600 Millionen Euro!

tz besucht das Mega-Windpark-Projekt der Stadtwerke

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München - Die Stadtwerke München (SWM) investieren 600 Millionen Euro in eine Mega-Windpark-Anlage in der Liverpool Bay. Die tz war vor Ort und hat sich das Öko-Strom-Projekt mal genauer angesehen.

Sommer in Wales. An der Küste, der Liverpool Bay, bläst eine steife Brise. Draußen auf dem Meer drehen sich die Räder von Gwynt y Mor, dem zweitgrößten Windpark der Welt: 160 Mühlen, 150 Meter Höhe, 100 Prozent sauberer Strom. Öko-Strom der Stadtwerke München (SWM), die an diesem Projekt beteiligt sind. „Ein Meilenstein in unserer Ausbauoffensive für erneuerbare Energien“, sagt SWM-Chef Dr. Florian Bieberbach (41).

Lokalchef Stefan Dorner war für die tz im Windpark in Wales.

Die SWM, städtischer Musterbetrieb und Goldesel (6,32 Milliarden Umsatz im Jahr 2013, 204 Millionen Euro Gewinn, 8400 Mitarbeiter) gelten als Vorreiter in punkto Klima- und Umweltschutz. „Wir haben das ehrgeizige Ziel, bis 2025 so viel Ökostrom in eigenen Anlagen zu produzieren wie in München verbraucht wird“, erklärt Bieberbach. Es wäre die erste Millionen-Metropole der Welt, der dies gelingt.

„Allein in und um München ist dies natürlich nicht möglich“, sagt Bieberbach. Deswegen sind die SWM seit Jahren europaweit auf der Suche nach geeigneten Flächen und strategischen Partnern.

"Herstellungskosten bei Windenergie sind enorm hoch"

Beides hat man in Großbritannien gefunden: Gywnt y Mor kostet zwei Milliarden Euro und ist ein Gemeinschaftsprojekt von RWE (60 Prozent) und den SWM (30 Prozent). Die restlichen 10 Prozent hält Siemens, aus deren Haus die Turbinen stammen.

Rund 600 Millionen Euro steckt die SWM in den Offshore-Park 13 Kilometer vor der Küste. „Die Herstellungskosten bei Windenergie sind enorm hoch“, weiß Bieberbach. Doch wenn die Anlage ab der Jahreswende unter voller Leistung läuft, weht es nicht nur sauberen Strom in die Steckdosen, sondern auch Geld in die SWM-Kasse. Der Wind schickt nämlich keine Rechnung.

Stefan Dorner

Hier geht der Strom ins Netz

Für den Windpark Gwynt y Mor ist in St. Asaph ein eigenes Umspannwerk errichtet worden. Es liegt in einem Industriegebiet in deutlicher Entfernung zur Küste. Elf Kilometer Kabel wurden dafür unterirdisch von jener Stelle am Hafen von Mostyn verlegt, an der der Strom an Land kommt. Warum diese Entfernung? Dies hat zweierlei Gründe: Zum einen verschandelt das Umspannwerk nicht die Küste. Und zum anderen liegt die Transformatorstation Zaun an Zaun mit einer Anlage des britischen Netzbetreibers National Grid, von wo aus der Strom über Hochspannungsleitungen eingespeist wird. Gymnt y Mor kann 800.000 Haushalte versorgen, der SWM-Anteil liegt somit bei rund 240.000.

150 m-Giganten im Meer

Die Windräder sind je nach Meeresspiegel zirka 150 Meter hoch. Zum Vergleich: Das SWM-Windrad am Fröttmaninger Berg an der Allianz Arena misst nur 99,8 Meter. Zunächst mussten die 160 Einzelfundamente mit Spezialplattformen bis zu 70 Meter in den Meeresboden gerammt werden. Die Seetiefe im Windpark beträgt zwischen zwölf und 28 Meter. Die Anlage umfasst insgesamt eine Fläche von 80 km². Auch hier nochmal ein Arena-Vergleich: Das sind über 10.000 Fußballfelder! Der größte Windpark der Welt hat übrigens nur 15 Räder mehr und liegt an der Südostküste Englands bei Margate. Vorgelagert zu Gwynt y Mor befinden sich jedoch die Anlagen Rhyl Flats (seit 2009) und North Hoyle (2003/siehe Karte oben). Bieberbach: „Zählt man alle drei zusammen, kommt man auf eine Leistung, die dem Kernkraftwerk Isar 2 entspricht.“

Der Chef ist zufrieden

Stadtwerke-Chef Dr. Florian Bieberbach im Interview.

