Der Versuch einer Kontaktaufnahme

Das Obike-Desaster: Unternehmen ist abgetaucht - Wer räumt jetzt die Blechhaufen weg?

+
Plötzlich waren sie da. Obikes gehören, im Baum und auf der Straße, zum Stadtbild – zum Ärger vieler Bürger

Ärger um die gelben Obikes. Im Frühjahr hatte der Leihradl-Anbieter Obike angekündigt, den Großteil seiner Flotte aus der Stadt zu verbannen. Die Realität sieht anders aus. 

München - Im Frühjahr hatte der Leihradl-Anbieter Obike angekündigt, den Großteil seiner Flotte aus der Stadt zu verbannen. Foto-Einsendungen unserer Leser zeigen, dass die gelben Drahtesel immer noch fester Bestandteil des Stadtbilds sind – in Bäumen, Flüssen und an fast jeder Straßenecke. Das Unternehmen ist derweil abgetaucht.

„Wir haben keine Information darüber, wie viele Räder das Unternehmen wirklich abgezogen hat“, sagt Florian Paul, der Radverkehrsbeauftragte der Stadt. Paul ist mit seinem Latein am Ende. „Wir haben keinen Ansprechpartner für München mehr“, klagt er. „Der Krisenmanager hat offenbar gekündigt, die PR-Agentur, die Obike vertreten hat, steht ebenfalls nicht mehr im Dienst der Firma.“ Pauls Fazit: „Obike stellt sich tot.“

Lesen Sie auch: Nach Mietradl-Chaos: Münchner Obikes sorgen jetzt in Rom für Verwirrung - wegen dieses Details

Vor einigen Wochen habe es noch ein Lebenszeichen gegeben – per E-Mail. „Der Betrieb wird jetzt offenbar aus China oder Singapur weitergeführt“, sagt Paul. Die letzte Information: „Die Flotte soll bis Mitte Juli vollständig oder teilweise von der Straße zurückgezogen werden.“ Voraussetzung dafür sei allerdings, dass Obike einen Unternehmer finde, der die Räder einsammeln und auch lagern kann.

Auch interessant:  Leihradanbieter Mobike plant Angebot in allen deutschen Großstädten

Wer versucht, mit Obike in Kontakt zu treten, wartet vergeblich auf eine sinnvolle Antwort. Die Ansprechpartner, die in der letzten Pressemitteilung genannt sind, vertreten das Unternehmen nicht mehr. Der erst im September letzten Jahres angeheuerte Krisenmanager Marco Piu hat im März hingeschmissen. Unter der im Impressum der Internetseite angegebenen Telefonnummer mit Münchner Vorwahl läuft folgende Ansage: „Die von ihnen gewählte Rufnummer ist nicht erreichbar.“ Einzig über Facebook reagiert das Unternehmen prompt – allerdings nur mit dem Hinweis: „Vielen Dank für deine Rückmeldung. Deine Nachricht wurde soeben weitergeleitet.“ Wer hier kommuniziert und an wen die Nachricht weitergeleitet wurde, bleibt unklar.

Test: Was Taugen E-Bikes?

Dementsprechend scheint der Kurs des Unternehmens ungewiss. Ende Juni hatte Obike den Betrieb im Heimatmarkt Singapur abrupt eingestellt. Der Grund: Die Inselregierung hatte neue strenge Regeln für das Abstellen von Leihrädern erlassen, die Obike nicht einhalten konnte.

Lesen Sie auch: Ärgernis auf Rädern: Darum kann die Stadt das Mietradl-Chaos nicht verhindern

Und was passiert, wenn Obike komplett abtaucht oder insolvent wird? „Dann müssen wir die Räder wohl selbst entfernen“, sagt Paul. Die Stadt kümmert sich um die Entfernung von herrenlosen Schrotträdern – doch darum handelt es sich bei den Obikes nicht. Sie sind weder herrenlos noch offensichtlich fahruntauglich. Paul stellt klar: „Im Moment ist Obike für die Räder verantwortlich. Und so lange die Firma besteht, werden wir auf Räumung pochen.“

Stichwort: Mieträder 

Das Obike-Desaster hat aufstrebende Mietradbeitreiber offenbar vom Einstieg in den Münchner Markt abgehalten. „In Berlin gibt es allein sieben Anbieter“, sagt der Radlbeauftragte Florian Paul. In München sind vier Anbieter aktiv, einer von ihnen ist Obike. „Mit den anderen Anbietern gibt es quasi keine Problem“, sagt Paul. Die MVG betreibt ihr Leihrad-System mit festen 121 Stationen im Stadtgebiet. Noch im Herbst sollen 2000 MVG-Räder dazukommen, für nächstes Jahr sind 160 Stationen im Umland mit 1000 zusätzlichen Rädern geplant. Weitere Anbieter: Call-a-Bike (Deutsche Bahn) und der dänische Anbieter Donkey Republic. Der hat seine 450 Räder behutsam eingeführt und wächst mit der steigenden Nachfrage.

Auch interessant

Meistgelesen

Irre Wende im O-Bike-Skandal: Nun setzt ein Händler Kopfgeld auf die Fahrräder aus 
Irre Wende im O-Bike-Skandal: Nun setzt ein Händler Kopfgeld auf die Fahrräder aus 
Fatale Fehlerkette in München: Darum mussten Kinder zum Schulstart am Boden kauern 
Fatale Fehlerkette in München: Darum mussten Kinder zum Schulstart am Boden kauern 
Ballermann an der Isar: Anwohner beschweren sich über „rechtsfreie Räume“
Ballermann an der Isar: Anwohner beschweren sich über „rechtsfreie Räume“
Polizei verfolgt Flüchtigen - in seiner Wohnung macht sie schockierenden Fund
Polizei verfolgt Flüchtigen - in seiner Wohnung macht sie schockierenden Fund

Kommentare