Wird es wieder aufgebaut?

Haus-Abriss in Giesing: So reagiert der Eigentümer

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Die Wut über den Abriss des denkmalgeschützten Haues an der Oberen Grasstraße ist noch nicht verraucht.

In Giesing kehrt keine Ruhe ein: Nach dem Haus-Abriss schweigt der Eigentümer zu den Vorwürfen. Unterdessen haben die Anwohner jetzt Strafanzeige erstattet und fordern auch die Kosten für die Untersuchung der Baustelle vom Eigentümer ein.

München - Während in Giesing heftiger Regen auf die Baustelle fällt, rauscht in Italien das Meer, und das Schmatzen der Wellen ist bis durch das Telefon zu hören. Zwar möchte der Mann am anderen Ende des Hörers nicht sprechen, doch die Szene spricht für sich. Denn während in Italien die Wellen schäumen, schäumen in Giesing die Anwohner nach dem Abriss des denkmalgeschützten Hauses.

Dessen Eigentümer, Andreas S., macht momentan Urlaub. An sein Handy geht er erst nach Dutzenden Anrufen. Nur sagen möchte er nichts zu dem Vorfall an der Oberen Grasstraße. „Kein Kommentar“, sagt er dann doch. Dabei hätten die Anwohner aus der Feldmüller-Siedlung brennende Fragen an Andreas S. Wird sein Häuserl wieder aufgebaut? Und vor allem: Wird es genau so wieder aufgebaut, wie es einmal stand?

Während bei der Stadt nun die Anhörungen laufen, hat Rechtsanwalt Albert Cermak schon gehandelt. Er vertritt die Nachbarn und hat Strafanzeige gegen Andreas S. eingereicht, weil der die Anwohner durch den Abriss gefährdet habe. Laut Cermaks Anzeige sind die Tatbestände der vorsätzlichen Sachbeschädigung und der gemeinschädlichen Sachbeschädigung erfüllt. Durch den „völlig unsachgemäßen Abriss“ des Hauses an der Oberen Grasstraße 1, der ohne jegliche Sicherungs- und Schutzmaßnahmen für das Wand-an-Wand angrenzende Haus seiner Mandanten erfolgt sei, seien Schäden an deren Gebäuden entstanden, deren Ausmaß „derzeit noch nicht gänzlich bestimmt werden konnte“, sagt Cermak. Nach erster Einschätzung eines Sachverständigen seien Haarrisse am Gebäude der Anwohner durch den Abriss entstanden. Zudem sei die gemeinsame Brandwand beschädigt worden. Andreas S. habe das „zumindest billigend in Kauf genommen“.

Hat der Bauherr sich in jedem Fall strafbar gemacht?

Der Eigentümer beruft sich zwar darauf, dass der Abriss ohne seinen Willen erfolgt sei. Albert Cermak aber sagt: „Selbst wenn dies der Fall wäre, hat der Bauherr sich zumindest der gemeinschädlichen Sachbeschädigung durch Unterlassen strafbar gemacht.“

Auch die Stadt bekam Post von dem Rechtsanwalt. In einem Schreiben an die Lokalbaukommission fordert Cermak die Behörde auf zu prüfen, welche unmittelbaren Auswirkungen der Abriss „auf das im Eigentum unserer Mandanten stehende Baudenkmal hatte“. Ferner seien auf Kosten des Verursachers Sicherungsmaßnahmen durchzuführen – „um zu verhindern, dass das Baudenkmal weiteren Schaden infolge des unsachgemäßen und widerrechtlichen Abrisses erleidet“.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Giesing – mein Viertel“.

Lesen Sie auch: Nach illegalem Abriss in Obergiesing: Ist die ganze Siedlung in Gefahr?

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