Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich Obergiesing

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Florian Falterer zog vor über 15 Jahren nach Giesing. 

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - Dass durch unsere Stadt ein Fluss fließt, ist ein großes Glück für alle Münchner. Besonders für die, die direkt an der Isar wohnen – wie die Anrainer des östlichen Isarufers. Doch die Lage birgt auch Nachteile: Dagibt‘s Lärm und Grillrauch, die den Bewohnern das Leben schwer machen. Und in Harlaching kämpfen die Menschen gegen die massive Bebauung. Die Liebe zum Stadtteil verbindet. Auch in Giesing, wo sich viele über die Rückkehr der Sechzger freuen. Den Löwen wurde auch ein Part in einem neuen Buch über die „Tela“ gewidmet. Auch ein Giesinger Projekt. Sie sehen, liebe Leser, der Osten ist voll im Fluss. Wo neue Ideen entstehen und alte bewahrt werden, lesen Sie hier.

Sie bewahrt das Viertel ihrer Kindheit

Wenn Ulrike Grammel über Giesing spricht, leuchten ihre Augen. „Giesing ist voll da“, sagt die 58-Jährige. Ihr ganzen Leben wohnt die Archivarin in Giesing – erst an der Grünwalder Straße, schräg gegenüber vom Sechzger-Stadion. „Mein Vater und seine Freunde haben jedes Spiel vom Wohnzimmer aus angeschaut. Als man die Ostmauer erhöht hat, damit die Bälle nicht mehr auf die Grünwalder fliegen, schauten sie vom Speicher aus.“

1983 zog Grammel mit ihrer Familie nach Obergiesing nahe der Tegernseer Landstraße ins Haus ihrer Oma. Dort wohnt sie bis heute. „Als wir hergezogen sind, war es eher ein verschlafener Stadtteil. Aber in den letzten Jahre hat sich wahnsinnig viel getan.“ Künstler, Kulturschaffende und junge Kreative haben sich niedergelassen. So wie jüngst das Zwischennutzungsprojekt „Flozweistern“ in der alten Bibliothek an der St.-Martin-Straße und das „WatzART“: eine Zwischennutzung an der Watzmannstraße mit Biergarten, Konzerten und Graffitikunst.

Wo die Künstler im Sommer waren, entstehen jetzt Wohnungen. Der Bauboom hat auch Giesing fest im Griff – jüngstes trauriges Beispiel: der Abriss der Uhrmacherhäusls in der Feldmüllersiedlung (Seite 3).

Dass sie das Giesing ihrer Kindheit nicht bewahren kann, ist Grammel klar. Aber gemeinsam mit ihren Mitstreitern, Ilona und Florian Schanz, hat sie es für immer festgehalten: in einem Stadtteilbuch über die Tegernseer Landstraße im Wandel der Zeit. Entstanden sei das Buch aus einer Ausstellung über Giesing. „Wir haben die Giesinger aufgerufen, uns alte Erinnerungen und Fotos zu bringen. Die Leute kamen zahlreich und ließen mit ihren Geschichten die alte Tela zwischen Ostfriedhof und Stadion wieder lebendig werden. Vieles ist verschwunden, wie beispielsweise die Bäckerei Wildenauer. Letztere brachte das Buchprojekt ins Rollen: Der Historikerin Ilona Schanz war aufgefallen, dass das leerstehende Haus, in dem die Bäckerei beheimatet war, abgerissen worden war und durch ein Mietshaus ersetzt wurde. Für Schanz der Moment, sich den Wandel der Tela genauer anzuschauen.

Fast alle der 500 Exemplare des Buchs sind verkauft. Ein Nachruck ist aber geplant.

Giesings Macher

Als Florian Falterer vor über 15 Jahren nach Giesing zog, war er begeistert. „Mich fasziniert die Mischung aus Großstadt und Dorf“, sagt der Initiator des Kulturprojekts „WatzART“. Im Dezember eröffnete er das „RiffRaff“ an der Tegernseer Landstraße 96, wo das „Kaffee Giesing“ drin war. „Ich wollte einen Ort für alle schaffen.“ Das ist ihm gelungen: In seiner Boazn tummeln sich Alteingesessene wie Neuzugänge. Und einmal in der Woche probt dort der Bud Spencer Heart Chor. Das neueste Projekt des umtriebigen Giesingers: Er macht das ehemalige Pissoir am Nockherberg zur Eisdiele.

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Daniela Schmitt

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