Stadtwerke-Chef Dr. Florian Bieberbach zieht eine zufriedene Zwischenbilanz nach seinem Besuch am Windpark. „Wegen des ziemlich schlechten Wetters im Frühjahr mit selbst für Großbritannien sehr starken Winden ist der Zeitplan etwas in Verzug geraten“, sagt er. Nach und nach gehen die einzelnen der 160 Mühlen ans Netz. Ziel war es, bis Ende des Jahres komplett fertig zu sein. „Es wird knapp, womöglich könnte es sich auch leicht bis zum Frühjahr 2015 verzögern“, sagt John Darling, Projekt-Manager vor Ort. Für eine Offshore-Maßnahme, die seit Ende 2009 läuft, ist das ein absolut akzeptabler Rahmen“, meint Bieberbach.

Tipp: münchen.tv zeigt am Mittwoch um 18.45 Uhr eine Reportage dazu.

Hier landet die Energie

Es sieht aus wie ein Marterl und markiert jene Stelle, an der das Unterwasserkabel im Hafen von Mostyn das Land erreicht. Von hier aus geht es weiter zum Umspannwerk (siehe links). Doch kommt dieser SWM-Strom auch nach München? „Nein!“, erklärt Bieberbach. „Aber er ist Teil im riesigen europäischen Stromsee.“ Und dieser muss relativ konstant gehalten werden. Deshalb wird für jedes Kilowatt sauberen Ökostroms irgendwo anders ein fossiles Kraftwerk (Öl, Kohle, Gas, Uran) in seiner Leistung gedrosselt.

Lebensdauer des Parks

In den Kalkulationen wurden 20 bis 25 Jahre zugrunde gelegt. „Das heißt aber nicht, dass die Anlage dann kaputt ist“, betont Bieberbach. Die Fundamente werden ohnehin mehrere Jahrzehnte halten. Und die Rotoren und Turbinen dürften bei entsprechender Wartung bzw. eines Austauschs ebenfalls länger am Netz bleiben. Gwynt y Mor schafft somit 100 Arbeitsplätze vor Ort. Von Land aus kann die Arbeit auf dem Meer per Kamera verfolgt werden (Foto).

Neun Milliarden Euro für sauberen Strom

Die SWM-Solaranlage in Andalusien

Steigende Preise für Öl, Gas und Kohle – dazu der deutsche Ausstieg aus der Kernenergie: All dies hat bei den Stadtwerken München schon vor Jahren zu einem Umdenken und zu einem äußerst ehrgeizigen Ziel geführt: Bis 2025 sollen die 7,5 Milliarden Kilowattstunden, die in unserer Stadt pro Jahr verbraucht werden, aus eigenen Anlagen stammen, die ohne fossile Brennstoffe auskommen. 9 Milliarden Euro sind für die „Ausbauoffensive Erneuerbare Energien“ im Budget vorgesehen. Dafür investiert die SWM regional, national und international. Die größten Projekte:

  • Solarthermie-Kraftwerk Andasol: Die Anlage in Südspanien ist seit 2012 in Betrieb und hat eine Leistung von 50 Megawatt (SWM-Anteil: 30.000 Haushalte).
  • Offshore-Windparks Nordsee: Hier ist die SWM an zwei Projekten beteiligt, die kurz vor der Fertigstellung stehen: DanTysk (München-Anteil: 250.000 Haushalte) und Global Tech I (160.000). Weitere Windanlagen-Projekte an Land (Onshore) gibt es in Schweden, Polen, Belgien, Frankreich und Kroatien.

Fakten zu Gwynt y Mor

Standort: Liverpool Bay, Wales (13 km vom Festland)
Turbinen: 160 (verteilt auf eine Fläche von 80 km²)
Höhe: 150 Meter (je nach Meeresspiegel schwankend)
Leistung: 576 Megawatt
Strom pro Jahr: ~ 1,95 Milliarden kWh (= 800.000 Haushalte)
Kosten: 2 Milliarden Euro
Partner: RWE (60 %), SWM (30 %), Siemens (10 %)
CO2-Einsparung: 1,7 Millionen Tonnen pro Jahr

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