Tegernseer Landstrasse

Giesing: Die Tücken der Tunnel-Pläne

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Gibt es eine Tunnel-Lösung für Giesing? Die Machbarkeitsstudie wurde jetzt vorgestellt.  

München - Die Idee, Anwohner der Tegernseer Landstraße durch einen Tunnel vor dem Verkehr des Mittleren Rings zu schützen, entpuppt sich immer mehr als Utopie. Das zeigt die Vorstellung der Machbarkeitsstudie.

Von den vier untersuchten Ideen zur Verkehrsentlastung sind nur noch zwei übrig: Ein komplett neuer Tunnel zwischen Brudermühlbrücke und McGraw-Graben und eine Verlängerung des bestehenden Candidtunnels bis zur Kreuzung Chiemgaustraße/McGraw. Rund 500 Menschen hätten davon einen Vorteil, für sie würde sich beispielsweise der Lärmpegel halbieren.

Andere Anwohner allerdings, speziell rund um die Einmündung Chiemgaustraße, hätten am Ende sogar mehr Lärm als heute. Zudem würde sich insgesamt der Verkehr in diesem Bereich erhöhen, weil der Tunnel Verkehr anziehen würde und weil einige Anliegerstraßen hinter der Tunnelwand nur auf Umwegen erreichbar wären.

Allerdings ist noch unklar, ob ein externer Tunnel überhaupt machbar wäre. Die in bergmännischer Bauweise, also mit hohem technischen Aufwand zu erstellende Röhre müsste sehr tief unter die Erde gelegt werden, erklärte Norbert Kilger vom Ingenieursbüro Dorsch Consult am Donnerstagabend. Teilweise sogar bis zu 40 Meter tief, denn der Tunnel muss noch unter der U-Bahn durch.

Zum anderen machen die neuen Wohnbaupläne auf dem Osram-Gelände der bislang angedachten Streckenführung einen Strich durch die Rechnung. Die Bebauung wegen einer vagen Tunnelidee zu beschränken, ist nicht möglich. Die Umplanung würde die Kosten von rund 560 Millionen Euro nochmal um bis zu 200 Millionen Euro erhöhen.

Bei der Candidtunnel-Variante wären es zwar nur 350 Millionen Euro, dafür ist der Bau ein Riesen-Problem. Aufgrund der engen Randbebauung ist kein Platz für Fahrbahn-Verschwenkungen oder Ausweichstellen vorhanden. Der Verkehr würde also während der siebenjährigen Bauzeit erheblich behindert. Verkehrsplaner Stefan Bauer spricht von einer Leistungsminderung von 70 Prozent über mehrere Jahre. Zum Vergleich: Bei den bisherigen Tunnelbaumaßnahmen waren es jeweils 20 bis 30 Prozent. „Wir müssten eigentlich den Mittleren Ring für Jahre abhängen“, sagt Bauer. Das würde angesichts von rund 130 000 Fahrzeugen, die hier täglich durchfahren, einen Verkehrskollaps nicht nur für den Münchner Südosten bedeuten. Man bräuchte ein „großvolumiges Umleitungsnetz“.

Betretenes Schweigen bei den Teilnehmern der äußerst schwach besuchten Infoveranstaltung. „Wer wird sowas genehmigen“, sagte ein Bürger zweifelnd. Die Pläne verdienten wohl kaum den Titel „Machbarkeitsstudie“.

Kritik auch von der „Giesinger Tunnel Initiative“. Die Candid-Version werde Giesing spalten, so Ender Beyhan-Bilgin: „In den Luxus Tegernseer Landstraße und den Rest“. Die Anwohner der Chiemgaustraße würden schlichtweg vergessen, monierte Obergiesings BA-Chefin Carmen Dulliner-Oswald. Dort würde der Tunnel nichts verbessern. „Wir brauchen einen wirksamen Anwohnerschutz, der den gesamten Mittleren Ring in unserem Viertel einbezieht und auf den wir nicht noch einmal Jahrzehnte warten müssen.“ Aber nicht mal ein Deckel auf dem McGraw-Graben wäre eine einfache Maßnahme. „Dann ist es ein Tunnel, und da muss man alle Vorschriften unter anderem für Brandschutz, Fluchtwege und mehr einhalten“, erläuterte Kilger. Die Folge: Hohe Kosten.

Carmen Ick-Dietl

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