224 Fälle!

Angst vor den Friedhofs-Räubern – Gemeiner Dieb bestiehlt zehn Jahre lang Trauernde

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Helga Bayerstadler fürchtet sich vor Dieben. Sie pflegt regelmäßig das Grab ihrer Eltern auf dem Ostfriedhof.

Zahlreiche Besucher von Münchner Friedhöfen wurden Opfer einer dreisten Betrugsmasche oder während der Grabpflege beklaut. Für einen Täter setzte es nun ein Urteil.

Mitgefühl, Skrupel, ein Funken Respekt vor Trauernden? Fehlanzeige. Betrüger nehmen meist die Schwächsten ins Visier – ein 49-jähriger Münchner machte aber nicht einmal vor dem Friedhof Halt. Mindestens 224 Mal bestahl er ältere Damen, während diese mit der Pflege von Gräbern beschäftigt waren. Am Mittwoch musste er sich vor Gericht verantworten – das Urteil: drei Jahre und drei Monate Haft für den gemeinen Dieb! 

Dieb vom Ost-Friedhof: Lebensunterhalt durch Handtaschenklau

Zehn Jahre lang schlich der Täter auf Friedhöfen im Münchner Osten herum, um Ausschau nach potentiellen Opfern zu halten. Sobald eine ältere Dame ein Grab mit frischen Blumen dekorierte, ergriff er die Gelegenheit – und ihre Handtasche. Seine Beute insgesamt: mehrere zehntausende Euro. 

Im August vergangenen Jahres fasste die Polizei den dreisten Friedhofs-Dieb. Verschiedene Videoüberwachungen zeigten, wie der Mann mit den gestohlenen EC-Karten seiner Opfer Geld abhob. Mehrere Wochen überwachten Polizisten den Ostfriedhof, um den Täter auf frischer Tat zu ertappen. Treffer am 23. August – als die Polizei einen Verdächtigen stellte, gestand der Münchner sofort, dass er seinen kompletten Lebensunterhalt durch Friedhofs-Diebstähle finanziert. Seitdem sitzt der Friedhofs-Dieb in Haft. Er ist aber nicht der Einzige. 

München: Diebe an verschieden Friedhöfen aktiv

Das Referat für Gesundheit und Umwelt warnt: „In letzter Zeit wurden Besucherinnen und Besucher in den Friedhöfen von freundlich auftretenden Menschen angesprochen“, heißt es in einem Aushang. 

Mit diesem Aushang warnt die Stadt warnt vor Trickbetrügern auf Münchner Friedhöfen.

Durch mitleiderregende Geschichten fühlten sich viele Besucher dazu genötigt, den Tätern freiwillig Geld zu geben. „Da bekommt man wirklich Angst“, sagt Helga Bayerstadler. Die 72-Jährige wohnt direkt am Ostfriedhof und geht regelmäßig dort hin, um das Grab ihrer Eltern zu pflegen. „Seitdem ich weiß, dass hier Diebe unterwegs sind, behalte ich meine Tasche immer im Blick“, meint sie. „Vorsichtig bin ich vor allem, sobald es dunkel wird. Im Winter halte ich mich deshalb schon nachmittags vom Friedhof fern.“

Kathrin Braun

Brauchen wir Scheriffs auf den Friedhöfen? Auf dem Alten Nördlichen Friedhof patroulliieren sie schon, allerdings nicht wegen etwaiger  Grabstein-Schändung durch Vandalen, die erst kürzlich einen Münchner Familienbetrieb in Angst und Schrecken versetzten. 

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