Für 15 Millionen Euro

Stadelheim bekommt Hochsicherheits-Gerichtssaal

+
Der bayerische Justizminster Winfried Bausback (CSU, l) und der Leiter der JVA Michael Stumpf betrachten die Pläne für den Hochsicherheits-Gerichtssaal.

München - Der Hochsicherheits-Gerichtssaal im Münchner Gefängnis Stadelheim nimmt Formen an. Am Mittwoch wurde Richtfest gefeiert.

„Neun Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet“, atmet Karl Huber auf. Der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichts und Oberlandesgerichts hatte bei den Politikern viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, bis er sein Lieblingsprojekt durchsetzen konnte: einen Hochsicherheits-Gerichtssaal innerhalb der Gefängnismauern von Stadelheim. Gestern war Richtfest.

In diesem Saal sollen ab 2016 Prozesse gegen Terroristen und Mitglieder der organisierten Kriminalität stattfinden. „Gefährliche Straftäter bleiben künftig hinter Gittern“, sagte Justizminister Winfried Bausback (CSU). Er nannte das 15 Millionen Euro teure Projekt eine „richtige und sinnvolle Baumaßnahme“.

Entlastet wird damit das baulich marode Strafjustizzentrum in der Nymphenburger Straße, das derzeit die Grenzen seiner Kapazität erreicht hat. Zwar bietet dieses auch nach der Fertigstellung in Stadelheim mit dem Saal A 101 immer noch den größten Gerichtssaal Münchens. Aber der neue Saal innerhalb der Knastmauern könnte bei großem Publikumsandrang mit einer Tribüne aufgestockt werden.

Besucher gelangen über ein gläsernes Gebäude in der Stettnerstraße auf der Südseite der Gefängnismauern hinein. Über einen Tunnel geht es zum Sicherheits-Check zum Foyer. Ebenfalls über einen Tunnel kommen die Gefangenen von den Zellentrakten zum Gerichtssaal, neben dem noch eine neue Sporthalle für die Häftlinge entsteht.

Parkplätze für Besucher gibt es in dem nahen Wohngebiet allerdings kaum, Und der Fußweg von der U-Bahn-Station Mangfallplatz beziehungsweise von der Tram-Haltestelle Schwanseestraße ist relativ weit.

Bilder: Neuer Gerichtssaal - Richtfest im Knast!

Bilder: Neuer Gerichtssaal - Richtfest im Knast!

Zschäpe-Prozess im Knast?

Bislang wird Beate Zschäpe jeden Tag mit gepanzerten Wagen durch die Stadt eskortiert, um in dem langwierigen Prozess um die NSU-Morde immer wieder auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Hier besteht nicht nur Fluchtgefahr – auch andere Prozesse am Land- und Amtsgericht beginnen deshalb immer wieder mit Verzögerung. Und: Auch die Verhandlungen um die Russen-Mafia brachten das Oberlandesgerichts in Sachen Sicherheitsvorkehrungen an seine Grenzen. Das soll sich mit dem Hochsicherheits-Gerichtssaal in Stadelheim nun ändern! Ab 2016 kann gegen extrem gefährliche Terroristen direkt im Gefängnis verhandelt werden.

E. Unfried

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare