Vom Schimmel in die Traufe

Streit ums Geld – fliegt die Familie jetzt raus?

+
Die Töchter Aylin und Selinay zeigen eine Schimmel-Stelle.

München - Der Ärger wird immer ärger! Was mit Schimmel in der Zimmerecke begann, gipfelt bei Familie Basal mittlerweile in Angst vor der Obdachlosigkeit!

Songul (39) und Murat Basal (41) müssen mit ihren zwei Töchter Selinay (8) und Aylin (6) vielleicht bald raus aus ihrer Zweizimmer-Wohnung am Karl-Preis-Platz in Giesing (60 Quadratmeter, 670 Euro warm).

In diesem Haus in Giesing lebt die Familie Basal.

Die Basals sitzen in einem Riesenschlamassel, das Murat selber nicht mehr genau überblickt. Auf die Gewofag, seine Vermieterin, ist der 41-jährige Autohändler nicht gut zu sprechen. Zu viele Missverständnisse gab es aus seiner Sicht in den vergangenen zehn Jahren. Vor allem wegen eines Schimmelproblems. Wegen Rückständen bei der Miete und den Nebenkosten hat die Gewofag Ende Mai einen Gerichtsprozess gegen ihn gewonnen und ihn danach wegen immer noch ausstehender Beträge fristlos gekündigt. Daraufhin bezahlte Murat Basal ausstehende 1200 Euro an die Gewofag. Da aber noch ein Betrag von 30,28 Euro aussteht und die Gewofag außerdem Gerichtskosten und Kosten des Gerichtsvollziehers in Höhe von 440 Euro erwartet, sehe sie vorerst keinen Anlass, die Kündigung zurückzunehmen, sagte Konzernsprecher Peter Scheifele der tz. „Solange noch Rückstände aus dem Mietverhältnis bestehen, behält auch die Kündigung ihre Wirksamkeit.“

Dass er und seine Familie bald auf der Straße stehen könnten und dass die Gewofag im Recht ist, kann Murat Basal nicht verstehen – schließlich kämpft er seit Jahren mit Schimmel und empfindet die Summe von 30,28 Euro als Witz. Regelmäßig habe die Gewofag bei ihm Schimmel beseitigt, der sei aber immer kurz darauf wiedergekommen. „Das Problem liegt am Haus“, sagt er.

Papa Murat und Mama Songul mit ihren Töchtern im Wohnzimmer.

Das sieht die Gewofag anders. Das Gebäude aus den 1950er-Jahren verfügt über eine Zentralheizung und hat isolierte Fenster, sagt der Sprecher, und weiter: „In diesem Haus sind uns keine weiteren Schimmelprobleme bekannt.“ Zudem sei es nur sehr schwer beziehungsweise gar nicht möglich gewesen, mit den Basals nach deren Schimmelmeldungen Termine zu vereinbaren. Die Ursache für die Schimmelbildung sieht die Gewofag in nicht ausreichender Lüftung. Murat Basal sieht das wiederum als „Schmarrn“.

Er hofft auf eine größere Wohnung und hat einen entsprechenden Antrag beim Wohnungsamt gestellt. Die Gewofag sagt, ihr liege kein Antrag auf Umsetzung vor. Einen solchen werde sie prüfen, wenn Basal ihn einreicht – allerdings nur, wenn die Mietrückstände vollständig ausgeglichen werden. „Um eine größere Wohnung zu bekommen, müsste Murat Basal sich an das Amt für Wohnen und Migration zur Erlangung einer höheren Rangstufe beim Wohnberechtigungsschein wenden“, erklärt der Gewofag-Sprecher.

Mietrechtsspezialistin Anja Franz rät Basal dringend, sich mit der Gewofag in Verbindung zu setzen und die Rückstände vollständig zu bezahlen, damit die Gewofag die Kündigung wie angekündigt zurücknimmt. „Das ist wichtig, sonst kann es sein, dass die Familie bald auf der Straße steht.“ Zudem rät sie Basal, sich bei Fachleuten Rat und Hilfe in Sachen Mietrecht zu holen. „Der Mieterverein oder die kostenlose Mieterberatung der Stadt München können helfen, Fehler in Zukunft zu vermeiden“, sagt Franz. Zum Beispiel hätte Basal die Miete wegen des Schimmels nur unter Vorbehalt zahlen und den Minderungsbetrag dann vor Gericht einklagen sollen. Da er aber einfach Beträge schuldig blieb, ist das Recht nun auf Seiten der Gewofag.

Susanne Sasse

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit

Kommentare