Stadt hat einen Plan

Uhrmacherhäusl-Skandal in München: Abrisshaus verwechselt – War es wirklich nur ein Versehen? 

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Über Nacht wurde das denkmalgeschützte Uhrmacherhäusl an der Oberen Grasstraße 1 dem Erdboden gleichgemacht. 

Die Stadt München will den Streit um den illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls in Giesing weiter durchfechten und sich dazu den Bauunternehmen vorknöpfen. 

München - Zwei Jahre ist der illegale Abriss des Uhrmacherhäusls nun her. Dass es ähnlich wieder aufgebaut werden wird, erscheint mehr als fraglich. Denn wie bekannt wurde, nimmt der Bauunternehmer die Verantwortung auf sich. Es habe eine Verwechslung mit einem Abrissauftrag in Baden-Württemberg gegeben. Der Eigentümer, der bislang in der Kritik stand, könnte nun juristisch selbst als Opfer gelten.

„Ich hätte mir schon gewünscht, in erster Instanz gewonnen zu haben“, bekennt der Chef der Münchner Lokalbaukommission (LBK), Cornelius Magerl. Doch das Verwaltungsgericht hatte überraschend Eigentümer Andreas S: Recht gegeben. Der hatte gegen den Bescheid der Stadt zum Wiederaufbau des denkmalgeschützten Häuschens geklagt. Laut Gericht hat die LBK geschlampt, weil sie nur den Eigentümer zur Verantwortung ziehen wollte. Eine ganz bewusste Entscheidung, wie Mager am Dienstagabend im Giesinger Bezirksausschuss wortreich erläuterte. „Weil wir alle der Ansicht waren, nur der Eigentümer könne eine möglichst umfassende Wiederherstellung leisten.“ 

Uhrmacherhäusl-Streit: Wer betätigte die Abrissbirne wirklich?

Gegen einen offensichtlich ungeeigneten Bauunternehmer vorzugehen, der die Folgen wohl nicht bewältigen könnte, sei der Stadt aussichtslos erschienen. „Am Ende werden Zwangsgelder erlassen, danach eine Ersatzvornahme und dann baut die Stadt für den Eigentümer wieder auf, das wollten wir nicht.“ Nun ist der LBK-Chef schlauer. „Wir hätten unbedingt den Täter in unsere Überlegungen einbeziehen müssen.“ Für ihn trage der Eigentümer trotzdem eine Mitschuld, weil er einen offensichtlich ungeeigneten Bauunternehmer gewähren ließ. Doch bislang gibt es keine belastbaren Beweise für einen Abrissauftrag seitens des Eigentümers, gab Mager zu. Im Gegenteil: Der Bauunternehmer, der mit seinem Bagger das Haus zum Einsturz brachte, habe laut LBK-Chef zugegeben: „Ich war’s.“ 

Offenbar ist er bislang dafür aber nicht zur Rechenschaft gezogen worden. „Wir waren davon überzeugt, dass die aufgetischte Story zu dünn ist, um vor Gericht bestehen zu können. Danach soll es angeblich eine Verwechslung mit einem Abrissauftrag in Baden-Württemberg gegeben haben. Selbst das Gericht attestierte den Umständen, unter denen das Uhrmacherhäusl 2017 zerstört wurde, einen komischen Beigeschmack. 

Wurde der Uhmacherhäusl-Besitzer selbst zum Opfer?

Cornelius Magerl, Chef der Münchner Lokalbaukommission.

„Die wahre Wahrheit ist eine schwierige Frage, aber wenn der Eigentümer tatsächlich ebenfalls Opfer war, dann müssen wir ganz anders denken“, sagt Mager. Dann funktioniere keine Wiedergutmachung an der Stadt für etwas, was dem Eigentümer angetan wurde. Obwohl durch den Abriss des Denkmals auch ein Schaden für die Allgemeinheit entstanden ist. Juristische Spitzfindigkeiten, die offenbar auch für die städtische Rechtsabteilung nicht einfach sind. So kann die Stadt auch nicht auf Rekonstruktion des Uhrmacherhäusls bestehen, nur auf Wiederherstellung des Ensembles Feldmüllersiedlung. 

Münchner Lokalbaukommission beharrt auf Rekonstruktion des Uhrmacherhäusls 

Die Richterin hatte bereits als Kompromiss ein zweigeschossiges Gebäude vorgeschlagen, wie es sie in der Siedlung auch gibt. „Das haben wir abgelehnt, wir legen Wert auf die Wiederherstellung des ursprünglichen Gebäudes“, so Mager. Wie es nun weitergeht? „Wir werden jetzt zunächst gegen den Bauunternehmer vorgehen, ein Anhörungsverfahren einleiten und abwarten, was er sagt.“ Nach Informationen unserer Zeitung besitzt er jedoch seine Firma nicht mehr, sein Aufenthaltsort ist unklar. Außerdem muss die Stadt mit dem Eigentümer eine Vereinbarung treffen, damit der gegebenenfalls zulässt, dass ein Dritter auf seinem Grundstück baut. Komme man beim Bauunternehmer nicht weiter, „dann werden wir gegen den Eigentümer nachbessern“. 

Die LBK hofft im weiteren Ermittlungsverfahren von Polizei und Staatsanwaltschaft noch etwas zu erfahren, was nützlich sein könnte. „Wir stehen unter hohem Erfolgs- und Erwartungsdruck und müssen uns auf einen langen Prozess einstellen“, meint Mager.

CARMEN ICK-DIETL
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Das Urteil des Verwaltungsgerichts im Uhrmacherhäusl-Streit enttäuscht sogar OB Dieter Reiter: „Dieser Rechtsstreit dauert noch 10 Jahre.“

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Kommentare

Alex
(1)(0)

Satte Geldstrafe an den Abreißer wegen fehlender Abrißgenehmigung! Und dann sollen dort Wohnungen hingebaut werden, wie ununterbrochen von allen gefordert werden und hört auf mit dem populistischen Gedöns!

ingevonjaduczynski
(2)(0)

Was für ein lächerlicher Aufstand um dieses hässliche, verschimmelte Haus, das vermutlich bald von selbst eingestürzt wäre. Wo waren denn die ganzen Krakeeler als das Haus so "denkmalschutzgerecht" saniert wurde? Aus der ganzen Aktion liest man nur die Missgunst und den Neid der Nachbarn gegenüber dem Bauherrn heraus.

Jesús
(1)(0)

"Am Ende werden Zwangsgelder erlassen, danach eine Ersatzvornahme und dann baut die Stadt für den Eigentümer wieder auf, das wollten wir nicht."

Cornelius Magerj, wie lange bist du schon bei der LBK? Denke, dass du da total fehl am Platz bist.