die Tat bei Ihnen hinterlassen?

Christine G.: Mir ist es danach sehr, sehr, sehr schlecht gegangen. Ich habe auch jetzt noch eine Abneigung, diesen Weg langzufahren. Ich habe mich zwar wieder gefangen, bin in meinem Alltag angekommen, arbeite und studiere. Aber ich bin dadurch definitiv ängstlicher geworden und fahre ungern mit der S-Bahn. Der Bahnhof lag ja direkt neben dem Tatort. Auch meine Beziehung ist seither sehr schwierig geworden. Zudem gehe nicht mehr so häufig raus wie früher. Ich war viel unterwegs und habe das Leben genossen. Jetzt bin ich abends lieber daheim. Ich bin ein anderer Mensch geworden.

Hat Ihre achtjährige Tochter etwas von dem Vorfall mitbekommen?

Christine G.: Mir ging es ja ganz schlecht und wollte alleine sein. Aber sie ist dann immer zu mir gekommen, hat mir den Rücken gekrault und Tee gemacht. Sie weiß nicht im Detail, was passiert ist. Aber da die Polizei immer wieder zu mir kam, ließ sich das nicht vermeiden.

Sie mussten Ihre Erlebnisse immer wieder der Polizei gegenüber schildern. Würden Sie aus Ihrer Erfahrung heraus anderen Opfern raten, Anzeige zu erstatten?

Christine G.: Man fühlt sich ganz fies und ekelhaft danach – und eigentlich möchte man nur noch nach Hause und mit niemandem mehr darüber reden. Ich weiß auch nicht, wie ich es gemacht hätte, wenn man mich nicht gefunden hätte. Aber ich kann allen Opfern nur empfehlen, sich dem Ganzen zu stellen. Es tut wirklich weh, darüber zu sprechen. Aber es lohnt sich, dafür zu kämpfen, dass der Täter irgendwann gefasst und bestraft wird. Ich bete so sehr dafür.

Sebastian Arbinger

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neues Wirtshaus: Münchner Paar braut eigenes Bier
Neues Wirtshaus: Münchner Paar braut eigenes Bier
Berufung zurückgezogen: Todesfahrer muss in Haft
Berufung zurückgezogen: Todesfahrer muss in Haft
Bewaffnete Sicherheitswacht? 100 Sheriffs für München
Bewaffnete Sicherheitswacht? 100 Sheriffs für München

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare