Wegen Modernisierung

Oberpollinger an Österreicher verkauft

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Das Kaufhaus Oberpollinger in der Münchner Innenstadt

München - Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen trennt sich von der Mehrheit an 31 Sport- und Luxuskaufhäusern. Darunter ist auch das Oberpollinger in München.

Rund drei Jahre nach dem Kauf von Karstadt trennt sich der US-deutsche Investor Nicolas Berggruen von den Filetstücken: Er verkauft jeweils 75,1 Prozent an der Karstadt-Premium-Gruppe - der Oberpollinger in München, das Alsterhaus in Hamburg und das KaDeWe in Berlin - und an Karstadt Sports an die österreichische Signa Holding, wie beide Unternehmen am Montag mitteilten. Mit dem Verkaufserlös von 300 Millionen Euro sollen die Karstadt-Häuser modernisiert werden.

Die Signa-Unternehmensgruppe des Tiroler Immobilieninvestors René Benko ist bereits "der mit Abstand größte Vermieter von Karstadt-Immobilien", erklärte Berggruen. Im Dezember 2012 hatte Benko das KaDeWe und 16 weitere Karstadt-Warenhäuser für mehr als 1,1 Milliarden Euro gekauft - Mieter blieb Karstadt.

Nun geht auch das Geschäft der drei Luxus-Warenhäuser und der 28 Sportfilialen in österreichische Hände. Mit dem Kauf gehöre Signa "zu den führenden Unternehmen für innerstädtischen Einzelhandel in Toplocations in Deutschland", erklärte die Gruppe. Signa glaube an die Zukunft der Innenstädte mit starken und modernen Warenhäusern. Die Kartellbehörden müssen dem Verkauf noch zustimmen.

Berggruen behält den Plänen zufolge die Minderheitsanteile sowie das "Kerngeschäft" mit 83 Karstadt-Warenhäusern. Die Investition von 300 Millionen Euro sei "mein Beitrag zur weiteren Gesundung des Unternehmens und mein klares Bekenntnis zum Geschäftsmodell Warenhaus", erklärte der Investor. Karstadt bekomme nun "zusätzlichen Spielraum und Sicherheit". Er sehe "in den nächsten Jahren große Wachstumschancen".

Berggruen hatte Karstadt im Sommer 2010 aus der Insolvenz des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor heraus übernommen und damit vor dem Aus bewahrt. Der Investor versprach damals, Arbeitsplätze zu erhalten und die Filialen zu modernisieren. Er war in den vergangenen Monaten heftig dafür kritisiert worden, dass er kein Geld in die Kaufhauskette steckte.

Die rund 20.000 Beschäftigten hingegen verzichteten in den vergangenen Jahren nach Gewerkschaftsangaben auf insgesamt 650 Millionen Euro - und wurden im Mai von der Ankündigung überrascht, dass Karstadt aus dem Tarifvertrag aussteigt. Für die Mitarbeiter entfallen damit unter anderem bis 2015 Gehaltserhöhungen, die tarifvertraglich vereinbart sind. Sie fühlten sich "wieder mit Einkommensverzicht gestraft", wie die Gewerkschaft Verdi erklärt hatte.

Im August nahm Karstadt aber wieder Verhandlungen mit der Gewerkschaft auf. Im Oktober sollen erste Ergebnisse präsentiert werden. Berggruen erklärte am Montag, wichtig sei "der Tarifweg, den das Management gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern geht".

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Mit dem Verkauf der Häuser scheidet den Angaben zufolge auch der Berggruen-Vertraute Jared Bluestein aus, bislang Vorsitzender des Karstadt-Aufsichtsrates. Neuer Chef des Gremiums wird Stephan Fanderl, derzeit Manager bei Walmart und laut Berggruen ein "ausgewiesener deutscher Handelsexperte".

AFP

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