Neue Knast-Klinik

Häftlinge in Stadelheim bekommen eigenes Krankenhaus

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Zwischen Sportplatz und Werkstätten soll das neue Anstalts-Krankenhaus entstehen.

Weil immer mehr Häftlinge gesundheitliche Probleme haben, braucht die Justizvollzugsanstalt Stadelheim zusätzliche Krankenbetten. Jetzt baut der Freistaat eine neue Krankenstation im Innenhof der JVA in Giesing.

München - Die Münchner Justizvollzugsanstalt gehört zu den größten in Deutschland. 1500 Häftlinge sitzen derzeit in Stadelheim ein. „Wir sind randvoll“, erklärt JVA-Leiter Michael Stumpf. Viele kämen in einem miserablen Gesundheitszustand an. „Sie stammen oft aus wirklich schlechten Lebensumständen.“ Darunter Menschen, die sich illegal in Deutschland aufhalten, aber auch Menschen mit psychiatrischen, Drogen- oder Alkoholproblemen. „Wir haben relativ viele Gefangene, die stationär untergebracht und klinisch betreut werden müssen“, sagt Stumpf.

In der Giesinger Untersuchungs-Haftanstalt gab es schon seit jeher eine große Krankenabteilung, ganz früher hatte man sogar mal eigene Operationssäle. Derzeit gibt es etwa 70 Krankenbetten in Stadelheim – allerdings verteilt über verschiedene Abteilungen und in einem Gebäude, das in die Jahre gekommen ist. Es handelt sich um den ältesten Teil der Anstalt, der 1894 erbaut wurde und schon lange auf einen modernen Stand gebracht werden soll. Nun hat sich der Freistaat entschlossen, eine komplett neue Krankenabteilung zu bauen. Im Innenhof der Justizvollzugsanstalt gibt es im Anschluss an die Werkhalle beim Fußballplatz noch ein freies Areal. Dort soll ein dreigeschossiger Neubau platziert werden. „Nicht höher als unsere anderen Gebäude“, betont Stumpf. Von außen bekomme man die künftige Krankenstation also nicht zu sehen. Im März 2020 sollen die Bauarbeiten beginnen. Im zweiten Bauabschnitt soll zudem der Altbau mit den Zellen generalsaniert werden. Beim zuständigen Staatlichen Bauamt München rechnet man mit einer Fertigstellung im Dezember 2023. Die Kosten sind noch unklar.

Hinter den Gefängnismauern von Stadelheim werden Häftlinge auch medizinisch versorgt.

„Bauen hinter Gittern ist immer ein bisschen schwieriger“, weiß JVA-Chef Michael Stumpf noch von der letzten Großbaustelle. Zwischen 2013 und 2016 war ein Hochsicherheitsgerichtssaal im Innenhof eingebaut worden. Auch diesmal will man den Baustellen-Bereich im Hof wieder abriegeln. Trotzdem kann nicht jede Baufirma einfach so hereingelassen werden, und das Wachpersonal wird Lieferungen und Bauarbeiter penibel kontrollieren.

Im Neubau sollen insgesamt 101 Krankenbetten unterkommen, dazu Behandlungszimmer und Nebenräume. „Die Türen etwas stabiler, die Fenster vergittert, aber sonst sieht es eigentlich aus wie ein Pflegeheim draußen“, beschreibt Stumpf. Die Planung sei eine spannende Aufgabe. Schließlich müssten die medizinischen Auflagen mit den Vollzugsbedingungen unter einen Hut gebracht werden, denn letztendlich sind es eben doch Hafträume. „Ich werde plötzlich mit Vorschriften beispielsweise zu Hygiene und Belüftungen konfrontiert, mit denen wir bisher so nichts zu tun hatten“, erzählt der JVA-Chef. Deshalb wurde extra ein medizinischer Fachplaner hinzugezogen. 

„Auch Alte und Kranke sind nicht vor der Strafverfolgung gefeit“

Dabei wird auch diskutiert, welche Türen innerhalb einer Station offen stehen können, wo Pflegepersonal oder uniformierte Beamte im Einsatz sind und vieles mehr. Die neue Krankenabteilung sei durchaus groß, gibt Stumpf zu. Es sei aber nötig, um auch in Zukunft für alle Fälle gerüstet zu sein. „Neben der Behandlung von ganz alltäglichen Krankheiten brauchen wir Betten für die Häftlinge im Entzug, für postoperative Nachsorgung.“ Man habe Gefangene, die unter multiresistenten Keimen litten und genauso getrennt werden müssten wie Insassen, die wegen Krebsbehandlungen besonderen Schutz brauchen. Eine Infektionsabteilung werde ebenso benötigt wie Pflegebetten zum Beispiel für Rollstuhlfahrer oder sehr alte Gefängnisinsassen. „Wir haben derzeit rund zehn Männer und Frauen im Haus, die älter als 70 Jahre sind“, berichtet Stumpf. Kriegsverbrecher John Demjanjuk war sogar schon 89 Jahre alt, als er während seines Prozesses in Stadelheim untergebracht war. „Auch Alte und Kranke sind nicht vor der Strafverfolgung gefeit“, sagt Michael Stumpf. Ein eigenes „Altersheim“ wird es in München aber sicher nicht geben.

Lesen Sie auch: Alarm in Stadelheim: Brandgeruch im Gefängnis
Und: Beate Zschäpe bald raus aus Stadelheim Außerdem: Ein Streit in der Justizvollzugsanstalt in Bernau am Chiemsee hat ein tödliches Ende genommen. Ein Häftling wurde beim Hofgang niedergeschlagen und starb.

Carmen Ick-Dietl

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