Ist das herzlos oder gerecht?

Vermieter droht einem Tierfreund: Hunde weg – oder er fliegt raus

+
Hans-Georg Mertins mit seinen geliebten Hunden Lennox (r.) und Jane. Jahrelang störte sich kein Nachbar an den ­Tieren. Doch nun ­fordert der Ver­mieter, dass der 61-­Jährige die beiden ­Hunde weggibt. ­Andernfalls droht er mit Kündigung der Wohnung an der ­Tegernseer Land­straße.

Der 61-Jährige ist verzweifelt: Er muss seine geliebten Vierbeiner weggeben oder ihm droht die Kündigung. Hat er als Mieter überhaupt eine Wahl, kann er sich wehren?    

München - Seine Hunde sind sein Ein und Alles. Seit zehn Jahren geht Hans-Georg Mertins mit dem Border Collie Lennox durchs Leben. Vor fünf Jahren kam Mischlingshündin Jane als treue Begleiterin hinzu. Doch nun hat ihn sein Vermieter vor die Wahl gestellt: entweder die Hunde oder die Wohnung. 

Seit 37 Jahren wohnt Hans-Georg Mertins in der Zwei-Zimmer-Wohnung an der Tegernseer Landstraße. Nie hat sich jemand an seinen vierbeinigen Mitbewohnern gestört. Der 61-Jährige hat ein Herz für alle Tiere. Und so kümmerte er sich zeitweilig auch um die Hunde von erkrankten Bekannten. „Ich bin mit ihnen Gassi gegangen und habe sie tagsüber gehütet“, sagt Mertins. „Aber niemals hat ein fremder Hund hier bei mir in der Wohnung übernachtet.“

Vermieter erhebt schwere Vorwürfe

Sein Vermieter hingegen behauptet in einem Schreiben, Mertins habe bis zu 20 Hunde beherbergt. Nun solle der Frührentner alle Hunde aus seiner Wohnung „umgehend entfernen“. Weiter heißt es: „Sollte dies nicht geschehen, werden wir die Behörden einschalten und Ihnen das Mietverhältnis kündigen.“ 

Hunde weggeben oder aus der Wohnung fliegen - dieses Dilemma bricht Hans-Georg Mertins das Herz. „Als ich Lennox bekommen habe, war er gerade 18 Monate alt. Jane habe ich von einer Bekannten übernommen, die an Krebs starb. Ich kann sie doch nicht einfach so im Tierheim abgeben!“ 

Das sagt die Hausverwaltung

Die Hausverwaltung wies Mertins darauf hin, dass Hunde gemäß dem Mietvertrag nur nach schriftlicher Genehmigung des Vermieters erlaubt seien. Eine solche Erlaubnis hat der 61-Jährige nicht. „Aber in all den Jahren hat niemand nach einer Genehmigung gefragt“, sagt Mertins. Außerdem gebe es im Haus andere Hundehalter, die ebenfalls keine schriftlichen Genehmigungen haben. Acht Nachbarn bestätigen Mertins sogar per Unterschrift, dass sie sich durch seine Hunde nicht gestört fühlen. 

Nun hat sich Mertins eine Anwältin genommen. Zuspruch bekommt er von Anja Franz vom Mieterverein München: „Es kann nicht sein, dass Herr Mertins plötzlich keinen Hund mehr halten darf, obwohl er das seit zehn Jahren macht.“ Nach Ansicht der Mietrechtsexpertin ist die Tierhaltungsklausel des Mietvertrags nicht wirksam.  „Der Vermieter muss abwägen, ob die Hundehaltung vertragsgemäß ist. Dabei muss er aber alle Hundehalter im Haus gleich behandeln.“ 

Auf Anfrage der tz wollte die Hausverwaltung keine Stellungnahme abgeben. Hans-Georg Mertins lebt also weiter in Angst - in der Angst, entweder seine Wohnung oder die geliebten Hunde zu verlieren. 

