Wiederaufbau stockt

Giesing: Pläne zum Uhrmacherhäusl noch sehr verworren

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Mitglieder des Bündnisses „Heimat Giesing“ stehen kurz nach dem Abriss vor den Ruinen des Uhrmacherhäusls: Barbara Kress (von links), Michael Seitz, Susanne Müller, Clemens Geyer und Angelika Luible. 

Über Nacht wurde das alte Uhrmacherhäusl in Giesing plattgemacht. Die Stadt wünscht den Wiederaufbau des 170 Jahre alten Häuschens. Doch verpufft der anfängliche Ärger?

München - Die Lage um das abgerissene Uhrmacherhäusl bleibt weiterhin verworren. Das am 1. September 2017 in einer illegalen Aktion vernichtete denkmalgeschützte Gebäude wird alle Beteiligten wohl noch lange beschäftigen. Klar ist, dass die Stadt ein Ziel verfolgt: Den Wiederaufbau des historischen, etwa 170 Jahre alten Häuschens. Der Originalzustand wird aber nicht mehr herstellbar sein. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der Stadtrats-Mitglieder Alexander Reissl und Heide Rieke (beide SPD) hervor.

„Eine exakte Wiederherstellung kann nicht gefordert werden“

Stadtbaurätin Elisabeth Merk schreibt in der Antwort, es sei Ziel der Landeshauptstadt, „den Schaden für das Ensemble Feldmüllersiedlung so gering wie möglich zu halten und ebenso ein deutliches Zeichen gegen Nachahmungen zu setzen“. Insbesondere das mögliche Bußgeld könnte vielleicht abschrecken. Im Raum steht eine maximale Bußgeldhöhe von 500.000 Euro. In der Antwort von Merk heißt es weiter: „Eine exakte Wiederherstellung des Gebäudes kann auch nach Prüfung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege wohl nicht gefordert werden. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung wird versuchen, einen ensemblegerechten Wiederaufbau in der überlieferten Kubatur des Uhrmacherhäusls durchzusetzen.“ Die Frage ist, was das genau bedeutet.

Früher: So sah das Häuser-Ensemble an der Oberen Grasstraße einst aus. Das niedrige Gebäude in der Mitte ist das Uhrmacherhäusl. So ähnlich soll es wieder aussehen.

Baumaterial ist zum Teil nicht mehr verwendbar

Eine Nachfrage beim Planungsreferat und Stadträtin Heide Rieke ergab, dass sich diese Formulierung auf das Baumaterial und auf aktuelles Baurecht bezieht. „Heutzutage müssen Sie ja ganz anders bauen als vor hundert Jahren. Es herrschen neue Anforderungen“, sagte Rieke, die sich mit der Antwort des Referats zunächst zufriedengibt. „Aber wir werden weiterhin politischen Druck ausüben, damit das Häuschen so schnell wie möglich wieder steht.“ 

Ein Sprecher des Planungsreferats sagte gestern: „Das abgerissene Baumaterial ist zum Teil nicht mehr verwendbar. Das ist der Hauptgrund dafür, dass man das Uhrmacherhäusl nicht exakt wiederherstellen kann.“ Doch möglichst originalgetreu soll es trotzdem werden. Man könne vom Begriff der „Kubatur“ nicht nur die Originalmaße des Häuschens, sondern auch das historische Aussehen ableiten.

Mühen der Stadt verpuffen

Aktivisten der Vereinigung „Heimat Giesing“ befürchten, dass all die Mühe der Stadt verpuffen könnte. „Soweit ich weiß, behauptet der Eigentümer ja bis heute, den Auftrag zum Abriss nicht erteilt zu haben“, sagt Angelika Luible. Sie wundert sich nach wie vor über die kriminelle Energie, die offensichtlich hinter dem Abriss steckt. Luible erzählt von Gerüchten. „Anscheinend gibt es Bauunternehmer, die für 50.000 bis 100.000 Euro anonyme Abriss-Aufträge entgegennehmen und einige Monate oder Jahre später Insolvenz anmelden“, sagt die Anliegerin. Auch im Fall der Oberen Grasstraße vermutet sie eine ähnliche Konstellation. Und daraus ergeben sich Fragen.

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Luibles Befürchtungen treiben die Menschen rund um die Ruine des zerstörten Häuschens um. Was, wenn der Abriss tatsächlich nie zum derzeitigen Eigentümer Andreas S. zurückverfolgt werden kann? Abgesehen vom jahrelangen Rechtsstreit würde in dem Fall die Lücke im Herzen Obergiesings womöglich auf unabsehbare Zeit klaffen.

Jetzt: Die verbliebene Bausubstanz wurde abgedeckt.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Giesing – mein Viertel.

Hüseyin Ince

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