Oetker trauert um Polizisten-Freund

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Richard Oetker

München - Helmut Bauer , der Richard Oetkers Entführer zur Strecke brachte, ist am vergangenen Samstag gestorben. Oetker hat ihn bis zum Ende immer wieder im Krankenhaus besucht.

Der Münchner Ermittler Helmut Bauer (†72), der Oetkers Entführer zur Strecke brachte, war für Richard Oetker ein ganz enger Vertrauter geworden. Am vergangen Samstag starb Bauer an Krebs. Für Oetker ein großer Verlust: „Ich habe einen wertvollen und außergewöhnlichen Freund verloren.“

In einer Nachruf-Anzeige in der Süddeutschen Zeitung schreibt er außerdem: „Seiner Courage, seiner Geduld und seinem Einfühlungsvermögen habe ich viel zu verdanken.“ Die Entführung, bei der der damals 25-jährige Industriellen-Sohn in einer Kiste gefangen halten und durch Stromstöße fast getötet wurde, lag fast ein Jahr zurück, als Bauer zur Soko stieß. Der Fall sollte ihn 20 Jahre lang beschäftigen.

Richard Oetker am 19.05.1980 in Begleitung seiner Ehefrau Marion in München bei der Verhandlung gegen Dieter Zlof

Bauer musste am Nullpunkt anfangen, es gab keine konkrete Spur. Die Soko startete ein ganz neues Fahndungsprogramm, veröffentlichte unter anderem die Seriennummern der Geldscheine der erpressten 21 Millionen D-Mark. Der Versuch, einen Schein einzulösen, bereitete dem Entführer Dieter Zlof schließlich das Ende. Am 30. Januar 1979 dann die Festnahme – ein sensationeller Erfolg für Bauer, der da schon Soko-Leiter war. Im Indizienprozess aber wurden Zweifel laut, ob Bauer den richtigen geschnappt hatte.

Eine schwere Zeit für ihn und Oetker. Aber der Ermittler gab nicht auf. „Bauer war einer der besten Kriminalisten, die es in Bayern je gegeben hat“, sagt sein Ex-Kollege Josef Geißdörfer der tz. „Er war sehr hartnäckig und bissig.“ Im Jahr 1997 die Erlösung für Bauer: Der Großteil des Lösegelds taucht in London auf, Zlof wird erneut verhaftet. Geißdörfer: „Bauer hätte es nicht ertragen, wenn sich Zlof in die Südsee abgesetzt hatte.“

„Das Interesse an der Aufklärung verbindet natürlich“, hatte Bauer einmal in einem Interview gesagt. In all den Jahren habe sich „ein vertrauensvolles Verhältnis“ entwickelt. Geißdörfer: „Für Oetker war Huber nicht nur sein bester Freund, er war auch ein Teil der Familie.“ Oetker hat Bauer oft nach Hause eingeladen, sie haben viele Feste gemeinsam gefeiert.

Oetker konnte sich zumindest noch von Bauer verabschieden. Von dem Mann, der ihm am besten half, an dem erlebten Trauma nicht kaputt zu gehen.

NBA/CS

Der Horror in der Kiste

14. Dezember 1976, 18.45 Uhr: Der Student und Industriellensohn Richard Oetker (25) wird vom Parkplatz der Universität Weihenstephan in Freising entführt. Dieter Zlof, Inhaber einer Kfz-Werkstatt, zwingt ihn, in eine unter Strom stehende Holzkiste in einen VW-Kastenwagen zu steigen. Forderung: 21 Millionen D-Mark Lösegeld.

16. Dezember 1976, 13.45 Uhr: Der Bruder von Richard Oetker übergibt das Lösegeld im Untergeschoss des Münchner Stachus. Der Täter entwischt: Er öffnet von innen eine Notausgangstür, reißt den Geldkoffer an sich und haut ab. Am Abend setzt er sein schwer verletztes Opfer in einem Waldstück aus. Oetker erleidet durch die Stromschläge Wirbelverletzungen und komplizierte Knochenbrüche.

1. April 1977: Das Landeskriminalamt gründet eine Sonderkommission, deren Leiter später Helmut Bauer wird.

Herbst 1977: Die Mitarbeiter der neuen Soko lösen eine große Öffentlichkeitsfahndung aus. Sie fordern Bankangestellte und Privatpersonen auf, Geldscheine nach Seriennummern zu kontrollieren. Zudem wird ein Phantombild angefertigt. Über eine Sammelnummer der Bundespost können Bürger erstmals die bei einem Telefonanruf aufgenommene Stimme des Täters hören.

29. Dezember 1978: Zlof zahlt drei 1000-Mark-Scheine bei der Deutschen Bank am Goetheplatz auf sein eigenes Konto ein. Die Kassiererin vergleicht routinemäßig die Seriennummern mit denen einer Liste. Die Bank informiert die Polizei. Zlof gibt in der Vernehmung an, das Geld von einer anderen Bank zu haben. Die Polizei muss ihn laufen lassen, beschattet ihn weiter.

30. Januar 1979: Zlof wird verhaftet.

9. Juni 1980: Zlof wird in einem Indizienprozess zur Höchststrafe von 15 Jahren Haft verurteilt. Richard Oetker zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Er ist bis heute schwer gehbehindert.

1994: Zlof wird freigelassen, erst zwei Jahre später gibt er die Tat zu. Das Lösegeld bleibt verschwunden.

Mai 1997: Zlof wird in London wieder festgenommen, als er 10,7 Millionen Mark umtauschen will. Er wird wegen versuchter Geldwäsche und Betrugs zu weiteren zwei Jahren Haft verurteilt. Heute betreibt er einen Imbiss im Münchner Norden.

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