Angestellter in Giesing verliert die Kontrolle

Brutaler Heim-Skandal: Pfleger schlug 93-Jährigem mit Faust ins Gesicht

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Beide Augen blau und die Lippen aufgeplatzt: In diesem erbarmungswürdigen Zustand lag Karl H. (93) am 2. November 2016 in seinem Bett und hatte Schmerzen.

Lehrling Martin L. (30) schlug einen 93-jährigen Bewohner mit der Faust ins Gesicht. Vor dem Amtsgericht gestand er die Misshandlung ein und erhielt die Quittung. Seine Arbeit will er danach wieder aufnehmen.

München - Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen wurde Martin L. (30) der Prozess gemacht. Vier Stunden lang stritt er die Tat ab - dann knickte er ein und gab alles zu: „Es tut mir leid, ich war in der Situation überfordert.“ An jenem Tag im November sei er als Auszubildender den ersten Tag auf der Station von Karl H. gewesen. Der Senior leidet an Parkinson und wollte sich nicht duschen lassen - da wurde der Pfleger wütend und schlug dreimal mit der Faust zu! 

Die schlimmen Folgen: Karl H. erlitt Prellungen und Blutergüsse. Von dem Vorfall hat er sich nie richtig erholt. Seine Ehefrau Theresie: „Meinem Mann geht es schlecht. Er ist sterbenskrank.“ Pfleger Martin L. war seit dem 1. April 2015 im Casa Reha in der Wallbergstraße angestellt. „Ich habe den Bewohner ausgezogen und dann die Klingel gedrückt, weil ich Hilfe gebraucht habe. Alleine konnte ich ihn nicht aus dem Bett heben.“ Doch die Kollegen hatten keine Zeit, und der Senior wurde unruhig. „Er schob mich immer wieder weg. Ich habe versucht, ihm zu erklären, wie wichtig die Körperpflege ist.“ Mit dem Toilettenstuhl fuhr Martin L. den Bewohner schließlich in die Dusche, wo es zu der Attacke kam. Kaum zu glauben: Zur Strafe duschte der Pfleger Karl H. noch kalt ab!

Hier kam es zu den Handgreiflichkeiten: Das Casa Reha in Giesing.

Vertuschungsvorwürfe gegen die Senioren-Einrichtung

„Mein Mann schrie um Hilfe, er war völlig wehrlos“, sagte Theresie H. Sie hatte sich sofort bei der Heimleitung beschwert. „Aber da hieß es nur, ich könne nichts beweisen.“ Monatelang hatte Pfleger Martin L. behauptet, der Senior sei gestürzt. Doch vor Gericht konnte ihn ein Gutachter widerlegen: „Solche Verletzungen kommen nicht von einem Sturz.“ Wollte die Einrichtung den Fall etwa vertuschen? Geschäftsführerin Jasmin S. (53): „Ich sah, dass der Bewohner was am Auge hatte, aber ich dachte, er hätte sich nur gestoßen.“ Der Qualitätsmanager hatte angeblich „gar keine Verletzungen wahrgenommen“, in der Pflege waren lediglich „drei unruhige Nächte“ dokumentiert. 

Richterin Sonja Birkhofer-Hoffmann wütend: „Der Bewohner hat zwei blaue Augen - und Sie erstatten keine Anzeige. Da krieg’ ich so einen Hals!“ Laut der Einrichtung hatte kein Kollege den Vorfall beobachtet und der Lehrling galt als unbescholten. „Wir bedauern sehr, dass unseren Bewohnern durch den damaligen Auszubildenden, der erst jetzt gestanden hat, Gewalt zugefügt wurde.“ Martin L. ist mittlerweile freigestellt und erhielt ein Berufsverbot über zweieinhalb Jahre. Zudem sprach die Richterin eine Bewährungsstrafe über acht Monate aus. Einen zweiten Prügelfall gegen ihn stellte das Gericht gestern ein : Im Verdacht war Martin L. auch gestanden, einen weiteren Bewohner geschlagen zu haben.

Was die Prüfer der Münchner Heimaufsicht im Auftrag von Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD) vor einigen Monaten berichteten , sorgte oft für Aufsehen – und zuweilen auch Entsetzen.

Andreas Thieme

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