Tiere im Haus: Das sind die fünf Regeln

  1. Die erste Frage muss sein: Was steht im Mietvertrag? Wenn er die Tierhaltung erlaubt, darf der Mieter übliche Tiere wie Hunde, Katzen, Hasen halten. Ungewöhnliche Haustiere wie Würgeschlangen allerdings nicht.
  2. Verbietet der Vermieter im Mietvertrag generell die Haltung von Tieren, ist dies unwirksam. Auch eine Klausel, in der generell die Zustimmung des Vermieters zur Tierhaltung verlangt wird, ist unwirksam, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz. In diesen Fällen kommt es dann darauf an, ob die vom Mieter ­geplante Tierhaltung zum vertragsgemäßen Gebrauch der Mietwohnung gehört oder nicht. So verhält es sich auch, wenn im Mietvertrag in Bezug auf Tierhaltung nichts geregelt ist.
  3. Kleintiere wie Hamster, Schildkröten, Fische und gewöhnliche Ziervögel dürfen auf jeden Fall gehalten werden. Bei Hunden und Katzen ist die Antwort nicht so einfach. Ob ihre Haltung vertragsgemäß ist, lässt sich nur im Einzelfall unter Abwägung der Interessen der Beteiligten ­beantworten. Hier spielt vieles eine Rolle, zum Beispiel Art, Größe, Verhalten und Anzahl der Tiere. Ebenso die Beschaffenheit der Wohnung, ihre Größe, die berechtigten Interessen der Nachbarn und die persönlichen Verhältnisse des Mieters wie etwa sein Alter und die Anzahl von anderen Tieren im Haus.
  4. Der Vermieter muss also abwägen. Er ist beispielsweise nicht verpflichtet, das Halten eines Kampfhundes oder eines Rottweilers zu erlauben. Bei der Haltung eines Schäferhunds kommt es auf die Wohnverhältnisse an: Bei einem Einfamilienhaus mit großem Garten dürfte das kein Problem sein, bei einer Ein-Zimmer-Wohnung hingegen schon. Bei einem Einfamilienhaus ist Hundehaltung vertragsgemäß, nicht aber in einem Mehrfamilienhaus. Halten in einem Haus mehrere Parteien eine Katze oder einen Hund, darf der Vermieter das nicht einfach einem Mieter verbieten – das verstößt gegen das Willkürverbot.
  5. Werden mehrere Hunde gehalten, kommt es auf deren Größe und die ­Größe der Wohnung an. Das Amtsgericht München hat ­kürzlich entschieden, dass zwei Hunde für eine Zweizimmerwohnung zu viel seien, nur ein Hund sei ­vertragsgemäß (Aktenzeichen 424 C 28654/13). Aber wie alle Amts­gerichtsurteile ist das nur eine Einzelfallentscheidung, ein ­anderer Richter kann das ganz anders sehen.

Susanne Sasse

Lesen Sie auch: Münchnerin (76) fleht: "Bitte lasst mir meinen Snoopy"!

Ein schockierende Fall wurde vor Kurzem vor dem Amtsgericht in München verhandelt. Mit einer Säure soll der Mieter ihre Hündin verletzt haben.  

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen

Welches ist Ihr Münchner Viertel? Sendling? Ramersdorf? Moosach? Das Westend? Wir haben Facebook-Seiten gegründet, auf denen wir alles Wichtige, Aufregende und Schöne und Ihre Liebe zu diesem einen Viertel mit Ihnen teilen. Hier entlang zur Liste.


Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Nachbarn klagen über unangenehmen Mieter - doch immer, wenn es in seiner Wohnung brennt, retten sie ihn
Nachbarn klagen über unangenehmen Mieter - doch immer, wenn es in seiner Wohnung brennt, retten sie ihn
Feuerwehr rückt zu Brand in Laim aus - und macht schrecklichen Fund
Feuerwehr rückt zu Brand in Laim aus - und macht schrecklichen Fund
„Hans im Glück“-Fans müssen sich auf Neuerung einstellen - dieses Produkt gibt es ab sofort nicht mehr
„Hans im Glück“-Fans müssen sich auf Neuerung einstellen - dieses Produkt gibt es ab sofort nicht mehr

Kommentare