Denkmal-Drama

Abriss des Uhrmacherhäusls vor Gericht - „Dieser Rechtsstreit dauert noch 10 Jahre“

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Der Eigentümer des Uhrmacherhäusls, Andreas S. (2. v. r.), erschien überraschend mit seinen Anwälten Temme, Kaltenegger und Opper (v. l.).

Rund zwei Jahre nach dem illegalen Abriss des Uhrmacherhäusl in Giesing beschäftigt sich nun das Verwaltungsgericht mit dem Fall. Das ist die gute Nachricht. Aber es gibt auch eine schlechte.

Denn: „Egal, wie das Verfahren hier ausgeht, wird es nicht zu Ende sein, sondern sich über ein Jahrzehnt hinziehen“, sagt Verwaltungsrichterin Marion Pauli-Gerz: „Da zeichnet sich noch eine ganze Latte an Prozessen ab.“

Noch immer bleibt der skandalöse Vorfall von Anfang September 2017 ohne bindende Konsequenzen. Zumindest will das Verwaltungsgericht schon am Dienstag entscheiden, ob der Eigentümer das Uhrmacherhäusl wiederaufbauen muss. Gegen die entsprechende Anordnung der Stadt wehrt sich Andreas S. mit seiner Klage.

Erstmals trat der Besitzer am Montag öffentlich in Erscheinung. Ausgebuht von den Zuschauern im Gerichtssaal, lächelte S. nur hämisch. Und streitet alle Vorwürfe ab: Er habe nur die Baufirma mit der Sanierung beauftragt. Verantwortung für den Abriss trügen der Geschäftsführer dieser Baufirma sowie der Baggerfahrer, der zwischenzeitlich sogar in die Psychiatrie nach Haar musste. Doch damit konnte S. die Vorsitzende Richterin nicht überzeugen. Sie unterstellte seiner Geschichte „einen etwas märchenhaften Charakter“ – und bezeichnete den Fall als „Denkmal-Drama“, das „so hoffentlich nie wieder in München vorkommen wird“.

Gestritten wurde vor Gericht vor allem über die Art und Weise des möglichen Wiederaufbaus. Während die Stadt angeordnet hat, das Uhrmacherhäusl in Form und Größe wiederherzustellen, zieht S. den Einfluss des Hauses als Denkmal im Ensemble der Feldmüller-Siedlung in Zweifel, weil es so weit außen stehe. Angeblich habe er nach dem Kauf im Jahr 2016 auch selbst einziehen wollen, aber das Haus sei zu klein gewesen. Mit Bescheid vom 28. Juli 2017 hatte die Stadt erlaubt, dass er das Dach neu eindeckt. Nur die Dämmung und Deckung waren geplant, eine Baugenehmigung hatte Andreas S. laut Gericht nicht erhalten. Rund einen Monat später machte ein Bagger das Haus platt.

„Seine Intention war, ein großes Haus zu bauen“

„Der illegale Abriss war Kalkül“, sagt Angelika Luible von der Bürgerinitiative HeimatGiesing. Sie glaubt: „Seine Intention 

Richterin Marion Pauli-Gerz (2. v. l.) beim Vor-Ort-Termin in Giesing.

war, ein großes Haus zu bauen.“ Das bestätigte sich am Montag indirekt: Denn Andreas S. zeigt sich für „eine maßvolle Lösung“ zwar kompromissbereit gegenüber dem Gericht. Er aber will das Haus am liebsten „in einer Linie“ mit den angrenzenden Mehrfamilienhäusern bauen – also mindestens zweistöckig. Auch mit dem Ziel, „eine Lücke zu schließen.“

Die Zuschauer im Saal brachte Andreas S. damit gegen sich auf. „Dann hat der Investor ja endlich, was er will“, riefen einige in die Verhandlung hinein, bis Richterin Pauli-Gerz für Ruhe sorgte. Sie hatte sich gestern Morgen bereits vor Ort in Giesing umgesehen, zum Augenschein-Termin am Uhrmacherhäusl, gemeinsam mit ihren Richter-Kollegen. „Gier zerstört“ ist dort noch immer auf Schildern zu lesen, die Anwohner sind aufgebracht. „Der Abriss war illegal, es geht hier um eine eiskalte Entmietung“, sagt Luible. Die Folgen des zerstörten Hauses sind für jeden sichtbar: Eine große Lücke klafft im denkmalgeschützten Ensemble.

Ende Juli 2017 hatte das Sozialreferat hier einen Leerstand überprüft: Ein Bewohner lebte zu der Zeit noch im Haus, das aber so marode war, dass „die Bewohnbarkeit nicht mit objektiv wirtschaftlichen Kriterien wiederhergestellt werden kann“. Die Renovierung wäre also extrem teuer geworden. „Da nahm der Eigentümer lieber die Zerstörung in Kauf“, glauben die Giesinger. 

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