tz-Stadtteil-Check: Note 2,82

Obergiesing-Fasangarten: Wird die Zukunft grüner?

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Ismail Sahin vom multikulturellen Jugendzentrum an der Westendstraße.

München - In einer Serie stellt die tz die Ergebnisse des großen Stadtteil-Checks vor. Diesmal sind wir in Obergiesing-Fasangarten. Dort gab es von den Bürgern die Gesamtnote 2,82.

Wo wohnen die glücklichsten Münchner? Wie beurteilen die Bürger das Angebot für Kultur, Kinder und Senioren? Wie sauber finden sie ihr Viertel – und wie sicher fühlen sie sich dort? Die tz wollte dies und noch viel mehr im größten Stadtteil-Check Münchens wissen. 7000 Leser haben daran teilgenommen und Noten in 23 Kategorien vergeben. Ausgewertet hat sie der Lehrstuhl für Humangeographie und Geoinformatik an der Uni Augsburg. Die Studenten haben ihre Ergebnisse dann auch in den einzelnen Vierteln bei Recherchen und Umfragen in der Praxis überprüft. In einer Serie für alle 25 Stadtviertel stellt die tz jetzt die Ergebnisse vor. Diesmal sind wir unterwegs in Obergiesing-Fasangarten. Dort gab es von den Bürgern die Gesamtnote von 2,82.

Fakten

Obergiesing-Fasangarten

Fläche in Hektar: 571,46

Einwohnerzahl: 51 183

Anteil der Kinder (unter 15 Jahre): 5635

Anteil der Senioren: 8048

Gründungsjahr: 790

Jahr der Eingemeindung nach München: 1854

Grünfläche in Hektar: 24,31

Anzahl der Krippenplätze: 164

Anzahl der Kindergartenplätze: 999

Anzahl der Schulen: 11

Obergiesing-Fasangarten hat zwar den „Garten“ im Namen – trotzdem fehlt vielen Bewohnern das Grün im Viertel. Auch in den meisten anderen Kategorien unseres Stadtteil-Checks hat der Bezirk nicht besonders gut abgeschnitten. Ergebnis ist dann eine Gesamtnote von 2,82: der vorletze Platz unter 25 Vierteln. Wirklich gute Ergebnisse gab’s in keiner einzigen Kategorie, dafür aber viele Ausreißer nach unten. Sauberkeit, Umweltqualität, Vereinsleben, Freizeitangebot und Familienfreundlichkeit liegen im hinteren Drittel, viertletzter Platz bei Lärmschutz, Jugendangebot und Kinderbetreuung, drittletzter bei den Grünflächen, vorletzter beim Seniorenangebot und letzter beim Sportangebot.

Wird die Zukunft grüner?

Der Verein Green City hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Grün ins Viertel zu bringen. Die Initiative sucht engagierte Bürger, die eine Patenschaft für trostlose Grünflächen übernehmen. „Das sichert die Pflege und nachhaltige Bepflanzung der Flächen“, sagt Chefguerilla Sébastien Godon. Green City plant die Bepflanzung und hilft den Paten bei den Arbeiten. Die Stadtgärtnerei stellt die Pflanzen zur Verfügung. Auch das Aktionsprogramm Soziale Stadt Giesing möchte das Leben im Stadtteil verbessern. Der Weißenseepark wurde bereits neu gestaltet. Eine große Kletterlandschaft aus Holz, eine Spielinsel und ungewöhnliche Sitzmöglichkeiten machen den Park zum Schmuckstück des Viertels. Für ein wenig Grün sorgt auch der Kleingartenverein Südost 59. „Kleingärten sind ein Ort der Ruhe und Entspannung. Gerade in Gebieten, in denen es an öffentlichen Grünflächen mangelt, sind sie gefragt“, sagt die Vorsitzende Brigitte Schermer.

Dicht bebaut

Ich wohne seit 2009 in Obergiesing und schätze hier besonders die ruhige, aber dennoch zentrale Lage. Die Infrastruktur ist in allen Bereichen super ausgebaut, von den Kneipen bis hin zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Leider sind aber sehr viele Flächen dicht bebaut oder versiegelt.

Kirsten Schmidt (34), Kundenberaterin

Mein Stadtteil-Tipp: In meiner Lieblings-Eisdiele Riviera an der Tegernseer Landstraße bekommt man das allerbeste Eis.

Stadt hat schon viel investiert

Die gute Verkehrsanbindung in Giesing ist sehr praktisch. Seit 47 Jahren lebe ich im Stadtteil. Besonders gelungen finde ich die Aufwertung der öffentlichen Grünanlagen. Da hat die Stadt viel investiert. Leider beeinflussen die Sozialbauten und der hohe Ausländeranteil das Viertel.

Johann Kobold (82), Rentner

Mein Stadtteil-Tipp: Der Schinken-Peter in der Perlacher Straße. Dort gefällt mir vor ­allem der Live-Gesang im Wirtsgarten.

In zehn Minuten im Zentrum

Obergiesing ist ein sehr lebendiger Stadtteil. Das Zentrum erreiche ich in nur zehn Minuten. Seit vier Jahren lebe ich im Viertel und halte mich in meiner Freizeit besonders gern in den Parks und Grünanlagen auf. Wie in ganz München sind auch hier in Giesing die Wohnungen sehr knapp.

Mario Sestan (44), Geschäftsführer

Mein Stadtteil-Tipp: Ich liebe die ausländische Küche, entweder beim Griechen Mystikon am Walchenseeplatz oder im Heimgarten in der Heimgartenstraße 23.

Das Leben wird anonymer

Der Stadtteil ist ruhig und relativ grün – das finde ich wirklich schön an Giesing. Seit 1972 wohne ich hier und muss ­sagen, dass das Leben hier immer anonymer wird. Besonders älteren Menschen fällt es schwer, in Kontakt zu bleiben, weil es in Giesing kaum Angebote für Senioren gibt.

Regina König (83), Rentnerin

Mein Stadtteil-Tipp: Mit meinen Bekannten esse ich gern im Schinken-Peter in der Perlacher Straße. Auch deren Kinder fühlen sich dort richtig wohl.

Die bisherigen Teile:

Schwanthalerhöhe: Das pure München

Untergiesing-Harlaching: Wo der Fußball wohnt

Milbertshofen-Am Hart: Licht und Schatten

Laim: Münchens grüner Garten

Berg am Laim: Das Schlusslicht

Moosach: Die Idylle in der Großstadt

Au-Haidhausen: Das Dorf im Zentrum

Trudering-Riem: Mix aus Stadt und Land

Schwabing-West: Besser ist's nirgends

Pasing-Obermenzing: Tradition trifft Moderne

Ramersdorf-Perlach: Besser als der Ruf

Neuhausen-Nymphenburg: Paradies für Jung & Alt

Bogenhausen: Sauber, sicher, schick

Sendling: Günstig und gemütlich

Ludwigvorstadt-Isarvorstadt: Wo der Luxus wohnt

Aubing-Lochhausen-Langwied: Die Oase der Ruhe

Maxvorstadt: Die Kultur-Hochburg

Untergiesing-Harlaching: Wo der Fußball wohnt

Altstadt-Lehel: Das Herz Münchens

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