Bauzaun sorgt für neuen Unmut

Giesing: Nächster Ärger um das abgerissene Uhrmacherhäusl

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Sichtschutzzaun vor dem abgerissenen unter Denkmalschutz stehenden Haus an der Oberen Grasstraße 1

Nach dem illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls in Giesing gibt es nun den nächsten Aufreger: Vor das Anwesen des einst denkmalgeschützten Hauses wurde ein „eiserner Vorhang“ gezogen.

Der Schutt des einstigen Uhrmacherhäusls an der Oberen Grasstraße ist mittlerweile weg - doch nun flammt schon wieder Wut auf bei den Anwohnern, die sich nach dem illegalen Abriss des denkmalgeschützten Hauses in der Bürgerinitiative „Heimat Giesing“ zusammengetan haben. Seit dem vergangenen Donnerstag steht vor dem Anwesen nicht nur wieder der Bauzaun, der sich bereits vor der Räumung dort befand. „Es wurde ein Eisener Vorhang errichtet“, wie Klaus Müller von der Bürgerinitiative es nennt. Genauer gesagt: „Eine mindestens zwei Meter hohe Stahlwand.“ 

Was, fragen sich die Anwohner nun, gibt es da vor den Obergiesingern zu verheimlichen? Die Lokalbaukommission habe noch Anfang November betont, dass die Anlieger alle Vorgänge vor Ort fotografieren und dokumentieren - und die Behörde bei Unstimmigkeiten jederzeit informieren dürften, sagt Müller. „Wie soll das jetzt noch möglich sein?“ Die Initiative fordert deshalb: „Der Einserne Vorhang muss wieder weg!“ 

Die Bürgerinitiative hatte sich bereits während der Räumung der Trümmer unter der Aufsicht von Stadt und Freistaat in der vorvergangenen Woche darüber beschwert, dass das von Eigentümer Andreas S. beauftragte Räumpersonal mehrere Stunden lang ohne Aufsicht arbeiten konnte. „Transparenz wäre förderlich, um das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen“, findet Müller.

Sichtschutz: Stadt München teilt Unmut der Anwohner nicht

Beim Referat für Stadtplanung und Bauordnung, dem die Lokalbaukommission zugeordnet ist, versteht man die Aufregung nicht. „Der Eigentümer musste zur Verkehrssicherung einen Bauzaun errichten“, erklärt ein Sprecher. Man kenne zwar nur den Bauzaun und nicht die Stahlwand. Doch ganz grundsätzlich gilt: „In welcher Form der Eigentümer die Baustelle sichert, ist ihm überlassen.“ 

Die Trümmer sind inzwischen komplett entfernt. Vor der abgesicherten Baulücke sind derweil drei Holzkreuze aufgestellt worden - und ein Schild „Zerstörung eines Denkmals“ prangt am Zaun. Derzeit werde das weitere Vorgehen abgestimmt, sagt der Sprecher des Planungsreferats. Unter anderem müssten die Giebelwände und der Keller noch statisch gesichert werden. 

Das Uhrmacherhäusl aus dem Jahr 1840 war am 1. September illegal abgerissen worden. Eigentümer Andreas S. hatte von der Stadt lediglich die Erlaubnis gehabt, das Haus denkmalgerecht zu sanieren - nicht aber es abzureißen. Die Stadt will per Verfügung erreichen, dass das Haus originalgetreu wieder aufgebaut werden muss. Experten schätzen, dass man rund 30 Prozent der alten Bausubstanz wiederverwenden kann. Obergiesing istübrigens bei weitem kein Einzelfall: So kämpfen die Münchner nach dem illegalen Abriss.

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