1968 unterschrieb er den Vertrag

Dieser Oberschleißheimer arbeitet seit 50 Jahren für dieselbe Firma

Gerhard Gaggermeier am Schreibtisch mit (v.l.) dem Firmengründer Josef Bauer, seinem Chef Thomas Bauer und Kollege Albin Agic. 
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Gerhard Gaggermeier am Schreibtisch mit (v.l.) dem Firmengründer Josef Bauer, seinem Chef Thomas Bauer und Kollege Albin Agic. 

1968 unterschrieb Gerhard Gaggermeier seinen Arbeitsvertrag bei einem Unterschleißheimer Ingenieurbüro. Heute ist er 75. Und immer noch da.

Unterschleißheim/Oberschleißheim - Eine Karriere wie die von Gerhard Gaggermeier ist heute selten: Seit 50 Jahren arbeitet der Oberschleißheimer im Ingenieurbüro Bauer an der Max-Planck-Straße. Der 75-Jährige ist in Vollzeit angestellt als Ingenieur für Heizung, Lüftung, Sanitär. Obwohl er seit zehn Jahren Rentner ist. Bürgermeister Christoph Böck gratulierte dem Jubilar, ebenso das bayerische Wirtschaftsministerium und die IHK.

Für Thomas Bauer ist sein ältester Angestellter ein wahrer Gewinn: „Er hat das Büro maßgeblich mitgestaltet.“ Nicht nur durch das fachliche Know-How, sondern auch als Mensch. Seine aufrichtige Art tue dem Team gut und „kommt auch bei den Kunden sehr gut an“.

„Junge Kollegen zapfen meine Erfahrungen ab“

Und seine Erfahrungen werden gebraucht: „Die jungen Kollegen spannen mich ein und zapfen meine Erfahrungen ab“, sagt der „Best Ager“ und fügt hinzu: „Ich lerne auch von ihnen und lasse mir immer wieder etwas zeigen, vor allem bei der EDV.“ Gaggermeier sieht darin einen Generationenvertrag. „Wichtig ist, dass man ehrlich zueinander ist.“

1968 schloss Firmengründer Josef Bauer mit ihm den Arbeitsvertrag. Gerhard Gaggermeier war der erste und einzige Angestellte und damals gerade 25 Jahre alt. Sein heutiger Chef Thomas Bauer lernte zu dieser Zeit mit anderthalb Jahren gerade das Laufen. Aus dem einen Mitarbeiter sind heute 30 geworden.

Nachträglich FH-Diplom verliehen bekommen

Technik hat Gerhard Gaggermeier immer begeistert. Nachträglich wurde ihm das FH-Diplom verliehen. „Man muss immer vorne mitschwimmen. Wer meint, alles schon zu können, hat schon verloren“, sagt der hochgewachsene, sportliche Projektleiter.

Gerhard Gaggermeier lernte in Regensburg zunächst Installateur, machte die Gesellenprüfung im Betrieb seines Onkels und hängte die Meisterprüfung dran. Eigentlich sollte er die Firma des kinderlosen Onkels übernehmen, doch als der im fortgeschritten Alter Vater wurde, musste sich Gerhard Gaggermeier neu orientieren. Er absolvierte seinen Wehrdienst, wechselte auf die Schulbank und kam über ein Zeitungsinserat zu seinem endgültigen Arbeitgeber, dem Ingenieurbüro Bauer.

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Theater in Waldkraiburg als besondere Herausforderung

Gaggermeier hat - erst am Reißbrett, später am Computer - Haustechnik für Wohnungen, Schulen oder Sporthallen geplant. Eine Herausforderung war die Akustik für das Theater in Waldkraiburg, „die Lüftung musste besonders leise sein“. Spannend war die Planung einer Brauerei im Irak oder das Kinderwunschzentrum München.

Als er vor 50 Jahren seinen ersten Arbeitstag absolvierte, wurden Ausschreibungen mit Matrizen vervielfältigt und Einschreiben geschickt. Heute ist Gaggermeier per WhatsApp und E-Mail übers Smartphone im Auto und auf der Baustelle erreichbar. Der Berufsalltag sei heute stressiger, sagt er.

Smartphone wird zu Hause ausgeschaltet

Zuhause in Oberschleißheim schaltet er sein Smartphone aus. Auch bei der eigenen Haustechnik ist er energiebewusst, „zum Leidwesen meiner Frau“, sagt er und schmunzelt. Ins Zweifamilienhaus aus den 80er Jahren hat er eine Wärmepumpe eingebaut, „ich will Energie sparen, aber meine Frau hat es lieber etwas wärmer.“ Die Gaggermeiers haben nachgerüstet und einen Kachelofen eingebaut.

Nach Feierabend trainiert Gaggermeier beim TSV Schleißheim die Volleyball-Freizeitliga, spielt Tennis und macht – weniger begeistert, aber regelmäßig - Gymnastik. „Sport war für mich immer der Ausgleich zum stressigen Job.“

Wie lange will er noch 40 Stunden pro Woche arbeiten? „So lange mich die Leute im Büro noch brauchen können“, sagt er. Aber in drei Jahren, wenn seine Frau in Rente geht, soll der Ruhestand für sie gemeinsam losgehen.

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