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Münchner Kindl vom Fass

München bekommt eine neue Brauerei

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Eine Basilika des Bieres: Ein markanter Backsteinbau soll die Münchner-Kindl-Brauerei in Giesing beherbergen.

München bekommt eine neue Brauerei. Am Rande der ehemaligen Ami-Siedlung in Giesing will der Traunsteiner Gastronom Dietrich Sailer den früheren Münchner Kindl-Bräu wiederauferstehen lassen.

Giesing - Neben Bier soll es auch Drive-in-Besichtigungen geben. Früher stand hier mal die Tankstelle der McGraw-Kaserne, heute ist es ein Abstellplatz für Lkw und Schrottfahrzeuge – künftig soll eine Brauerei dort stehen. An der Tegernseer Landstraße 337, direkt neben dem Autobahnende in Giesing, will der Unternehmer Dietrich Sailer (60) eine neue Münchner Brauerei errichten. Mit der geplanten Produktion von 10 000 Hektolitern läge er knapp unter der Größe des Giesinger Bräu.

Eine „schöne Brauerei“ soll es werden, das ist Sailer ein großes Anliegen. Geplant ist ein dreischiffiges Basilika-Gebäude mit einer erhöhten Fensterzone im Mittelschiff. Backsteinfassade und große Fenster erinnern an die typische Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts. Der Entwurf stammt vom Münchner Architekturbüro Goergens Miklautz. Gert Goergens war früher Stadtheimatpfleger von München. Sailer setzt ganz auf Tradition. Er möchte sein Bier in Kupfersudkesseln und mit einer offenen Gärung brauen. „Das wird der Marke einfach mehr gerecht.“

Auch fürs Auge: „Wir legen Wert auf Brauerei-Besichtigungen“

Zudem soll die neue Brauerei auch was fürs Auge werden. „Wir legen Wert auf Brauerei-Besichtigungen.“ Die sollen täglich möglich sein. Zusätzlich zu klassischen Führungen mit Verkostung stellt sich Sailer vor, dass die Besucher während der Betriebszeiten auch mit dem Bier in der Hand auf einer eigenen Ebene umherwandeln können. Zudem plant er Drive-in-Besichtigungen. „Sie können dann die Brauerei vom Auto aus anschauen.“ Über W-Lan oder Lichtschranken sollen an den einzelnen Stationen Einblicke ins Brauwesen eröffnet werden. „Am besten wäre es, wenn am Ende der Kofferraum aufginge und ein Roboter die Bierkästen ins Auto hievt, bevor es an die Kasse geht“, fantasiert Sailer lachend.

Noch lieber wäre ihm jedoch, wenn die Leute aussteigen. Dann können sie nicht nur die Brauerei, sondern auch den geplanten Hopfengarten, die Wildbienen-Weide und die Eisgalgen erleben, an denen dargestellt wird, wie früher Kühleis entstand. Oder im Schalander das frisch gebraute Münchner-Kindl-Bier trinken.

„Bier im Blut“: Der Unternehmer Dietrich Sailer will in München brauen.

Auf der Karte sollen Dunkles, Bockbiere und Märzen stehen, sowie „ein traditionelles Münchner Hell, nur untergärig, aber kein Weißbier“, kündigt Dietrich Sailer an. Dazu werden typische Münchner Brotzeiten wie die Original Münchner Weißwurst angeboten, die hier hausgemacht werden sollen. Eine größere Wirtschaft steht aktuell nicht im Konzept. „Was Kleines und Feines passt besser dazu.“ „So eine Brauerei zu bauen, ist eine Lebensaufgabe“, sagt Dietrich Sailer. Seine Familie habe „Bier im Blut“, er ist Brauer in der fünften Generation.

Die Marke „Münchner Kindl-Bräu“ hat sich der Unternehmer übrigens von Löwenbräu gesichert, bevor sie ganz gelöscht worden wäre. Sie ist ein Stück Stadtgeschichte. Am Rosenheimer Berg, wo heute das Motorama steht, befand sich einst der gleichnamige Bierkeller mit Biergarten und Saal für 5000 Gäste. Auf dem Emblem sieht man eine Nachahmung der berühmten Schützenliesl von Maler Friedrich August von Kaulbach. Modell stand ihm seinerzeit Coletta Möritz, Biermadl im Sterneckerbräu im Tal. Mit ihrem offenherzigen Dekolleté wurde sie zum ersten bayerischen Pin-up-Girl und war bereits Werbeikone der 1880 gegründeten ersten Münchner-Kindl-Brauerei.

Bayerns erstes Pin-up-Girl: Schützenliesl Coletta Möritz auf dem Brauerei-Emblem.

Das Areal an der Giesinger Stadtgrenze sei der optimale Standort, erklärt Sailer. Insgesamt 42 Grundstücke habe er untersucht, bevor er im vergangenen Herbst endlich fündig wurde. „Auf dem Weg von Süden in die Hauptstadt des Bieres wird es das erste große Gebäude, das man wahrnimmt.“ Das Einzige, was jetzt noch fehlt, sind die entsprechenden Genehmigungen. Dafür muss die Stadt zunächst einen Bebauungsplan aufstellen und den Flächennutzungsplan ändern. Ist alles rechtskräftig, will Dietrich Sailer zwölf Monate später seine Brauerei eröffnen.

Im Bezirk ist man begeistert und unterstützt die Pläne. „Es ist fast so, als ob Giesing der Stadtteil ist, der der Münchner Bierkultur wieder Ehre erweist“, hieß es bei der Präsentation im Bezirksausschuss. „Hier geht es auch um ein Stück Biergeschichte.“

Carmen Ick-Dietl

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Giesing – mein Viertel“.

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