Oberleitungsschaden: Chaos auf allen S-Bahn-Linien

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Ein ICE musste am Mittwoch Abend evakuiert werden

München - Wegen eines Oberleitungsschadens kam es am Mittwochabend stundenlang zu erheblichen Beeinträchtigungen und Verspätungen im gesamten S-Bahnnetz. Erst gegen 22 Uhr normalisierte sich das Chaos langsam.

Das Notprogramm mit eingeschränktem Verkehr auf der Stammstrecke dauerte bis am späten Abend. Wegen des starken Schneefalls kam es im gesamten S-Bahn Netz zu größeren Fahrplanabweichungen. Auch am Donnerstag entfielen wegen des Oberleitungsschadens noch einzelne Züge oder fuhren in verkürzter Reihung.

Was passiert ist:

Der Bahn-Verkehr in München ist am Mittwochabend nahezu zum Erliegen gekommen. Ein Hochleitungsschaden zwischen Donnersberger und Hackerbrücke sorgte für massive Verspätungen. Ab 18 Uhr saßen tausende Reisende fest – etliche auch in Zügen.

Ein Hochleitungsschaden zwischen Donnersberger und Hackerbrücke hat für massive Verspätungen im Bahnverkehr gesorgt.

Die Fahrt von Stephan Moser und Peter Hiller dauerte normalerweise nur ein paar Minuten. Eigentlich wollten die beiden Regensburger am Mittwochabend mit dem Regionalexpress nach Hause fahren – doch die Heimreise endete bereits nach wenigen hundert Metern. „Kurz vor der Donnersberger Brücke wurde es plötzlich dunkel“, berichtet Hiller. Dann blieb der Zug stehen. Eineinhalb Stunden wartete die Bahn auf offener Strecke. In Durchsagen warnte der Schaffner die Fahrgäste davor auszusteigen: „Lebensgefahr!“

Zugverkehr in München lahmgelegt

Zugverkehr in München lahmgelegt

Die Ursache für das beispiellose Chaos, das den Münchner Bahnverkehr am Mittwochabend erschütterte, konnten Hiller und Moser von ihrem Abteil aus selbst sehen: „Es hat geblitzt, dann ist unsere Oberleitung runtergekommen – und die des ICE auf dem Nebengleis“, sagt Hiller. Die Bahn bestätigte die Ursache für das Chaos, konnte zunächst aber keine Angaben machen, warum die Kabel rissen.

Passagiere eines ICE mussten über die Gleise evakuiert werden. Nachdem ohne die Stromversorgung die Heizung funktionslos war und deshalb die Temperatur im Fahrgastraum sank, entschied man sich laut Feuerwehr, die Fahrgäste aus dem liegengebliebenen Zug zu evakuieren. Die Einsatzkräfte unterstützten die Fahrgäste beim Aussteigen aus dem ICE, dem Überqueren der offenen Schienen und halfen auf den Bahnsteig des S-Bahnhofes Donnersberger Brücke. Insgesamt wurden ca. 350 Personen auf diese Weise in Sicherheit gebracht. Die Fahrgäste fuhren Großteils mit der S-Bahn wieder zum Hauptbahnhof um auf andere Züge auszuweichen. Für die Zeit der Arbeiten blieben die betroffenen Gleise für den Zugverkehr gesperrt.

Aber auch bei der S-Bahn sorgt die Panne für massive Problemen – der Verkehr im Innenraum ist massiv behindert. Die S 1 in Richtung Freising begann erst in Moosach, die S 7 Richtung Wolfratshausen in Mittersendling. Wer mit der S 7 in Richtung Kreuzstraße wollte, musste erst mit der U-Bahn nach Giesing fahren. Die Linien S 20 und S 27 entfielen komplett.

Der Fernverkehr stockte. Ab 19.10 Uhr waren nur noch zwei Fernstrecken betroffen: nach Landshut und Ingolstadt. „Aber es gibt durch die vorangegangene Sperrung einen massiven Rückstau“, sagte ein Bahnsprecher am Abend. Vor Betriebsende sei keine Normalisierung des Verkehrs zu erwarten.

Für Hiller und Moser endete die Fahrt schließlich wieder dort, wo sie Stunden zuvor begonnen hatte: am Hauptbahnhof. Mit einer Diesellok war ihr Regionalexpress wieder zurückgeschleppt worden.

Der Ärger der User über das Bahnchaos am Mittwoch ist groß: "Inzwischen sind die störungen schon an der tagesordnung, von regulär 20 min brauche ich inzwischen über 1 std und da ist die uhrzeit egal!" meint "bahnkunde".  "Und das Chaos ist mal wieder bei den Informationssystemen, die völligen Blödsinn anzeigen, am stärksten", schreibt "ein Leser.

Auch am Donnerstag in der Früh ging es für die meisten Pendler mit Verspätungen los. "Witterungsbedingt" mussten die meisten Tram- und Busfahrer eine längere Wartezeit in der Kälte in Kauf nehmen. Nach Fahrplan fuhr so gut wie gar nichts.   

Wie haben Sie das Chaos erlebt? Was sagen Sie zum Service der Bahn? Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung:

akg/bst/mik

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