Unternehmen heißt jetzt „Dawonia“

Offiziell nicht mehr gemeinnützig: GBW-Mieter fürchten neue Konzern-Politik

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Herta und Heinz Schwarz leben seit 48 Jahren im GBW-Quartier an der Schleißheimerstraße. Jetzt haben sie Angst vor der Zukunft. Wie hier im Hasenbergl sorgen sich vielerorts in München Mieter des Konzerns. Daran ändert auch nichts, dass die GBW jetzt Dawonia heißt.

Zum Jahreswechsel hat die ehemals staatliche Wohnungsgesellschaft GBW ihren Namen geändert – wohl mit dem Ziel eines Schlussstrichs. Denn die Mieter in München bringen mit dem Namen GBW seit dem Verkauf im Jahr 2013 vor allem Negativschlagzeilen in Verbindung.

Die Abkürzung GBW steht zwar für „Gemeinnützige Bayerische Wohnungsgesellschaft“, doch Gemeinnutz besteht nicht mehr. Die GBW erklärte am Montag, sie sei weder gemeinnützig noch auf Bayern beschränkt, da man nun auch Wohnungen in Hessen habe. Deshalb ändere sie den Namen.

Doch allein der neue Name „Dawonia“, der wie der bayerische Satz „Da wohn i a“ klingt, bringt kein Abreißen der Negativschlagzeilen. Daran ändert es auch nichts, dass die GBW in ihrer Bekanntgabe der Namensänderung schreibt: „Das neue Jahr wird gut anfangen“ und mehr Informationen auf ihrer Homepage unter dem Link „presse-good-news“ zur Verfügung stellt. Gute Nachrichten brachte das neue Jahr auch nicht für die meist alteingesessenen und betagten Mieter im GBW-Quartier Hasenbergl. Hier soll in den kommenden fünf Jahren modernisiert und verdichtet werden.

Nicht nur der Name ist neu  

Herta und Heinz Schwarz (72 und 85 Jahre alt) leben seit 48 Jahren in einer Wohnung im ersten Obergeschoß an der Schleißheimerstraße 503 (66 Quadratmeter, 770 Euro Warmmiete). „Aber wer weiß, wie lange noch, in unserem Alter verträgt man Zukunftsangst schlecht“, sagt Heinz Schwarz. Zu den Plänen im GBW-Quartier Dülfer-/Link-/Schleißheimer Straße schreibt die GBW – jetzt Dawonia: „Es entstehen rund 200 neue Wohnungen, wovon 40 Prozent öffentlich geförderter Wohnraum (EOF-Wohnungen) sein wird. Außerdem werden die Außenanlagen schöner gestaltet und es wird eine Kindertagesstätte entstehen. Die Bestandsbebauung mit rund 400 Wohnungen bleibt weitestgehend erhalten.“ Eine Sprecherin erklärte gestern gegenüber unserer Zeitung, es stünde eine große energetische Modernisierung an, ebenso die Verdichtung, die genaue Planung sei aber noch nicht abgeschlossen und Baubeginn solle erst 2020 sein.

Vor Weihnachten informnierte die GBW die Bewohner: „Dort hörten wir zum ersten Mal, dass in unseren Häusern größere Maßnahmen anstehen: der Austausch der Steigleitungen, wozu Wände aufgerissen werden, die Verglasung der Balkone und vieles mehr“, sagt Heinz Schwarz. Für die Bewohner sollen übergangsweise in den Höfen Container zum Duschen sowie Toiletten aufgestellt werden.

Die GBW hat in Bayern eine lange Tradition – und so sind viele Biografien von Senioren in München mit der ehemals staatlichen Wohnungsgesellschaft verwoben. Für die Betroffenen im Hasenbergl – einige leben schon seit 1963 in dem GBW-Quartier – sind die Nachrichten deshalb ein Schock: „Eine Dame bekam sogar einige Tage später einen Herzinfarkt, eine andere kann keine Nacht mehr schlafen vor Aufregung“, berichtet Heinz Schwarz. Detailfragen seien bei der Veranstaltung abgewiegelt und nicht beziehungsweise unzureichend beantwortet worden. Die Bewohner sorgen sich nun: Wie sollen sie die Zeit der Bauarbeiten überstehen, werden sie sich die neue Miete leisten können und werden die Wohnungen vielleicht später verkauft? „Wir überlegen ernsthaft, wegzuziehen – so viel Stress hält man im Alter kaum mehr aus“, sagt Heinz Schwarz. Wenn sie denn eine neue bezahlbare Bleibe finden.

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