Öffentliche Rüge des Deutschen Presserats

München - Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat einen Bericht auf tz-online öffentlich gerügt. Lesen Sie hier die Begründung.

Zusammenfassung des Sachverhalts

TZ Online veröffentlicht am 09.09.2010 unter der Überschrift „Junge Frau (23) vom Rücken-Martyrim erlöst“ einen Artikel über eine Frau, deren Rückenschmerzen durch eine Operation beseitigt wurden. An drei Stellen des Artikels erfolgt ein Hinweis auf die Praxis des behandelnden Arztes. Dabei werden Anschrift, Telefonnummer und Homepage der Praxis genannt. Der Beschwerdeführer sieht in dem Hinweis auf die Praxis und die Nennung der Kontaktdaten Schleichwerbung.

Die Chefredaktion weist in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass die Redaktion in eigenem Ermessen entscheide über welche Ärzte und Behandlungsmethoden sie berichte. Nach Ansicht der Medizinredaktion handele es sich bei der vorgestellten Methode um einen erfolgversprechenden Behandlungsansatz, über den man die Leser informieren wollte. In diesem Zusammenhang stünde es der Zeitung frei, auf die Kontaktdaten des betreffenden Arztes zu nennen. Geschäftliche Interessen des Arztes hätten bei der Entscheidung für die Berichterstattung keine Rolle gespielt. Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 Pressekodex liege somit nicht vor.

Erwägungen des Beschwerdeausschusses

Der Beschwerdeausschuss erkennt in der Berichterstattung unter dem Titel „Junge Frau (23) vom Rücken-Martyrium erlöst“ auf TZ-Online eine Verletzung des in Ziffer 7 Pressekodex festgehaltenen Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung. In dem Beitrag, der sich mit einer jungen Frau beschäftigt, deren Rückenschmerzen durch eine Operation beseitigt wurden, wird an drei Stellen auf den behandelnden Arzt und seine Praxis hingewiesen. Dabei werden auch die genaue Adresse der Praxis sowie die Telefonnummer bzw. die Homepage der Klinik genannt. In der Häufung dieser Angaben erkennt der Beschwerdeausschuss Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 des Pressekodex. Bei dieser Entscheidung verkannte das Gremium nicht, dass selbstverständlich die Redaktion darüber entscheidet, über welche ärztlichen Behandlungsmethoden sie berichtet. Allerdings wird die Grenze zwischen einem begründeten öffentlichen Interesse hin zur Schleichwerbung überschritten, wenn über die sachliche Darstellung des Falles hinaus mehrfach auf den behandelnden Arzt und seine Klinik hingewiesen wird. Durch diese Hervorhebung der Kontaktdaten entsteht ein Werbeeffekt für die betreffende Klinik, die nicht mehr von einem öffentlichen Interesse gedeckt ist. Der Beschwerdeausschuss empfiehlt der Redaktion daher bei ähnlich gelagerten Berichterstattungen künftig einen sensibleren Umgang mit der Angabe von Kontaktdaten.

Ergebnis

Der Beschwerdeausschuss erklärt die Beschwerde wegen eines Verstoßes gegen die Ziffer 7 des Pressekodex für begründet. Presseethisch bewertet der Ausschuss den Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze als so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 Beschwerdeordnung eine öffentliche Rüge ausspricht. Die Redaktion wird gebeten, die Rüge gemäß Ziffer 16 Pressekodex zeitnah zu veröffentlichen. Die Entscheidungen über die Begründetheit der Beschwerde und über die Wahl der Maßnahme ergehen einstimmig.

Urusula Ernst

Voristzende des Beschwerdeausschusses 2

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