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Er wohnt neben Handymasten

Peter M.: Strahlen haben mich krank gemacht

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Peter M. leidet an zwei extrem seltenen Krankheiten. Für ihn ist klar, was sie mitausgelöst hat.

München - Er leidet an zwei extrem seltenen Krankheiten. Der Münchner Peter M. ist sich sicher: Die Strahlung des Mobilfunkmastens in seiner Straße hat sie mitausgelöst.

Der Handymast in seiner Straße habe ihn krank gemacht: Davon ist Peter M. (53) überzeugt. 

Seit 20 Jahren wohnt er in der Schwarzenbacher Straße (Fasangarten). „Vor etwa acht Jahren wurde der Mast angebracht.“ Vor drei Jahren wird Peter M. schwer krank. Die Ärzte stellen eine Aplastische Anämie fest. Eine extrem seltene Knochenmarkerkankung, bei der das Immunsystem gegen die Stammzellen des eigenen Körpers kämpft.

Peter M. erholt sich zunächst. Doch Mitte diesen Jahres diagnostizieren die Ärzte bei ihm eine weitere seltene Krankheit: PNH (paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie). Durch sie können lebensbedrohliche Thrombosen entstehen. „Ich werde es nie beweisen können, aber ich glaube, dass die Strahlen ein Mitauslöser meiner Krankheiten sind“, sagt der 53-Jährige. 

Mobilfunk-Strahlung spaltet seit 20 Jahren die Gemüter. Eine Studie der TU Ilmenau hat vor Kurzem untersucht, wie verstrahlt München ist. Das Ergebnis: die gemessenen Werte lagen deutlich unter den geltenden Grenzwerten. 

Christian E. maß die Strahlen mit einem Spezialgerät.

Auch Peter M. hat die Strahlung in seiner Wohnung mit seinem Bekannten Christian E. (45) untersucht. Durch eine strahlenabschirmende Farbe und einen speziellen Vorhang hat er sie von rund 1800 Mikrowatt pro Quadratmeter auf etwa 18 Mikrowatt pro Quadratmeter reduziert. Doch: Auch ursprünglich war die Strahlung weit von den geltenden Grenzwerten entfernt. 

Peter M. hat von seinem Fenster aus den direkten Blick auf den Mobilfunkmasten.

Bei der Grenzwertbildung sei jedoch ein mögliches Langzeitrisiko überhaupt nicht berücksichtigt, sagt Baubiologe Dietrich Moldan, ein Mobilfunk-Kritiker. „Durch Strahlungsdichten, wie in diesem Fall gemessen, können durchaus biologische Effekte beim Menschen auftreten.“ Vor allem Menschen, bei denen das Immunsystem geschwächt sei, könnten anfällig sein. 

Darüber streiten sich Experten. Ein direkter Wirkzusammenhang von Handystrahlen auf den Körper wurde bislang nicht nachgewiesen. 

Bei der Aplastischen Anämie und PNH wird das Immunsystem meist durch etwas gereizt, so der Onkologe Doktor Jens Panse von der Uniklinik Aachen. Dass die Strahlung eines Handymastens die Krankheiten ausgelöst hat, hält er für unwahrscheinlich. „Auszuschließen ist es aber nicht“, so Panse.

„Wir sind durch unsere zunehmend technischere Umwelt immer mehr Dingen ausgesetzt, deren Effekte wir noch nicht sicher beurteilen können .“ 

Peter M. will nichts mehr dem Zufall überlassen: Er hat sich entschlossen, aus seiner Wohnung auszuziehen. 

Das sagt das Umweltreferat 

Um einen Handymasten aufstellen zu dürfen, bedarf es einer Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur, sagt der Sprecher des städtischen Umweltreferats. 

Die Bundesnetzagentur verweist auf aktuelle Messergebnisse in der Schwarzenbacher Straße: Im Sommer 2014 etwa wurden die Grenzwerte zu weniger als 0,3 Prozent ausgeschöpft, die Strahlung als sehr niedrig eingestuft.

Die Mast-Betreiber sind O2 und Vodafone. Beide verweisen auf die Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur. Die Frage nach dem Schutz durch die Grenzwerte werde durch Forschungen geprüft, die kurzfristige und langfristige Effekte untersuchen, so ein O2-Sprecher.

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