"Lacrima"-Zentrum der Johanniter

Neues Trauer-Zentrum für Münchner Kinder

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Diakon Tobias Rilling (l.) und Architekt Jochen Friker mit Benjis Bild Foto: Kurzendörfer

München - Kinder gehen anders mit dem Verlust eines Familienmitglieds um als Erwachsene. Die Johanniter wollen ihnen bei ihrer Trauer helfen - mit einem neuen Zentrum in Obergiesing.

Mit roter und blauer Farbe hat Benji (10) das Blatt so lange bekritzelt, bis es schon ganz weich war. Dann hat er es zerknüllt und ist darauf herumgetrampelt. Benji hat seinen Vater verloren: Er hat sich von einem Hoteldach gestürzt. Sein Onkel hat sich erschossen. 

„Dieser aufgestaute Frust muss aus den Kindern raus“, sagt Diakon Tobias Rilling. Und genau für solche Buben und Mädchen wie Benji haben die Johanniter jetzt unter seiner Leitung ein Zentrum für trauernde Kinder in Obergiesing geschaffen. 

„Lacrima“, die Träne, heißt es. Und bringt die seit 2002 bestehende Johanniter-Trauerbegleitung für Kinder räumlich unter ein Dach. 

Beim Malen im „Kreativraum“ oder Boxen im „Toberaum“ lernen die Kinder, mit ihrem Verlust zu leben. „In den Familien wird die Trauer oft tabuisiert“, sagt Rilling. Deswegen kümmern sich die 56 Ehrenamtlichen des Zentrums auch um die Eltern. 

Mit dabei: Christina Schindler aus Ottenbrunn. Bei ihrer Arbeit besonders berührt hat sie eine 14-Jährige aus Ghana. Der Vater war auf dem Weg nach Deutschland verschwunden, die Mutter kurz nach der Ankunft gestorben. „Irgendwann hat sie erzählt, wie wütend sie ist, dass sie jetzt ganz alleine ist.“

In eine ehemalige Arztpraxis ist das neue Zentrum eingezogen - Architekt Jochen Friker hat sie kindertauglich umgebaut. Finanziert von einer Münchner Familienstiftung. Sie vermietet die Räume günstig an die Johanniter. 

Noch sind die Zimmer im Rohbau. Anfang 2016 soll es richtig losgehen. Um alle Pläne umsetzen zu können, hoffen die Johanniter noch auf Spenden und Firmen, die Patenschaften für Räume übernehmen  (Mehr Infos hier). 

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