Verein Sterntaler

Besuch aus Afrika will Landwirtschaftsschule bauen: Wissens-Export nach Mali

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Nachhaltiges Wirtschaften in Mali ist das Anliegen von (v.li.) Jens Nonnenmacher, ehrenamtlich aktiv für Sterntaler, Ibrahima und Youchaou Traoré. Sie planen eine Schule für Landwirtschaft im Süden des Landes.

Ibrahima und Youchaou Traoré haben einen Plan: Sie wollen im Süden ihres Heimatlandes Mali eine Landwirtschafsschule bauen. Dafür holen sie sich Inspiration in Oberhaching.

Oberbiberg - Hilfe zur Selbsthilfe ist das Ziel des Vereins Sterntaler, der in Mali, einem der ärmsten afrikanischen Länder, seit zehn Jahren Projekte unterstützt Die Menschen, die dort jeden Tag ums Überleben kämpfen, sollen eine Möglichkeit bekommen, langfristig ihr Leben selbstbestimmt führen zu können. Bereits 2011 konnte mit Hilfe des Vereins eine Berufsschule in der Hauptstadt Bamako eröffnet werden, wo junge Leute eine Ausbildung zum Schreiner, Metallbauer, Sekretär oder Buchhalter machen können. Eine weitere Schule ist in einer ländlichen Gegend entstanden, um Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Aktiv mit dabei ist der Oberbiberger Jens Nonnenmacher, der schon mehrmals beide Schulen in Mali besucht hat. „Bei einem persönlichen Besuch kann man viel leichter erfahren, wo der Schuh drückt, und gemeinsam überlegen, wie Abhilfe geschaffen werden kann“, erklärte er. Nun gab es einen Gegenbesuch: Youchaou Traoré, Rektor der Berufsschule, und sein jüngerer Bruder Ibrahima, der Landwirt ist, kamen nach Oberhaching, um im südlichen Landkreis Schulen zu besuchen – und Bauernhöfe, da die Brüder planen, eine Schule für Landwirtschaft zu eröffnen.

80 Prozent der Malier arbeiten in Landwirtschaft

„Rund 80 Prozent der Malier sind in der Landwirtschaft tätig, doch durch immer mehr Dürren sind die bisherigen Pflanzmethoden nicht mehr effektiv“, berichtete Youchaou Traoré. Die Schule, die im malischen Süden entstehen soll, soll den Landwirten neue Wege aufzeigen: „Nachhaltige Produktion, ein effektiver Umgang mit Wasser sowie gute Düngung, damit die Erde langfristig nicht ausgelaugt wird“, sagt er. Ibrahima Traoré war begeistert von einem Besuch auf dem Bio-Bauernhof Eberl in Ebertshausen: „Es ist wichtig, Wissen auszutauschen und neue Ideen zu bekommen.“ Das geht von Hühnerhaltung und der Fütterung von Kühen bis hin zu unterschiedlichen Wegen, den Boden zu bestellen.

Interessiert besuchten die Brüder auch das Bio G’wölb, ein Lebensmittelgeschäft für Biowaren am Kirchplatz. „In Mali gibt es wenige Supermärkte, und die Einheimischen können dort kaum einkaufen, da es für sie unerschwinglich ist“, erklärte Ibrahima Traoré. Die Produkte auf den Märkten seien oft mit Pestiziden belastet. „Mit der Schule wollen wir auch das Bewusstsein für nachhaltigen und gesunden Anbau von Gemüse schärfen“, erklärte der Schulrektor.

Mit Spenden werden Ziegen gekauft

Wie Jens Nonnenmacher berichtet, fehlt es in dem armen Land an vielem - bereits kleine Hilfen sind sehr willkommen. „Wir versuchen, Partnerschaften mit hiesigen mittelständischen Unternehmen anzuregen ebenso wie mit Schulen.“ So wurden zum Beispiel bei einem Projekt mit einem Münchner Hort Spenden gesammelt. Davon konnten Ziegen für Frauen in einem Dorf gekauft werden, dank deren Milch, Fleisch und Fell die Frauen den Schulbesuch ihrer Kinder und den Unterhalt der Familie unterstützen können. Gleichzeitig hilft das der Unabhängigkeit der Frauen.

Youchaou Traoré berichtete, dass dies auch dazu beiträgt, dass Menschen nicht mehr das Land verlassen müssen in Richtung Europa - wenn sie in der Heimat eine Perspektive haben. Mehr Infos zum Projekt gibt es bei Jens Nonnenmacher, E-Mail: mali@oekoschreiner.de.

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